
Daß Arten derselben Gattung, die auf derselben Näbrpflanze oder auf Pflanzen derselben
Familie leben, untereinander oft eine sehr große Ähnlichkeit haben, ist ebenfalls schon früher
hervorgehoben worden; aber auch unter den Arten ein und derselben Gattung besteht nicht selten
eine ziemlich große Einförmigkeit, wodurch deren Unterscheidung sehr erschwert wird. Noch größer
ist naturgemäß die Ähnlichkeit, der Larven und Puppen gewisser Gattungen und unter ihnen gerade
der artenreichsten, nämlich der Gattungen Contarinia, Dasyneura und der Mücken aus der Verwandtschaft
von Rhopalomyia. Schon N a 1 e p a (41, p. 207) weist darauf hin, daß nur morphologische
Eigenschaften für die Artenunterscheidung maßgebend sein dürfen und daß vom Standpunkte des
Systematikers die Benennung der Arten nach den Gallen nicht zu billigen ist. Mit Recht hat man
daher die Artennamen älterer Autoren für unberechtigt erklärt, wenn diese Namen ihre Entstehung
nur der Kenntnis der Gallen verdanken.
Leider ist neuerdings von anderer Seite der Versuch gemacht worden, derartige Namen wieder
in die Literatur einzuführen, und H o u a r d h a t diese unberechtigten Namen, sofern sie neueren
Autoren ihre Entstehung verdanken, in seinem verdienstvollen großen Gallenwerke (Les Zoocécidies
des Plantes d’Europe etc. Paris 1908—1913) leider aufgenommen, von wo sie den Weg in die Gallenverzeichnisse
anderer Autoren nehmen, die nicht immer in der Lage sind, zu prüfen, ob diese Namen
berechtigt sind. Ebenso unberechtigt sind aber die Namen, die ohne Kenntnis der Imago nach den
Larven gegeben wurden, denn wir sind heute noch nicht in der Lage, die Larven derselben Gattung
so unterscheiden zu können, daß wir ihre Artzugehörigkeit ohne Kenntnis der Gallen festzustellen
vermögen. Auch die Kenntnis der Galle genügt nicht zur Unterscheidung der Larven, da nicht
selten in derselben Galle mehrere Arten der gleichen Gattung Vorkommen. Wie mißlich es ist, auf
Kenntnis der Larven allein Arten zu benennen, geht zur Genüge aus den bei Hadrobremia Kffr.,
Anabrem/ia Kffr, und Chelobremia Kffr, andernorts erwähnten Beispielen hervor.
Auch durch ungenügende Beschreibung der Imago ist nicht nur in früheren Jahren, sondern
auch in neuerer Zeit viel gesündigt worden. Derartige Beschreibungen aus der Zeit von W i n n e r t z
sind immerhin verzeihlich, da man damals Eigenschaften für wichtige Unterscheidungsmerkmale
hielt, von denen wir heute wissen, daß sie Gemeingut aller Cecidomyiden oder doch bestimmter
Gruppen oder Gattungen sind. Von einer Artdiagnose muß man verlangen, daß sie dem Stande der
Wissenschaft entsprechend zur Bestimmung der Art genügt, deshalb ist die Beschreibung, welche
z. B. L i n n é von seiner Tipula juniperina, persicaria u. a. gibt, trotz ihrer Dürftigkeit wohl
berechtigt, während derartige Beschreibungen, wenn sie uns von neueren Autoren geboten werden,
zurückgewiesen werden sollten; sie sind als eine Rücksichtslosigkeit gegen die Fachgenossen anzusehen,
die nicht scharf genug verurteilt werden kann. Es ist ja möglich und sogar wahrscheinlich,
daß der Autor im Besitze von Typen ist, die eine nachträgliche genaue Beschreibung ermöglichen.
Ob dieselbe aber je erfolgt, bevor die Typen zugrunde gehen, ist sehr fraglich, und die Wissenschaft
wird, falls keine ergänzende Beschreibung gegeben wird, wieder durch unsichere Arten bereichert,
von denen leider schon jetzt zu viele vorhanden sind. Die neuerdings wieder von H a n d l i r s c h
(Handb. d. Entomologie v. Chr . S c h r ö d e r 1913, Bd. III, p. 88) geäußerte Ansicht, daß man
den Typus nicht über die Beschreibung stellen soll, ist voll und ganz zu billigen.
Die Ansichten darüber, welche Merkmale in einer guten Artr oder Gattungsdiagnose enthalten
sein müssen, mögen auseinandergehen, immer aber muß gefordert werden, daß die von einer neuen
Art gegebene Beschreibung so beschaffen ist, daß sie nicht auch zugleich auf andere bereits beschriebene
Arten paßt. Wo es möglich war, wird von den ungenügend beschriebenen Arten nachfolgend
eine neue Beschreibung gegeben; bei vielen Arten war R ü b s a a m e n in der Lage, typische
Stücke zu untersuchen, andere sind von ihm neu gezüchtet worden.
Die nachfolgenden A r t b e s c h r e i b u n g e n sind meist alle nach demselben Schema angefertigt
worden, da gerade durch diese Einförmigkeit der Vergleich erleichtert wird. Dieses Schema
fand auch bei einigen W i n n e r t z sehen und F r . L ö w sehen A r t e n , die R ü b s a a m e n
unbekannt blieben, Anwendung. Die von diesen beiden Autoren gegebenen Beschreibungen sind
für ihre Zeit musterhaft. Sie enthalten jedoch zuweilen nach unserer heutigen Auffassung ebenfalls
nebensächliche Angaben, auf deren Wiedergabe verzichtet wurde, während sie wichtige Organe, wie
z. B. die Genitalien, Krallen, Bogenwirtel usw., überhaupt nicht erwähnen. Diese fehlenden Angaben
konnten natürlich nicht ergänzt werden. Auch durchaus ungenügende Beschreibungen fanden Aufnahme,
falls es sich um Beschreibungen von Imagines handelt, die an bestimmten Pflanzen Gallen
erzeugen, so daß einige Wahrscheinlichkeit dafür besteht, daß die Art neu gezüchtet werden kann.
Derartige Beschreibungen werden aber im O r i g i n a l t e x t wiedergegeben. Leider machen
es die vielen ungenügenden Artbeschreibungen zurzeit zur Unmöglichkeit, wirklich brauchbare Bestimmungstabellen
der Arten zu geben. Dies wird erst möglich sein, wenn die mangelhaften Beschreibungen
durch gute ersetzt worden sind. Immerhin wird es nunmehr nicht schwer sein, zu erkennen,
wo derartige Neubeschreibungen notwendig sein werden.
Nicht angenommen wurden hingegen Benennungen nach den Gallen oder Larven, da sie als
wertlose n o m i n a n u d a anzusehen sind; ferner die ungenügenden Beschreibungen derjenigen
Arten, deren Lebensweise nicht bekannt ist. Dies ist nicht nur der Fall bei dem größeren Teile der
Arten älterer Autoren, wie z. B. Z e t t e r s t e d t , M a c q u a r t , Me i g e n u . a., sondern auch
bei neueren Forschern, wie z. B. W^ i n n e r t z. Bei den meisten dieser Arten läßt sich nicht
einmal feststellen, welchem Genus sie angehören. Daß viele von ihnen identisch sind mit später
beschriebenen, so daß ein und dieselbe Art in den Verzeichnissen unter zwei, drei oder noch mehr
Namen enthalten ist, ist sehr wahrscheinlich. Ob die Identifizierung dieser Arten durch Untersuchung
der Typen, wo solche noch vorhanden sind, jemals möglich sein wird, ist sehr fraglich, und so sind
derartige Artnamen tatsächlich ein unnützer Ballast, der nur historische Bedeutung hat. Auf die
Wiedergabe der Beschreibung dieser Arten, ja auch auf die Aufzählung ihrer Namen wurde daher
in der vorliegenden Arbeit aus praktischen Gründen verzichtet. Wer sich dafür interessiert, wird die
nötige Auskunft finden in der Synopsis Cecidomyidarum von v. B e r g e n s t a m m und L ö w (1),
der Revision der Gallmücken von K a r s c h (1) und in G. J. C. von K i e f f e r. Letzterer hat auch
den Versuch unternommen, bei einer Anzahl dieser Arten die Gattung festzustellen. Meist handelt
es sich dabei aber wohl um Vermutungen, die zur Klärung der Verhältnisse nicht viel beitragen.
Bei einigen Autoren ist es Sitte geworden, alle diejenigen Cecidomyiden, deren Zugehörigkeit
zu einer bestimmten Gattung nicht ermittelt werden konnte, zum Genus Cecidomyia zu stellen. So
führt K i e f f e r (G. J. C.) in dieser Gattung 290 Arten auf, während er selbst sagt: „Type: C. pini;
les autres espèces mentionnées ici ne sont pas suffisamment décrites pour qu’on puisse les rapporter
à un genre connu.“
Nach R ü b s a a m e n s Vorschlag von 1892 zur weiteren Einteilung der ersten Unterfamilie
Cecidomyinae wurden noch weitere Versuche nach dieser Richtung später unternommen, und es ist
Sitte geworden, die Gruppen durch Anhängung der Endung- ariae an den Stamm der typischen
Gattungen der Gruppe zu bezeichnen (also Lasiopterariae, Oligotrophariae usw.). Es erscheint aber
zweckmäßiger, für die Bezeichnung von Supertribus, Tribus und Subtribus die bei anderen Tier