
gefärbt ist.“ Aus dieser „Protuberanz“ wird die Primärglocke, die Larvenglocke, wie oben
besprochen (Fig. 32, Text). Vom ersten Saugmagen oder seinem Tentakel sind hier noch nicht
einmal Andeutungen vorhanden.
Ganz ähnlich verläuft die Entwicklung bei G. quadrivalvis (G. aurantiaca) nach M e t sch-
n i k o f f. Aus der kugeligen, mit Ectoderm überkleideten Planula wird eine „Bipolaria“ von vogeleiförmigem
Aussehen, mit einen} stumpfen oberen und einem spitzen unteren Pol. Der Ectoderm-
überzug ist dabei „besonders scharf am unteren Körperteil, namentlich auf einer Fläche desselben
entwickelt,“ was jedoch auf der betreffenden Abbildung (Taf. VI, Fig. 5), auf die hingewiesen wird,
nicht klar zu erkennen ist. Umso klarer geht aber aus den
Abbildungen 6—8 (Fig. 33, Text, 20 a, b, Taf.V) hervor, daß
die Verdickung „einer Fläche“ dem Fruchthof entspricht
und ventral liegt, da hier die Larvenglocke entsteht, in
einiger Entfernung vom Oralpol, letzterem allerdings näher
wie dem Aboralpol. Diese Stadien zeigen bereits die, aus
der ventralen Verdickung hervorgegangene Anlage der
Primärglocke — Zwischenstadien hat M e t s c h n i k o f f
leider nicht beobachtet — und unter dieser die allererste
Andeutung des Tentakels.
L o c h m a n n s Angaben über die gleiche Art
(1904, p. 261—63) bringen keine Klärung, im Gegenteil:
wenn er schreibt, daß sich „am oralen, gelblichrot pigmentierten
Pol der länglich eiförmigen Planula eine starke
Ectodermverdickungausbildet, d ie s ic h v o n d o r t a u f
d ie eine S e ite d e r P l a n u l a zieht,“ welche die Ventral-
Fig. 34. Zwei Larvenstadien von Hippopodius
von M e t s c h n i k o f f . Bei a hat sich die
Primärglocke angelegt. Jede Andeutung des Saugmagens
und Tentakels fehlt noch. Bei b ist
ersterer bereits erkennbar.
seite darstellt, so ist das nicht recht verständlich, nachdem bei keiner einzigen der bisher beobachteten
Sipbonopboien die ersten embryologischen Veränderungen am Oralpol beginnen und dies auch in
direktem Widerspruch steht mit der Beschreibung, noch mehr aber mit den Abbildungen M e ts c h n ikof
f s. Bei Lo c hma n n fehlen Abbildungen, die seine Angaben stützen. Da trotzdem, auch nach
letzterem, die Bildung des definitiven Entoderms auf der Ventralseite beginnt und anfangs auf diese
beschrankt bleibt, um sich erst allmählich zum Oralpol auszudehnen, ist offenbar auchbei dieser Calyco-
phore die erste Bildung der ventrale Fruchthof, und die Anlage des Saugmagens erfolgt erst viel später.
Bei Hippopodim überzieht sich, nach M e t s c h n i k o f f (1874, p. 46/47) die junge, eiförmige
Larve ziemlich gleichmäßig mit Ectoderm, während sich die Entodermschicht „hauptsächlich auf
die Bauchflache beschränkt“. Hier beginnt dann „die Organbildung mit einer lokalen Ectoderm-
verdickung, welche in Form eines halbkugeligen, soliden Körpers ins Innere des Entoderms eindringt“.
Damit h a t sich die erste Glocke angelegt (Fig. 34, Text). Die ganze obere Larvenhälfte wandelt sich
dann allmählich in letztere um. Die untere, konische Hälfte dagegen wird, zum Magen und zeigt,
als dessen erste Andeutung, bald nach Anlage der Glocke, nicht vor dieser, eine starke ectodermale
und entodermale Verdickung am Oralpol.''Die Anlage des Tentakels hat M e t s c h n i k o f f nicht
mehr beobachten können; sie erfolgt jedenfalls sehr spät, da seine älteste Larve mit bereits weit
entwickelter Primärglocke (s. Textfig. 4) noch nichts von diesem erkennen läßt. Ist meme Deutung
der letzteren richtig, dann ist allerdings die „Bauchfläche“ tatsächlich die Dorsalseite. Ebenso muß
dann der Tentakel auf der entgegengesetzten Seite der Larve hervorsprossen.
Wir sehen also, daß auch bei Calÿcophoren unzweideutig die ersten Veränderungen an der
jungen Planula in der Bildung des Fruchthofes bestehen, aus dem sich als erstes die Primärglocke
entwickelt. Nur liegt hier der Fruchthof nicht am Aboralpol selbst, sondern seitlich und zwar bald
höher, bald tiefer, meist aber dem Oralpol am nächsten. Der Saugmagen dagegen entsteht ausnahmslos
viel später, darüber lassen alle Beschreibungen, im Zusammenhang mit den betreffenden
Abbildungen, keinen Zweifel. Der Tentakel eilt dabei diesem bald etwas voraus, bald folgt er ihm nach,
ohne daß eine Ursache für dieses merkwürdig wechselnde Verhalten erkennbar wäre. So findet denn die
Polypentheorie auch
in der ontogenetischen
Entwicklung der Caly-
cophoren nicht die geringste
Stütze und
spricht alles zugunsten
der Medusentheorie.
Die Anhänger
der, jetzt fast ällge-*
mein angenommenen
Polypen théorie machen
nun folgendes zu
w m
Fig. 35. Drei Larvenstadien von Agalma okeni Eschuh (Crystallodes) mit dem großen Dottersack
und dem, als erstes entstandenen, larvalen Deckstück. Bei a ist nur noch die Anlage der, als
zweites entstandenen Pneumatophore vorhanden und des später zwischen dieser und dem
Deckstück hervorgesproßten Saugmagens. Bei b ist eine weitere Knospe, die Anlage des
ersten Tentakels, hervorgesproßt. Bei c haben alle drei Knospen: die Pneumatophore (nicht
richtig därgestellt), der Saugmagen und sein Tentakel bereits eine ansehnliche Größe (Haeckel).
ihren Gunsten geltend :
Das ernährende Organ,
der Primärpolyp bezw.
Primärmagen entsteht
tatsächlich nicht erst
nach dem lokomotorischen resp. hydrostatischen Organ, sondern ist als erstes da, indem die Planula
selbst zum Primärpolyp wird, sich also in diesen umwandelt. Dieser bringt dann nachträglich am
Aboralpol eine stoloartige Proliferationszone hervor, die aborale Wimperplatte, aus der die übrigen
Teile durch Knospung hervorgehen — genau wie beim Hydropolp.
Gegen diese Auffassung spricht vor allem folgende Tatsache: bei Ag. okeni und
Athorybia, die beide einen Dottersack besitzen, findet nach H a e c k e l (1869, p. 49—72; Taf. VI,
VII und p. 88—92; Taf. XIV) die Differenzierung ebenfalls zuerst am Aboralpol sta tt, ganz ähnlich
wie bei den Physophorenlarven ohne Dottersack, der Saugmagen aber entsteht auf ganz andere Weise.
Nicht die Planula wandelt sich zum Polypen um, wie die Anhänger der Polypentheorie behaupten,
sondern er sproßt über dem Dottersack, dicht beim Ansatz des larvalen Deckstückes hervor, genau
wie die anderen Larventeile, also ähnlich z. B. den sekundären Deckstücken von Agolma (sarsi)
elegans. Auf die Saugmagenknospe folgt bald eine weitere Knospe, dicht an deren Basis, die Anlage
des Tentakels (Fig. 35, Text). Hier also ist der Fruchthof die Keimstätte auch des Primärmagens und
Tentakels und alle Larventeile knospen ohne Unterschied aus diesem hervor. Dabei ist die chronologische
Reihenfolge der verschiedenen Knospen die gleiche wie dort: der Saugmagen folgt ebenfalls
auf Deckstück und Pneumatophore, sta tt ihnen vorauszueilen, wie nach der Polypentheorie zu
erwarten wäre. Nun hat H a e c k e l den Versuch gemacht, diesen primären Saugmagen für einen
sekundären Saugmagen zu erklären und den Dottersack für das Homologon des ersteren. Darnach
wäre „der primitive Polypit von Physophora homolog dem Nahrungsdotter von Crystallodes und