
Einführung.
Vollflügeligkeit (Makropterismus) und Flugfähigkeit ist für die Insekten aller Ordnungen das
Ursprüngliche und Gewöhnliche, Flugunfähigkeit und Stummelflügeligkeit dagegen ein abgeleiteter
Zustand, der sich, wenn auehifieht selten, so doch nicht gleich häufig findet. Bei Lepidopteren,
Dipteren, Hemipteren, Physopoden, Dermapteren, Orthopteren ®jstr., und, wie wir sehen werden^
auch bei Coleopteren finden sich alle Stufen der Entflügelung, i. Rückbildung der Flugorgane bis
zur wollen Flügellosigkeit (Apterismu|| Die sämtlichen (truncatipennen) Zwischenstufen werden
gewöhnlich als kurzflügelige (brachyptere) bezeichnet, doch kann man neben brachypteren Formen.
||# d e n e n es: sich im ganzen um typische, aber verkürzte Flügel handelt, kleinflügelige (mikroptere)
unterscheiden, deren Flugorgane lappenföraig'gflj^lig, sind und zugleich die typische Äderung nicht
oder nur andeutungsweise erkennen lassen.
Bei Käfern kann Ä die Entflügelung auf beide Flügelpaare beziehen oder auf die Hautflügel
beschränken. Wenn in dieser Arbeit von Rudimentatipn der Flügel die Rede und weiter nichts bemerkt
ist, verstehe ich darunter die Rückbildung der Alae und dementsprechend sind die Ausdrücke
Kurz- und Kleinflügeligkeit gebraucht. Leider besteht in den Handbüchern der systematischen
Käferkunde ein großer Wirrwarr im Gebrauch dieser Bezeichnungen. Unter makropteren Formen
werden oft nicht solche verstanden, die typisch vollgeflügelt, sondern im Vergleich zu kurzflügeligeren
Exemplaren derselben Art etwas länger geflügelt sind, wo demnach die Bezeichnung brachypter
stehen sollte. Wo ferner von „ungeflügelten", „flügellosen“ Arten gesprochen wird, handelt es sich
zumeist, wie ich mich überzeugt habe, um weit fortgeschrittene Rückbildung, um Mikropterismus.
Dieselbe Erfahrung hat auch O e r fc e,'l gemacht. Diese Ungenauigkeit erklärt sich aus der
Tatsache, daß die Alae bei den Käfern als systematisches Merkmal weit weniger verwandt worden sind
als bei anderen Insektenordnungen. Da die Untersuchung der verborgenen Hautflügel etwas mühsam
und bei kleinen Arten nicht ohne Gefahr der Beschädigung möglich ist, schreiben die meisten Autoren
die Bezeichnungen „geflügelt“, ,,u n g e flü g e lt4 # h t auf Grund dieser Nachprüfung, sondern nach dem
generellen Prinzip: flügellöse Arten haben gewöhnlich abgerundete, also geschwundene Schulterbeulen.
„Ist eine ausgesprochene^hulterbeule bei einer Art vorhanden, so kann man «ioW sein,
bei ihr auch ausgebildete Flugorgane vorzufinden. Andererseits bedingen ganz verrundete Schultern
zumeist das Fehlen der häutigen Unterflügel“ (R e i 11 e r , Fau. Germ. I, S. 10). Stimmt das Prinzip
auch im allgemeinen, so ist es doch niemals ganz zuverlässig. Darum kann vor gutgläubiger Hinnahme
dieser Angaben nicht genug gewarnt und die Nachprüfung nicht erspart werden. Wo ds.W in rHcppT
Arbeit solche Literaturangaben nicht nachgeprüft werden konnten, erscheint das Wort flügellos stets
in Gänsefüßchen.
Uber die Rudimentation des Flugapparates bei Käfern ist bisher sehr wenig gearbeitet worden.
Die einzige Studie, die sich mit den Rudimenten der Alae selbst befaßt, ist die Arbeit von R. 0 e r t e 1
(1924): Studien über die Rudimentation, ausgeführt an den Flügelrudimenten der Gattung Carabus.
Zoologien. Heft 76. ^