
Wichtigkeit für die phylogenetische Ableitung der Siphonophoren. Ich lasse sie hier ganz beiseite,
um im Kapitel „Theoretische Erörterungen“ darauf zurückzukommen, und wende mich jetzt
ausschließlich der ersten Frage zu: Welche morphologische Bedeutung hat die Primärglocke?
G e g e n b a u r , der Entdecker dieser Primärglocke, blieb darüber im Zweifel. Ihre Ent*r
wicklung hatte er nur bei einer einzigen Calycophore beobachten können, die er anfangs mit D. sieboldi
Köll. verwechselte, um sie nachher D. turgida = G. trunccUa (Sars) [näh. Gauß] zu nennen. Zudem
starb die Larve nach Ausbildung der Glocke. -Er vermutete in ihr die Unterglocke, hauptsächlich
wegen der apikalen Lage des Gefäßpols (Fig. 1, Text). Der „Rest des Larvenlaibes“ sollte dann zur
Fig. 2. Dipliyidi
C la u s mit der P:
(Gl*).
Somatocyste („Saftbehälter“) werden (1854 a,
p. 53). Cl aus dagegen sah in dieser Glocke
die definitive Oberglocke mit der Stammwurzel|p3
wobei er sich auf ein etwas älteres Diphyiden-
stadium (Fig. 2, Text) stützte, das er allerdings
nicht gezüchtet, sondern mit dem Schwebenetz gefischt
Fig. 4. M e t s c h n i k o f f s
Larve von H. luteus Q. et G.
mit der Primärglocke und der
Anlage des ersten Saugmagens.
hatte, also nicht näher bestimmen konnte.
von Hier war die erste Glocke schon bedeutend größer
ocke. und der anhängende zapfenförmige „Rest des
Larvenleibes“ an seiner Oberfläche in zahlreiche,
knospenähnliche Auftreibungen gesondert. In der größten von ihnen
zuoberst vermutete er die Anlage der zweiten Schwimmglocke, also der
Unterglocke, im „Rest des
Larvenlaibes“ nicht die Somatocyste, die erst später als
Neubildung am Stiel der ersten Glocke entstehe, sondern
die Anlage des Saugmagens bezw. Stammes mii/ seinen
Anhängen. Die Bedeutung der Primärglocke als definitive
Oberglocke war dadurch gegeben (1863, p. 21 u. ff.). Allerdings
mußte C l a u s eingestehen, daß die Gefäßverteilung
mit der apikalen Lage des Gefäßpoles mehr die Deutung
G e g e n b a u r s stütze; er glaubte aber, daß im Lauf der
Weiterentwicklung eine entsprechende Umwandlung und
damit eine Verlagerung des Gefäßpols nach unten erfolge.
Später (1885) jedoch änderte er seine Ansicht und schloß
sich jener von C h u n an (s. unten).
M e t s c h n i k o f f als erstem gelang (1873) die
Züchtung einer Diphyide, G. quadrivalvzs Les. (Epibvlia,
aurantiaca) bis zur Anlage und ersten Entwicklung auch
einer zweiten Glocke, und bis zur Umwandlung des „Restes
des Larvenlaibes“ nicht, wie G e g e n b a u r geglaubt, in
die Somatocyste, sondern in den ersten Saugmagen, der
Fig. 3 . Me t s c h n i k o f f s Larve von G. quadri- Annahme von C l a u s entsprechend. Auch die Ent-
vaivis Lesueur mit der Primärglocke (Gix) und der wicklung des Tentakelapparates und Deckblattes des
Anlage der zweiten Glocke (GL) und des zweiten ...~ ... „ * S. t, er s.jt.e n. Ln o rmi• dvi ums, sowi-e tdiea At nl age ei■ nes zwe■i,ten Cor- Cormidium ((J2). Sj — erster baugmagen. Dx = ’ °
erstes Deckblatt. T, - erster Tentakel. midiums konnte er beobachten (Fig. 3, Text). Daraufhin
erklärte er die Larve von C1 a u s für verstümmelt.- .Des weiteren glückte ihm, nach langwierigen
Versuchen, die Entwicklung der1 Larve von //. luteus Q. et G., aus künstlich befruchteten Eiern bis
zur Umwandlung der ersten Knospe in eine gallertreiche, eiförmige kleine Glocke, aus deren Hydröcium
der „Rest des Larvenlaibes“, der künftige Saugmagen, in rechtem Winkel hervorragte (Fig. 4,
Text). Wie M e t 6 e h ni ki f ä f die betreffenden Glocken auffaßte, geht allerdings nicht unzweideutigstes
seinen deutschen Ausführungen hervoijp- die russischen sind mir leider unzugänglich
— doch läßt sich -aus einzelnen Bemerkungen entnehmen, daß auch er sie für die definitiven Haupt-
glöeken, Ober- und Unterglocke, ansäh.
Auf einen, ganz neuen Standpunkt stellte sich C h u n. Nach ihm ist die Primärglocke weder
die rieiihilive. Ober-, noch die l.'rilerglocke, sondern ein hinfälliges L a r v e n o r g a n . Im besonderen
stellte C h u nt... fest, daß „a 11 e,, d u r c h k a n t i g e G l o c k e n a u s-
¡mgularzimfa'^ K s e t - z t w i r d “ p8Ü2, p. 8 l | , : Diese Fi«. 6. Sphatnnectes mizkeri Iluxley.
sekundären, luaeTomorul-.eti Glocken, die
d s f in iti||n Haüptglocken, entstehen erst nachträglich am Stamme selbst, und zwar s u k z e s s i v e
a u s e i n e r g e m e i n s a m e n K n o s p u n g s z o n e. D i e s e b e f i n d e t s i c h a u f
d e r e n t g - A n g e g ^ t z t g # 1 S t a m m B i t - e , w l d i e L a r v e n g l o c k e u n d d i e
S o r m i d i e n , a | | o d o r s a l , nach der von C l a u s eingeführten Terminologie..Die Opposition
der definitiven Hauptglocken, der Ober- lind Unterglocken, wird erst später, und zwar s e k u n d ä r
durch einen komplizierten Torsionsprozeß Tterbeigeführt. I hKe r G e i s s e e n t s p r e c h e n d
s i n d d e m n a c h a l l e d e f i n i t i v en H a u p t, g 1 tf« k e n, ungeachtet ihrer verschiedenen
Form und Lage, h ompTo g e , g e n S iÄ | i h g l e i c h b e d e u t e n d e B i l d u n g e n , wie
schon G e g e l a u r erklärt hatte.; ¡JPieser Auffassung, die heute ziemlich allgemein angenommen
ist-, schloß äSh C 1 a ü shäChträgHÄll. Er stellte dabei die Gattungen Monopfyi/es und Sphaeronectes
(Fig. fl, 8, Text), die - zeitlebens nur e$jj iSinzige, ur.d zwar larvenförir.ige Glocke besitzen, wie Chun,
dem L a r v e n s t a d i u m d e r D i p h y i d e n g l e i c h , indem hier selbst die Anlage von
sekundären Haüptglocken fehle.
D ip l Auffassung C. huns der ersten Entwicklung der CalytffihOren bildet einen Eckpfeiler
seiner Auffassung des morphologischen Aufbaues- und der mitogenetischen und phylogenetischen
Entwicklung der Siphonophoren, und damit seiner systematischen Einteilung dieser Ordnung. Deutlich
zeigt sich das z. B. bei HippopeäSä: Weil dessen hufeisenförmig: Glocken sekundär und gemeinsam
am Stamme hervorsprossen und der Primärglpcke opponiert sind, können sie nur die definitiven
Hauptglocken sein,- und zwar beides zugleich, Q b|p und Unterglocken mit ihren Ersatzglocken;
desgleichen kann die, dieäen opponierte Primärglocke nur die hinfällige Larvenglocke sein. Die gleiche