
So scheint z. B. Stefaniella nach der Bildung der Lg. eine besondere Gruppe zu bilden (Stefaniel-
lina), bei der die Dornen auf der oberen Lamelle selbst sitzen. Sie ist in dieser Hinsicht offenbar mit
Hybolasioptera Rübs. verwandt, so daß beide Gattungen vielleicht in einer Subtribus vereinigt
werden können.
3. Lebensweise.
Die Gallmücken sind nicht alle, wie man nach dem ihnen beigelegten Namen vermuten könnte,
Gallenerzeuger oder wenigstens Gallenbewohner. Diese Lebensweise führen nicht einmal alle echten
Gallmücken, d. h. die Vertreter der 1. Unterfamilie Ceddomyinae, von denen viele dieselbe Lebensweise
führen wie die Vertreter der beiden anderen Unterfamilien der Lestreminen und Heteropezinen,
deren Larven sich von verwesenden Pflanzenstoffen ernähren. Während sich die Lestreminen und
Cecidomyinen, soweit dies bekannt ist, in der normalen geschlechtlichen Weise fortpflanzen, findet
bei den Heteropezinen außerdem noch eine sehr auffallende Art der Vermehrung sta tt, indem sich
im Ovarium der Larve eine neue Larvengeneration entwickelt, ein Vorgang, den man als P ä d o -
g e n e s i s bezeichnet, der aber nach den Untersuchungen von K a h l e (Zoologica Heft 55, 1908)
als echte Parthenogenese aufzufassen ist.
Uber diese Art der Vermehrung, die seinerzeit die wissenschaftliche Welt in nicht geringe Aufregung
versetzte, liegen eine ganze Reihe von Mitteilungen vor. Zuerst berichtet hierüber W a g n e r
1862 und 1865; ein Verzeichnis der einschlägigen Literatur gibt K a h l e 1908 a. a. 0 . Da die
Heteropezinen als Gallenerzeuger oder Gallenbewohner nicht in Betracht kommen, so kann auf den
Gegenstand an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.
Von den Larven der zuerst von K i e f f e r zu den Heteropezinen gestellten, später mit den
Cecidomyinen zu einer besonderen Gruppe der Brachyneurariae vereinigten Gallmücken sagt er
(76, p. 53): „Toutes les larves connues vivent sur des matières végétales entrant en décomposition;
elles sont remarquables par le fait de la paedogenèse.“ Danach findet diese Art der Vermehrung
auch, bei gewissen der erwähnten Brachyneurarien sta tt, was an sich ja nicht unmöglich erscheint.
Ob sich die Behauptung K i e f f e r s aber auf Beobachtung stützt oder ob es sich hier nur um Vermutungen
handelt, geht aus K i e f f e r s Angaben nicht hervor. R ü b s a a m e n sind mit Sicherheit
Fälle pädogenetischer Vermehrung weder bei den Cecidomyinen noch bei den Lestreminen bekannt
geworden. Nach dem Befunde sehr verschiedenaltriger Larven in den Gallen von Monarthro-
palpus buxi zu gleicher Zeit könnte bei dieser Art vielleicht eine pädogenetische Vermehrung sta ttfinden.
Die gewöhnliche Art der Fortpflanzung bei den Cecidomyiden ist aber ohne Zweifel die geschlechtliche.
Das Weibchen setzt nach der Befruchtung je nach der Art 5—300 Eier dort ab.
wo die ausschlüpfenden Larven die für sie geeignete Nahrung finden. Uber die embryonale Entwicklung
der Cecidomyiden hegen nur Beobachtungen vor über die in den Ovarien der Miastor-
Larven sich pädogenetisch entwickelnden Larven ( K a h l e , a. a. 0.). Ob diese Entwicklung
übereinstimmt mit der Entwicklung geschlechtlich produzierter Larven, bedarf noch der Untersuchung.
Die Zeit, innerhalb welcher die Larve nach der Eiablage ausschlüpft, ist offenbar sehr verschieden.
Nach W i n n e r t z schlüpfen manche Larven bei großer Wärme bereits nach einigen Stunden,
während andere erst nach mehreren Tagen die Eihaut verlassen, doch wird die Entwicklung der Larve
durch die Witterung naturgemäß stark beeinflußt werden.
Das Wachstum der Larven ist bei den verschiedenen Arten ungemein verschieden. Arten, die
im Laufe eines Jahres in mehreren Generationen auftreten, wachsen rasch und erreichen bald ihre
volle Grüße, während sich Arten mit nur einer Generation meist sehr langsam entwickeln. So erscheint
die Larve von Massähngia mbra Kffr, in den ziemlich rasch ihre volle Größe erreichenden Blattrippenschwellungen
der Birke oft bis in den Spätsommer nur als farbloses Klümpchen von kaum
% mm Durchmesser, um dann verhältnismäßig rasch ihre endgültige Größe und Farbe zu erreichen.
Sie ist anfangs farbios, wird dann zitrongelb und endlich leuchtend rot. Daß auch bei anderen Ceti
domyiäenlarven Farbenänderungen eintreten, ist verschiedentlich festgestellt.. Junge Larven sind
meist farblos und erhalten erst später ihre endgültige Färbung, die nicht selten bei ein und derselben
Art etwas verschieden ist. Auf diesen Farbenwechsel bei den Gallmückenlarven macht schon.
H. L o s w ($, p, 22) aufmerksam. Zuweilen ändert Sich die Farbe der Larve noch nach dem Auswandern
aus den Gallen oder die Farbe wird bedingt durch den Standort der Galle, je nachdem sie
sich in sonniger oder schattiger Lage entwickelt hat.
Die aus dem Ei äusgesehlüpfte: Larve ist meist nicht viel größer als das Ei. Bei manchen Arten
sind die jungen Larven gezwungen, nach dem Schlüpfen hoch eine kurze Wanderung bis zu der für
sie geeigneten Stelle der Pflanze zu machen. E r Ä k erwähnt, daß die Larven, um diese Wanderung
ausführen zu können, einer gewissen Feuchtigkeit bedürfen und bei zu großer Trockenheit zugrunde
gehen. Bei anderen Arten wird offenbarÄhqn.yoin Muttertier das Ei unmittelbar an die Stelle ge-
bracht, wo die Larve ihren Lebensunterhalt findet.
Ob bei den gallenbildenden Cecidomyiden bereits m it der Ablage des Eies der Gallenreiz beginnt,
oder ob derselbe' erst durch die Larve ausgeübt wird, ist nicht sicher 'bekannt. Eine Verletzung des
Pflanzengewebes wird durch die weibliche Gallmüeke in der Kegel sicher nicht bewirkt, doch ist
bei einigen Arten» sömz. B. bei Monarthrcrpalpus, Oystiphora, Laubertia, der Legeapparat so beschaffen,
daß der Mücke wohl die Fähigkeit, die Epidermis der Pflanze zu durchbohren, nicht
abgesprochen werden kann.
Über die Art des auf die Pflanze ausgeübten Reizes, der zur Bildung der Mückengalle führt,
Wissen wir nichts Bestimmtes. Die Verhältnisse werden wohl hier ähnlich liegen wie bei den übrigen
Cecidbzoen und es sei daher auf die diesbezüglichen Ausführungen im allgemeinen Teil und bei den
Cynipiden verwiesen.
Daß die Gallmückenlarven nicht imstande sind, mittels ihrer Mundwerkzeuge ihre Nahrung
iju zerkleinern, erkennt man ohne weiteres, wenn man diese; stark reduzierten Organe bei stärkerer
Vergrößerung betrachtet. Immerhin erscheint es nicht unmöglich, daß die Larven mit Hilfe ihrer
Mundwerkzeuge das meist zarte Nährgewebe der Galle verletzen. Es spricht wenig für die Annahme,
daß derartige Verletzungen, die vielleicht nicht einmal nötig sind, um der Larve die nötigen Nährstoffe
zugänglich zu machen, durch die harte Brustgräte bewirkt werden, zumal viele Gallmückenlarven
überhaupt keine Brustgräte besitzen.
Daß nicht alle Gallmücken Gallenbildner sind, ist schon lange bekannt; aber noch Fr. L öw
glaubte bis zum Jahre 1878, daß alle auf Pflanzenkost angewiesen seien. Freilich war schon von
P e r r i s und K o n d a n i behauptet worden, daß es zoophage Gallmückenlarven gebe, ihre Angaben
wurden jedoch stark bezweifelt (vgl. H. L o e w , 5, p. 24; W i n n e r t z , 1, p. 196 u. 206)
und erst im Jah^e 1878 gelang es F r . L.öw, die Angaben R f g j d a n i s , daß sich die Larve seiner
Diplosis aphidimyza, von Blattläusen ernähre, zu bestätigen.