
P ro to k o lle .
Clytrinae.
1. Cynandrophthalma flavicollis Charp. und affinis Hellw., Bonn 27. V. 25; sie standen aus der Rückenlage
rasch und immer wieder auf durch öffnen der Decken; Flugmuskulatur kräftig und gesund; beide Arten fliegen.
Chrysomelini.
2. Timarcha tmebricosa F. und coriaria Laich keine Flugmuskeln. Bei T. tenebricosa einmal einseitig ein
winziger Alarest. Bei graviden Weibchen geringe Eierzahl, bei coriaria z. B. nur 13, aber sehr große Eier (die nach
L. We b e r 1921 in ziemlich unentwickeltem Zustand abgesetzt werden).
3. Ghrysomda gypsophilae Küst., III. 1912 Gardone, Wasm. leg. Alaspitze fehlte; halbreife Eier; nur noch
Extensores deutlich.
4. Chr. sanguinolenta L., vermutlich alpiner Herkunft, makropter, Abdomen und Metathorax mit Eiern
angefüllt; Verlauf der Flugmuskeln an den Testierenden Sarkolemmen kaum noch erkennbar; die übrige thorakale
Muskulatur gesund.
5. Chr. marginalis Dfts., 20. IV. 25 Ahrweiler; die Alaspitze fehlte wie bei den folgenden Stücken vom
gleichen Fundort; Aufstehen aus der Rückenlage unmöglich; Muskeln bis auf Sarkolemme geschwunden. Von den
27. IV. 25 gesammelten Stücken konnte nur ein Männchen durch öffnen der Elytren aufstehen, wobei sich die
Alae mehr oder weniger spreizten. Bei ihm fand sich ziemlich gute Muskulatur, die bei den anderen stark abgebaut
war.
6. Chr. geminóla Payk., 1. VI. 25 Bernkastel, stand aus Rückenlage auf; ein schles. Männchen, immatur und
weich (Datum?) ließ noch kein Urteil über die Flugmuskulatur zu; ein älteres Männchen zeigte bessere, ein Weibchen,
V. 82 gefangen, tadellose Flugmuskeln.
7. Chr. brunsvicensis Grav., V. u. VI. 25 Valkenburg, Weibchen voller Eier; Muskeln bis auf Sarkolemme
abgebaut; die Flugmuskeln eines jungen Weibchens, VIII. 25 Lippspringe, stark und gesund.
8. Chr. staphylea L., VIII. 25 Lippspringe; ein Weibchen voller Eier, ohne Flugmuskeln und Alaspitze.
9. Chr. fuliginosa 01., 27. V. 25 bei Bonn; dieser hochgewölbten und von der Flugfähigkeit trotz Makro-
pterismus schon weit entfernten Art fiel das Auf stehen aus der Rückenlage besonders schwer und glückte trotz ausgedehnter
Versuche nur zweimal; das erstemal dauerte es 15 Minuten, bis sie trotz andauernden Kopf standes zum Überschlagen
kam, das zweitemal rascher. Während die flugfähigen Arten sofort ihre Flügelpaare in Ordnung bringen,
lief das Weibchen etwa eine Minute mit gespreizten Elytren und Alae umher, ehe es die Decken schloß; dann waren
noch 5—6 Versuche, die mit Zwischenpausen vorgenommen wurden, notwendig, um die Alae zu bergen, denn der
Innensaum der rechten Ala kam immer wieder zwischen die Naht.
10. Chr. varians Schall., 1. VI. 25 Bernkastel, z. T. in Copula; am 4. VI. im Zwinger jüngste Larven (ovovivipar!);
von 10 Stücken standen nach langem Bemühen nur 1 Männchen und 2 Weibchen aus der Rückenlage auf, es waren
offenbar die jüngsten der maturen Tiere; die Alae wurden nicht entfaltet, aber ihre Wurzeln deutlich bewegt; die
hoch graviden Weibchen mit abgebauter Muskulatur.
VI. 25 Exaeten (Holl.), Altkäfer, keine Muskeln mehr.
VIII. 25 Lippspringe; mehrere Hundert Jungkäfer untersucht; nur Oogonien, keine Eier; Muskeln selten maximal
entfaltet.
Bei varians ergab sich eine Höchstzahl von 60 Eiern, die Keimfächer und Embryonen mitgerechnet; die
ca. 20 Ovarialröhren verlaufen bei Jungweibchen parallel und schieben sich bei zunehmender Entwicklung der Eier
und Embryonen im Abdomen und Metathorax wirr durcheinander; im entsprechenden Maße schwindet die Flugmuskulatur.
11. Chr. cerealis L., nichts Neues.
12. Chr. fastuosa Scop., VI. 25 Valkenburg (Holl.), großes Material; mature Jungkäfer; meist Oogonien,
seltener jüngste Eistadien, einmal weit entwickelte Eier; durchschnittlich 20 Eiröhren; Muskulatur vollentwickelt,
von relativ gleicher Stärke wie bei den flugfähigen Melasomen; fastuosa fliegt aber nicht.
13. Chr. graminis L., 24. VIII. 25 Säben in Südtirol; Jungtiere mit bis 2 mm Durchmesser zeigenden Stoffwechselkonkretionen;
Muskeln erkennbar, aber schlapp.
14. Chr. coerulans Scriba, 20. IV. 25 Altenahr; überwintertes Männchen mit leeren Sarkolemmzügen.
24. VIII. 25 Säben, hochgravides Weibchen, Muskeln resorbiert.
15. Chr. menthastri Suffr., Lippspringe VIII. 25, halberwachsene Eier; zählte 21 Eiröhren; Doppelhoden
auffällig groß; Medianus und Lateralis III. scheinen am stärksten abgebaut.
16. Chr. polita L., VI. u. VII. 25 Valkenburg; gravide Weibchen; Männchen mit großen Hoden; starker
Muskelschwund.
17. Chrysochloa cacaliae Schrank. Von diesem Gebirgstier erhielt ich eine Sendung aus dem Riesengebirge
von Herrn Studienrat U h m a n n , zwei Sendungen aus Freiburg i. Schw. von Prof. R e i c h e n s p e r g e r und
H. S c h m i t z S. J., denen an dieser Stelle bestens gedankt sei. Die große Sendung vom Fichtelberg im Riesengebirge
aus 1000 m Höhe, am 4. VI. 25 gesammelt, bestand fast ausschließlich aus Männchen mit vollentwickelter
Flugmuskulatur und besonders großen Hoden. Die vereinzelten Weibchen waren mit Eiern und jungen Larven
angefüllt und ihre Flugmuskulatur völlig abgebaut.
Die Sendung aus Freiburg vom 7. VII. 25 enthielt 15 lebende Imagines, darunter zwei ünausgefärbte Männchen,
gesammelt in 1900 m Höhe. Vereinzelt standen sie aus der Rückenlage auf, aber sehr spät und mühsam. Die Alae
wurden gestreckt, aber die Spitze nicht. Das Zurücknehmen der Flügelpaare erinnerte an das Verhalten von Chr.
fuliginosa, ging langsam und schwierig vonstatten. Die immaturen Männchen zeigten noch keine vollentwickelte
thorakale und abdominale Muskulatur, bei den anderen Jungmännchen stieg ihre Entwicklung mit der abnehmenden
Zahl der Stoffwechselkonkretionen, bei einem mit zahlreichen Eiern und Larven angefüllten Weibchen war der
Medianus .ganz abgebaut, die übrigen Muskeln noch gut kenntlich.
Am 22. VII. 25 kamen wieder acht muntere Käfer an, 1350 m hoch bei Freiburg gesammelt. Keiner stand
aus der Rückenlage auf. Ich warf sie im Zimmer in die Höhe und fing sie auf weicher Unterlage auf, kein Stück
öffnete beim Niederfallen die Flügel, wie es sonst bei flugfähigen Käfern meist geschieht. Die Weibchen hatten
ihre letzten Embryonen abgesetzt, nur bei zweien zählte ich 14 bezw. 22 Embryonen, die z. T. im Metathorax, eine
dort zwischen den Coxen verstaut waren. Die kaum noch erkennbaren Sarkolemme der Flugmuskeln kleideten
mit einem schwachen Fettgewebe den Metathorax aus. (Die späte Eiablage, kurz vor den ersten Schneefällen, ist
ethologisch beachtenswert.)
Entomoscelina.
17. Gastroidea viridula Geer, 7. VII. 25 Freiburg; makropter; blieben auf dem Rücken liegen; Muskulatur
abgebaut.
18. G. polygoni L., 1. VI. 25 an der Mosel, 29. VI. 25 an der Siegmündung brachte ich widerstrebende Männchen
zum Abflug vom Finger; meist laufen sie tagsüber am Boden, wo die graviden Weibchen umherkriechen; Mai 1926
kam 1 $ am hellen Tag ins Zimmer geflogen.
19. Plagiodera versicolor- Laich., 1. VI. 25 fliegend an der Mosel getroffen. Die gleiche Art in Massen anfangs
September in Feldkirch (Vorarlberg) zum Inselexperiment verwandt, flogen nicht. Es waren ausgefärbte Jungkäfer,
wie die noch aus dem Puppenstadium vorhandenen Stoffwechselprodukte zeigten; die Flugmuskeln waren
bei den meisten wenig, bei einigen bereits gut entwickelt.
20. Mélasoma populi L. und tremulae F.; V.—VII. flogen sie jederzeit vom Finger ab, so selten man sie auch
in freier Natur fliegen sieht. Jungfräuliche, trächtige und deflorierte Stücke können aus der Rückenlage beliebig
oft und, solange nicht ermüdet, auch rasch durch Öffnen der Elytren aufstehen, wobei sich die Alae, selten deren
Spitze, entfalten. B e i m A b f l u g b l e i b t d i e S p i t z e m e i s t e n s e i n g e s c h l a g e n und entfaltet
sich erst nach einem Flug von etwa einem halben Meter infolge des unter den Flügeln entstehenden Luftdruckes.
Dies habe ich auch bei Cassida viridis L. wiederholt gesehen; bei guten Fliegern ist das aber nicht der Fall. Nach der
Eiablage (1. VI., 27. VI., 4. VII.) längsgeteilte Weibchen haben die Wände der leeren Eifächer noch nicht reduziert.
Die Zahl der Ovarialröhren beträgt etwa 20 wie bei den Chrysomelen. Die Größe des Hodens steht meist hinter
der selbst kleiner Chrysomelen zurück.
Prasocurlni.
21. Phytodecta olivácea Forst., 1. VI. 25 von der Mosel, standen aus der Rückenlage leicht auf, ließen sich
aber nicht zum Fliegen bringen; die Muskulatur schien durchaus den Anforderungen des Fluges zu genügen.