
Das $ ist nun aber keineswegs direkt auf diese geburtshelferische Tätigkeit des <$ angewiesen.
Fehlt das $,. so geht die Geburt des weiblichen Tieres ebenso glatt und auch fast in derselben Zeit
vor sich.
Die Geburt kann nun für das Jungtier rein passiv verlaufen, indem es einfach durch Kontraktion
des Geburtsganges aus der Geburtsöffnung ausgetrieben wird. Ich konnte in der Tat üiehrl'aoh deuè)
hch beobachten (Tabelle 8, Versuch 1—6), wie die junge Milte, die bereits so weit geboren war, daß
ihre Beinpaare aus der Geburtsöffnung heraus waren und frei in die Luit ragten, rein passiv
aus der Geburtsöffnung ausgetrieben wurde. Dabei strampelte sie hilflos mit ihren Beinen in der
Luft. In manchen Bällen allerdings scheint’s, daß die Jungmilbe auch ihrerseits aktiv aus der Ge-
burtsöffnung herauszukommen strebt, und daß sie, sobald ihre Beinpaare frei sind und an der Geburtsöffnung
einen Halt finden, sich selbst aus der Geburtsöffnung herausarbeitet.
Tabelle 8 gibt über die Dauer des Geburtsaktes beim ? eine kleine Übersicht. Der Durchschnitt
für die Geburtsdauer mit männlicher Hilfe beträgt 171 Sekunden, ohne männliche Hilfe 217 Sekunden.
Nach diesen Zahlen allerdings würden die ?, die ohne männliche Hilfe geboren werden, .doch etwa
der Zeit mehr gebrajfifhen als die ?,.?die mit männlicher Hilfe geboren werden.
Immerhin kann ich mir nicht denken, daß in dieser Zeitersparnis die Haupttedeutung der
Geburtshilfe des d su suchen ist. Es scheint mir vielmehr, daß der männlichen Geburtshilfe eine ganz
andere Bedeutung zukommt. Hat das d das junge Ç nämlich aus der Geburtsöffnung herausgehebelt,
so läßt es das ? nicht gleich lög, sondern vollzieht sofort die Kopula. Dabei «&§ das |?Von dem
zangenförmigen 4. Beinpaare am Hinterende umfaßt. Allerdings scheint diese Zange weniger zum
Festhalten zu dienen, als vielmehr eine Führungsfunktion für den weiblichen Hinterleib zu besitzen.
Bei der Kopula richtet sich das d mit dem Hinterleib in eigentümlicher Weise stark auf und bringt,
wenn es das Ç mit dem 4. Beinpaar umfaßt hat, dessen Hinterende unter die „lyraförmige Platte“
seines eignen Hinterleibs; Hier befinden sich an den Rändern 2 kleine Saugnäpfe.’ iiü ; übrigen aber
wirkt auch das Hinterende des d durch seine ganze eigentümliche Form schon wie ein großer Genitalsaugnapf,
der die weibliche Hinterleibsspitze aufnimmt. Dieser ganze Apparat, den schon Br ücke r
genauer beschrieben h a t1), dient vielmehr zum Festhalten des in Kopula befindlichen
Die Dauer der Kopula ist, wie auch eine Durchsicht von Tabelle 8 zeigt, reeht verschieden.
Im Höchstfälle konnte ich 9 Minuten feststellen. Allerdings ist in diese Zeit, wie auch in den höheren
Angaben der übrigen Daten, die Zeit miteinberechnet, die das <? braucht, um das ? in die richtige
Lage zu bringen, und diese Zeit hängt davon ab, ob dasd dasifsgleich günstig gepackt hat oder nicht.
Ich habe häufig beobachtet, wie da sd das Ç beim Beginn der Kopula so gefaßt hielt, daß der ganze
Körper des $ frei in deT Luft schwebte, ein Zeichen, wie fest das d das $ hält, und wie groß die Kraft
des männlichen Knirpses ist. Die eigentliche Dauer der Kopula scheint bedeutend kürzer zu sein,
sie beträgt wohl meist nicht mehr als 20—30 Sekunden. In den Fällen, wo die Tabelle Zahlenangaben,
die um diese Werte schwanken, bringt, hatte das d das ? gleich in günstige Lage gebracht.
') „Los organes génitaux externes sont très simples cher, les femelles: c'est simplement une fente vulvaire longitudinale sitnée
(Pl. XIX, fig. 14) à l’extrémité ventrale de l’abdomen. L’ouverture génitale du mâle (Pl. XVIII, fig. 4) se trouve à l’endroit correspondant;
il en sort un pénis chitineux allongé. Mais de plus un repli circulaire dos téguments forme à l’extrémité de son abdomen
une sorte de vaste coupe fendue sur la ligne médiane ventrale: c’est entre les bords de cette fente que se trouve donc le pénis; deux
épaississements à l’extrémité de ces bords simulent de petites ventouses. L’abdomen de la femelle, relevé, s’introduit dans cette grande
coupe qui constitue ainsi une énorme ventouse génitale: la vulve se trouve juste en face du pénis. Le bord dorsal de cette coupe présente
de chaque côté des épaississements chitineux en lames; peu distinctes quand la ventouse est rétractée après la mort, ces lames
glissent les unes sur les autres comme des lames d’éventail quand la ventouse se déploie pour recevoir l’abdomen de la femelle“
(B r u c k e r , 1901).
Temperatur
in Cels. 0
Dauer der
Geburt
in Sekunden
mit Hilfe
des
Kopul
Eintritt
Dauer
in Sekunden
Ab wandern
in Min. Bemerkungen
1
2
21
21
1.50
180-210
! 1
nach 46 Geburten.
3 19,5 1.65 Geburt passiv.
4
6
21
18 .
18
180
180—240
400
: 4
7 R H S g i sehr kurz . 2 2 X Kopula.
8 5 $ wanderte sekundär wieder
auf und nach 1*4 Std.
wieder ab.
" ,9
■ 10
n 60—90 4
3
11 24 B ä S S S 120 6 Störung d. Kopula durch 2.$.
12 22 —' nach 1 Min. 60—90 sofort war wirklich befruchtet.
13 22 Ü i i i l sofort 45-60 4
14 H G 9 B 105 sofort 60
15 19,5 300 sofort 70 134—2 Geburt erst durch 2. $ gestört,
dann sehr schnell.
16 20 B t e sofort 60—70 —
17 21 330—360 § g g i& sofort 170 7
18 21 148 nach 20—25 Sek. 93 wanderte sekundär auf die
Kugel und nach 15. Min.
wieder ab.
19 • 21 TV ; 165 sofort 45 8
20
21
21
23 180
50
35—40
3
sofort
18 Min. nach Nr. 19 geboren.
22
23
21
21
160
210—240
m |
H-
540
170
in den 4 ersten Min. hält das
$ das $ frei abstehend.
24 21 ' sofort 25 30 später $ abgewandert.
25 21 50—60 25 2% 1 der Kopf war schon heraus.
26
21
50
90
4
8 .u j g l
2. Versuch von 2. $ — 10 Sek.
28 21 300 r s t c - 150 %
29 .. 24’ |§ 3 i P ? '<% .
30 24 60 m a l r - 26—30 1
31
32
24
26 5
70 - 25 1 Min. 40 Sek.
33. 25 (konst. ) 110 — 25(80—85)
2 /4
25 Sek. eigentl. Kopulation,
80—85 Sek. Kopulation
mit Vorspiel.
34 25 (konst.) ■ ¡ É É 30 1 Min. 20 Sek. $ wanderte nach einigen
Minuten wieder auf.