
Nach M a r c h a l befinden sich zwischen den beiden laterodorsalen Längsstämmen 8 Anasto-,
mosen, während K i e f f e r deren nur 7 erwähnt. Beide Angaben sind zutreffend, trotzdem sie sich
zu widersprechen scheinen. Die von M a r c h a l untersuchte Larve von Mayetiola destructor gehört
zu den O l i g o t r o p h i d i , während K i e f f e r zu den. C e c i d o m y i d i gehörende Larven untersucht
hat, die sich wegen ihrer mehr durchsichtigen H aut für derartige Untersuchungen besser eignen.
In der Tat wurden von R ü b s a a m e n bei allen daraufhin untersuchten Larven der Cecidomyidi nur
7 Anastomosen gefunden (Fig. 46 c), während alle Oligotrophidi zwischen den beiden letzten Stigmen
zwei Querverbindungen, im ganzen also 8 besitzen (vergl. Fig. 46 a). Von dieser Regel wurde bisher
nur eine Ausnahme bei einer Brachyneurina-Axt, nämlich bei Coccomorpha jaapi gefunden, die wie
die Cecidomyidi-h&rveTi nur 7 Anastomosen besitzt. Ob alle Brachyneurinen stets nur 7 Anastomosen
besitzen, ist nicht bekannt.
Die Lage der beiden letzten Anastomosen, die sich bei den Oligotrophidi zwischen den beiden
letzten Stigmen befinden, ist nicht immer dieselbe. In der Regel sind beide Queräste ziemlich weit
getrennt; zuweilen liegen sie aber auch dicht aneinander, wenigstens an ihrer Basis, also dort, wo sie
vom Hauptstamme entspringen. Bei Miastor zeichnet K a h l e ebenfalls 8 Anastomosen, deren letzte
aber merkwürdigerweise hinter dem letzten Stigma liegt. Auch der Verlauf der dorsalen und ventralen
Längsstämme ist nach dieser Abbildung ( K a h l e , Taf. 1, Fig. 1) sehr verschieden von dem der
Cecidomyinen, und ebenso fehlen die Unterbrechungen der Anastomosen der laterodorsalen Längsstämme.
Ob diese Angaben den Tatsachen entsprechen, bedarf der Nachprüfung, da K a h l e in
seiner Arbeit diese Dinge nur nebensächlich behandelt.
Bei den Cecidomyidi sendet jede der erwähnten Querverbindungen zwei Zweige aus, die stets
nach vorne gerichtet sind und in der Nähe der vorher erwähnten Unterbrechung bezw. der kleinen
Anschwellungen entspringen und sich vielfach verzweigen, aber in der Regel nicht über die vorhergehende
Anastomose hinausragen. Nur die entsprechenden Zweige der 1. Anastomose sind wenigstens
bei den Cecidomyidi immer sehr lang gestreckt und dehnen sich über mehrere Segmente aus (Fig. 48 c).
Die an den Stigmen des 1. Thorakalsegmentes entspringenden Queräste treffen in der Mediane fast
zusammen und sind hier in der Regel auch durch einen kurzen Querast verbunden; sie biegen dann
aber nach hinten um, indem sie sich vielfach teilen und von jeder Seite' besonders das Gehirn mit
einem feinen und dichten Tracheennetz umgeben.
Da sich zwischen den dorsalen und den ventralen Längsstamm die Lappen des Fettkörpers
schieben, so ist bei Rückenansicht von Larven mit stark entwickeltem Fettkörper der ventrale Längsstamm
nicht zu sehen, wohl aber sieht man von der Querverbindung zwischen Stigma und dorsalem
Längsstamm einen Ast entspringen, der sich zwischen den Fettkörperlappen, hindurchschiebend nach
unten steigt und so die Verbindung zwischen dem dorsalen und ventralen Längsstamme herstellt
(Fig. 46 a). M a r c h a l hat auch bei Dorsalansicht den ventralen Längsstamm zur Anschauung
gebracht (vergl. Fig. 44), was aber den wirklichen Verhältnissen nicht entspricht. Die ventralen
Längsstämme sind im Gegensatz zu den dorsalen nur in den 3 Thorakalsegmenten durch Anastomosen
verbunden (Fig. 46' c), von denen wenigstens die beiden vorderen stets einen nach vorn offenen
-Winkel bilden. Wo der vom dorsalen Längsstamm abzweigende Ast sich mit dem ventralen Längsstamm
vereinigt, bildet letzterer in der Regel einen nach innen offenen Winkel. Der ventrale Längs-
'stamm verzweigt sich nach allen Seiten, die von ihm ausgehenden Äste vereinigen sich äbör in den
Abdöminälsegmenten nie mit den Ästen der gegenüberliegenden Seite. Während die nach außen ab-
'zweigenden I s t e meist ziemlich' kurz sind, sind die nach innen abzweigenden meist sehr lang und
erstrecken s Ä :nach vome, indem ihre Zweigé zum Teü parallel nebeneinander verlaufen, oft über
3—4 ' Segmente (Fig. 46 b). -
4. D a s N e r v e n s y s t e m .
Auch hinsichtlich der Bildung des Nervensystems scheinen trotz der im wesentlichen vorhandenen
Übereinstimmuhg M den Galhnudkfn Unterschiede vörzukommen, die wohl durch die
Lebensweise, die Art der. Entwicklung usw. ' bedingt werden. Am besten bekannt sind auch hier
¡¡¡wisse pädogenetisch sich vermehrende Larven, und ich gebe nachfolgend wörtlich wieder, was
P a g e l s f Ä h e r auf p. 408 und 409 » In e r Arbeit im Anschlüsse äh N. W a g n e r , den E n tdecker
dieser Larven, sägt (Zeitschr. f. wiss. Zöol. v, 14, .1864, p. 400 416, Taf. 39 u. 40) :
„Das NervMsysteföf1 scheint mit dem der W a g n e rächen Larven* sehr übereinzustimmen.
Zwei Supraösophageaiganglien von eiförmiger oder durch dieisfcarkere .äußere Wölbung und größere
hihtéré Breite etwas birnenförmiger Gestalf^toßen in der dorsalen Mittellinie aneinander und sind
durch kurze Commissuren mit dèh. kleineren unä im ganzen etwas weiter vorne gelegenen Infra-
ofe?ophagealganglien verbunden. Dftse nervösen Hauptzehtren liegen im 4'. und 5. Segmente. Nach
vorne steheiñí¡|úhl ah der Rücken- als an der Bauchseite diese Hauptnervenkhoten mit je einem Paar
langgestreckter Ganglienrhassèn in Verbindung, an welchen die breite Wurzel rückwärts, das lang
äilsgezogene spitze Ende nach vorne itiiht. Die Anordnung dieser Gebilde erinnert an gewisse Formen
des Auftretens von Riechkolben vor den 'großen Hirnhemispba-ren *Dke Nerven für das Vorder-
eud'e nehmen'* z. T. aus. diesen Vorhirngangiion ihren Ursprung, die der Augen um! ein Teil der
übrigen für die Oberseiti gehören dem Supraoesophagealganglion an. Auf diesem letzten Ganglion
liegen, von ¿;eitail|ent¡hn!icho.n, durch doppelte Querverbindung entstehenden Trachealringe um-
schlossenBnige große Ganglienzellen in einem bggmderen kleinen Häufchen und weiter zuruck noch
eine einzelne, durch ihre Größe noch mehr auffallende* Zelle..
Dicht an das Unterschlundganglion herangoschoben hegt das Ganglienpaar des S. Seguientes:
mu h kurzem Zwischenraum folgt das 6. und hiernach jeíéms jedesmal im anderen Teile der folgenden
Segmente.. Die Längseommissuren sind deutlich doppelt# Stränge, die Ganglien eines Paares dicht
aneinander gedrängt, kolbenföinhgi vöra breiter, gerundet, hinten mehr allmählich in die Commissuren
auslaufend.“ '
Während P a g e n s t e o h e-r für die von ihm beobachteten Larven nur 2 Tracheenlängsstämme
angibt und also wahrscheinlich Olú/u-mis* Larven vor sich gehabt hat, erwähnt H a n i n
4 Längsstämme, wie sie sicher bei ikfiosiorwörkommen (Zeitschr, f. wiss;..Zool; v. 15,1865, pc 375—390).
Ich gehe auch diese Mitteilung nachfolgend wörtlich wieder und. im Anschlüsse daran diejenige von
M a r c h a l über die Larve vón M nyeliola ileMr'wtcr.
Bei H a n i n heißt es auf p. 380.iigd 381 seiner Arbeit : „Von allen'Ganglien des Nervensystems
is t das Supiäöhsophagälganghon das Es.nimmt das 3. und die Hälfte des 4 ,tSegmentes ein,
besteht áuÁzwei bimförmigen'Ganglien, diè/àicbrmit ihren inneren Rändern vereinigen; ihre vorderen
Enden verengern sich zu Nerven,: welch# nach vorne gehen. Mit dem.Infra-BesOphägalganglion* steht
#S i n k e i n e r Verbindung. Dieses liegt mit|femer ganzen Masse im ;3. Segmente ; es ist kleiner als
das-obere, h a t'd ie Form eines regelmäßigem, Ovales, das vorne pge sch n itten is t und vom wo die
Nervèn ahsgehen: In Verbindung mil den beiden Ganglien befinden sich noch zwei Paar kleiner,