
homodynam zu setzen sind, ist, in Anbetracht der verschiedenen morphologischen Bewertung
der beiden Stechborstenpaare mehr als fraglich, wie denn' überhaupt ein Vergleich
der Stechborstenmuskeln der Rhynchoten mit den Muskeln der weniger abgeleiteten kauenden
Insekten kaum mehr möglich ist, wenn man nicht bloß auf Vermutungen angewiesen sein will.
Ganz anders wie bei den Mandibelborsten verhalten sich bei den Maxillarborsten die Pro-
tractoren.
12. m. protr. max1, m u s c u l u s p r o t r a c t o r p r i m u s s e t a e m a x i l l a r i s (Abb. 9
rechts), geht von der Basis der maxillaren Borste, und zwar von deren lateralen Teil innerhalb
des Hohlraums der Lamina maxillaris zu deren Dorsalrand.
13. m. protr. max2u. 3, m u s c u l u s p r o t r a c t o r s e c u n d u s u n d t e r t i u s s e t a e
m a x i l l a r i s , sind zwei parallel laufende Bündel, die am Rand der Basis der maxillaren
Stechborste wirksam angreifend, mit etwas divergierenden Fasern nach unten, in den Hohlraum
der Lam. maxillaris hineingehen und letzteren, wenigstens in seinem distalen, spitzen
Teil völlig ausfüllen. Insbesondere der m. protr. max3 geht bis in die äußerste Spitze des Lamina
(Abb. 9, Abb. 12 a).
Die drei Protractoren der Maxillarborste wirken, im Gegensatz zum Protractor der Man-
dibelborste, direkt, brauchen also die Vermittlung des Protractorarms nur insofern, als dieser
die Borste führt und in bestimmtem Abstand von der Kopfwand hält (Abb. 9 rechts unten).
Da also nicht, wie bei der mandibularen Borste, ein langer Hebelarm die Bewegung vermittelt,
„müssen“ , teleologisch gesprochen, die Muskeln lang sein, können aber etwas schwächer sein.
Am wirksamsten sind die beiden letzten Muskeln.
Wie man B e r l e s e s Darstellung (1. c. p. 450ff.) entnehmen kann, ist auch bei Cicada der
Protractor der maxillaren Borste in mehrere Bündel geteüt. Der Protractor der Mandibelborste
greift hier allerdings nicht nur am Protractorarm, sondern auch an der Borstenbasis selbst an oder
wenigstens an einem mit dieser verwachsenen Anhang derselben, der allerdings morphologisch vielleicht
einem Teil des Protractorarms entspricht. Sehr verschieden von Aphis ist die Ausbildung
der Retractoren bei Cicada. Diese setzen nicht am Tentorium, sondern am Epicranium an, wie denn
das Tentorium bei Cicada überhaupt eine geringere Rolle zu spielen scheint.
Für einige Muskeln, die bei Cicada die Stechborsten bewegen (192, 181, 182 B e r l e s e ) gibt
es bei Aphis keine Homologa.
4. D i e M u s k u l a t u r d e s H y p o p h a r y n x .
Die Muskeln des Hypopharynx dienen ausschließlich der Betätigung der Speichelpumpe; nur
einer von ihnen kann wenigstens nebenbei auf die Stellung des Hypopharynx selbst seinen Einfluß
ausüben:
14. m. retr. pis^ m u s c u l u s r e t r a c t o r p r i m u s p i s t i l l i (Abb. 7 c, 14 b), setzt an der
vorderen Hälfte des der Basis des Pistills, also der Decke der Cupula aufsitzenden Apodems
Ap an. Der Muskel ist paarig, die beiden Hälften gehen von beiden Seiten des Apodems, indem
ihre fiederartig dort ansetzenden Fasern ziemlich stark divergieren, nach oben und enden
mit breiter Ansatzfläche an der stark chitinisierten Hinter wand der Mundpumpe, kurz vor
deren Übergang in den Pharynx und zum Teil an der Ventralseite des Querbalkens des
Tentoriums. In Abb. 7 c ist aus dem Muskel, der in Abb. 9 ganz abpräpariert ist, ein mittlerer
Abschnitt entfernt, um die weiter lateral liegenden Retractoren zu zeigen, man sieht in
dieser Abbildung, wie vom Hinterrand des Hypopharynx eine, übrigens auch in Abb. 9 belassene
Sehne (S) als kräftiges Band nach oben geht, um nahe der Endfläche des m. retr. pistj
in dessen Masse aufzugehen. Im Schnitt erkennt man, daß die Sehne als Innensehne in dem
Muskel fast bis zu seiner dorsalen Ansatzstelle weitergeht. Die beiden Muskeln des Paares, die,
wie Abb. 12 b zeigt, sehr nah nebeneinander die Mundpumpe und das Tentorium erreichen,
können also nicht nur als Retractoren des Pistills wirken, sondern auch den Hypopharynx
etwas beeinflussen, allerdings nur, wenn sie sich völlig kontrahieren, und auch dann wird
sich ihre Wirkung im wesentlichen auf eine Festigung der Verbindung zwischen Mundpumpe
und Hypopharynx beschränken.
15. m. retr. pist2, m u s c u l u s r e t r a c t o r s e c u n d u s p i s t i l l i , wirkt wie der m. retr.
pistj auf das Pistill der Speichelpumpe, setzt an der hinteren Hälfte des Apodems Ap auf dessen
beiden Flächen an und geht, wie die Abb. 7 c, 9 und 14 zeigen, paarig nach beiden Seiten
und dorsalwärts an den Seitenrand des Hypopharynx. Der Muskel ist wesentlich schwächer
und kürzer als der vorhergehende, beide zusammen bedingen, indem sie das Pistill nach hinten
oben ziehen, dessen Funktion als Pumpenkolben, sie schaffen den luftverdünnten Raum
innerhalb der Cupula. Gegen die beiden Retractoren des Pistills wirkt in erster Linie die
Elastizität des oberen Rands der Cupula und deren Verbindungsmembran mit der Pistillbasis
(Diaphragma). Unterstützend wirken wahrscheinlich, indem sie die durch die Wirkung der
•Retractoren in die Länge gezogene Cupula wieder der Ruhelage nähern, die folgenden Muskeln:
16. m. dil. cupi, m u s c u l u s d i l a t a t o r p r i m u s c u p u l a e , geht von der Hinterwand
der Cupula nach hinten oben, an die Hinterwand des Hypopharynx (Abb. 14). Er ist paarig,
parallelfaserig, die beiden Bündel des Paares divergieren nach hinten.
17. m. dil. cup2j m u s c u l u s d i l a t a t p r s e c u n d u s c u p u l a e ist ebenfalls paarig und
setzt dicht unterhalb des ersten an der Hinterwand der Cupula an, um, indem die beiden
Bündel des Paares divergieren, nach unten hinten an die Innenwand des Hypopharynx zu
gehen (in Abb. 14 b sichtbar, in Abb. 12 a nahe der Ansatzstelle quer getroffen).
18. m. dil. cup3u. 4, m u s c u l u s d i l a t a t o r t e r t i u s c u p u l a e und q u a r t u s , gehen
als paarige, parallelfaserige, schwache Bündel von der Vorderfläche der Cupula nach der Vorderwand
des Hypopharynx (Abb. 14, in Abb. 13 a quer getroffen).
19. m. dil. cup5, m u s c u l u s d i l a t a t o r q u i n t u s c u p u l a e , besteht aus mehreren einzelnen
Fasern, die, in Abb. 13 quer getroffen, von der Seitenfläche der Cupula nach der Seitenwand
der Hypopharynxspitze gehen.
Ein Vergleich zwischen den Hypopharynxmuskeln von Cicada und Aphis zeigt wenig Ähnlichkeit
bei den verglichenen Gebilden. Die Ausgestaltung der Speichelpumpe, insbesondere ihres An-
hangsapodems, ist bei Cicada viel komplizierter als bei Aphis, die Muskulatur entsprechend besser
entwickelt. Aber auch die Muskeln, die wir allenfalls identifizieren könnten, die großen Retraktoren
des Pistills (m. retr. pistj) haben bei Cicada ganz andere Ansatzfläche als bei Aphis ( Be r l e s e ) ,
ganz ähnlich wie das bei den Retraktoren der Stechborsten sich verhält. Die bei Cicada offenbare
Tendenz, die Ansatzstellen der Bewegungsmuskeln der Mundwerkzeuge von den Innenskelettgebilden
nach den äußeren Kopfwänden zu verlegen, läuft parallel mit einer Reduktion des Tentoriums und
mit dem engeren Anschluß des Vorderkopfs an das Epicranium (hintere Brücke, s. p. 12).