
ihre Verwandlung zum fertigen Prosopon durch. Als solches verläßt die Milbe die mit dem noch
verkuppelte Larvenhülle. Das Nymphenstadium wird dabei gänzlich unterdrückt. Nun beobachtete.
B e r l e s e weiter, daß n i c h t n u r d i e w e i b l i c h e n L a r v e n , so n.d e r n a u c h die.
L a r v e n , d i e e r g a b e n , m i t d e n $ r e g e l m ä ß i g k o p u l i e r t e n . B e r l e s e
meint dazu: „Io credo che ci si ingannerebbe considerando questo atto come un semplice accoppiamento
contro natura. La generalità stessa del fatto si oppone a questa interpretazione volgare“
(p. 61). Da nun die Kopulation e in e s t mit einer männlichen Larve keine Befruchtung znr Folge
hat, so muß nach B e r l e s e der Akt die Reifung der Sexualorgane des jungen bedingen und
die Verwandlung in das männliche Prosopon, ohne daß vorher das Stadium der 8füßigen Nymphe
durchlaufen wird, bewirken. D i e s e F o r m d e r „ P r o g e n e s e “ z e i g t s i c h n u r d a n n ,
w e n n d i e d s e h r z a h l r e i c h s i n d .
Nun kommt aber neben dem p a s s i v e n Ab wandern in einigen Fällen zweifellos ein „a k -
t i v e s Abwandern“ der d in Frage. Alle meine Beobachtungen scheinen dafür zu sprechen, daß.
es sich hier um solche d handelt, die ihre Pflicht im Dienste der Arterhaltung voll und ganz erfüllt
haben, d. h. die häufig zur Kopula gelangt sind, und deren Samenmasse nun erschöpft ist. Es ist
also für das aktive Abwandern der d nicht gerade das Alter des Tieres ausschlaggebend, sondern die
Zahl der begatteten Natürlich mögen hier wieder individuelle Faktoren mitspielen, d. h. das eine
d mag mehr ? befruchten können als das andere, bevor es abwandert, d» die nur wenig oder überhaupt
nicht zur Kopula gelangen, verbleiben, wie ich häufig feststellen konnte, dauernd auf der
Kugel und sterben auch dort. Nicht einmal ungünstig werdende Lebensbedingungen, wie sie
beispielsweise durch starkes Schrumpfen bezw. völliges Austrocknen der Kugel eintreten, veranlassen
solche d zum Abwandern. Sie verbleiben hartnäckig auf der Kugel und gehen d o rt. eher
zugrunde, als sie es unter normalen Lebensbedingungen, d. h. auf praller, gesunder Kugel tun
würden.
Daß es sich bei den aktiv abwandernden d um erschöpfte Tiere handelt, glaube ich aus
folgenden Gründen:
1. man trifft häufig in Versuchen und Kulturen auf lebhaft umherlaufende, passiv abgewanderte
d, z. B. in Parthenogenese-Versuchen. In derselben Zeit aber findet man die
aktiv abgewanderten d schon to t oder sterbend vor. Es mag der Hunger bei den aktiv
abwandernden d den Tod wohl beschleunigen, doch ist er sicher nicht hier die einzige
Ursache. Das geht auch aus der Tatsache hervor, daß
2. die aktiv ab wandernden d bei ihrer Wanderung meist nicht weit kommen, sondern
vielfach in unmittelbarer Nähe der Kugel sterben, während man passiv abwandernde d
an jeder Stelle des Schälchens wandernd treffen kann.
So h a t es ganz den Anschein, als ob die erschöpften d> die. ihre Pflicht für die Arterhaltung
erfüllt haben, frischen Partnern das Feld räumen, und darin liegt vielleicht die Bedeutung dieser
eigenartigen Erscheinung..
Im übrigen aber bedarf gerade dieser Punkt entschieden weiterer Klärung, und ich möchte
meine vorstehende Darlegung über diese Frage nur so auf gef aßt wissen, daß sie die Aufmerksamkeit,
auch anderer Beobachter auf sich lenkt. Meine Beobachtungen darüber, die ich mehr , zufällig und
nebenher anstellen konnte, reichen zur endgültigen Klärung nicht aus, scheinen mir nur nach der
angeführten Richtung hinzudeuten.
Sollte aber die Tatsache bestehen, daß die $ dann aktiv abwandern, wenn ihre sexuelle
Leistungsfähigkeit erschöpft ist, dann hätten wir hier einen Gegensatz zum Ab wandern der $, die
ja erst dann die Kugel verlassen, wenn sie begattet sind, d. h. die Samenmasse vom d empfangen haben.
Das d wandert ab, wenn es seine Aufgabe im Dienst der Art erfüllt hat, das $ aber, um sie zu
erfüllen. Doch können wir auch beide Erscheinungen auf eine gemeinsame Formel zurückführen,
wenn wir sagen: d und $ wandern ab von der Kugel, wenn ihr Kontrektationstrieb erloschen ist.
Das sexuell erschöpfte d befruchtet keine $ mehr, ein befruchtetes $ findet auch von begattungslustigen
d keine weitere Beachtung.
Mutterparasitismus der Weibchen.
Oben p. 10 wurde erwähnt, daß die d als Ektoparasiten dauernd auf der Mutter leben, daß
die $ hingegen die Kugel verlassen und Insektenlarven als Parasiten befallen.
Nun behauptet schon B r ü c k e r (1901), daß auch die j u n g e n $ kurz nach ihrer Geburt
die Mutter anstechen und von ihr Nahrung saugen, und daß sie erst später dann von der Mutterkugel
abwandern. Ja , B r ü c k e r vermutet, daß die $ möglicherweise solange von der Mutterkugel Nahrung
saugen, bis ihr Darmtraktus, wie ich p. 48 ausführte, die völlige Ausbildung erlangt hat.
B r ü c k e r sucht sogar den Ausfall von postembryonalen Larven- und Nymphenstadien bei Pedi-
culoides ventricosus,. der zu einer vollkommen intrauterinen Entwicklung führte, durch die ekto-
parasitische Lebensweise der ursprünglich frei lebenden Larvenformen auf der Mutter zu erklären
(vergl. B r ü c k e r , 1901).
Meines Erachtens spricht, aber zweifellos das vielfach sofortige oder baldige Ab wandern der $,
die meist unmittelbar nach der Geburt befruchtet werden, gegen die B r ü c k e r sehe Annahme.
Eine Reihe eigener Beobachtungen ergab jedenfalls einwandfrei, daß der Mutterparasitismus weiblicher
Milben gleich nach der Geburt als Regel nicht zu trifft.
Dagegen kann auch ich bestätigen, daß ab und zu sich weibliche Milben auf der Kugel festsetzen
und sich auf ihr zur vollendeten Kugel vollsaugen. Ja, diese Kugeln sind sogar befähigt,
Jungmilben hervorzubringen. Doch handelt es sich in diesen Fällen meist um sekundär auf die Kugel
auf gewanderte §, und ich konnte mich überzeugen, daß Mutterparasitismus der $ bei isolierten Kugeln
besonders häufig vorkommt, d. h. dann, wenn den weiblichen Jungmilben keine andere Nahrung
als die Mutterkugel zur Verfügung steht.
Ein Punkt bedarf hier noch weiterer Klärung. — Daß die Mutterkugel zugrunde geht, wenn
die junge Milbe sich auf ihr zur vollendeten Kugel vollgesogen hat, ist nicht weiter erstaunlich.!^
In einzelnen Fällen beobachtete ich aber, daß die Mutterkugel schon starb, als die Jungmilbe erst
das Zitronenstadium erreicht hatte. Dabei war die Mutterkugel noch prall und keineswegs geschrumpft
oder erschöpft. Das war besonders in einem Falle deutlich, wo auf einer kräftigen Kugel sich 2 $
festgesetzt und zum Zitronenstadium entwickelt hatten. Ob in diesen Fällen — ich betone ausdrücklich,
daß es sich hier nur um vereinzelte Beobachtungen handelt — die Mutterkugel ähnlich wie die
Wirtslarve durch den Stich des eigenen Tochterweibchens zugrunde gegangen ist, oder aber, ob der
Tod aus ändern Ursachen erfolgte, ist mir nicht klar geworden.
B r ü c k e r will deutlich saugende, junge tjjt beobachtet haben, und seine Beobachtungen
kommen mir nicht unglaubhaft vor, denn ich hatte selbst Gelegenheit,: unter dem Mikroskop junge $
auf der Kugel in Saugstellung zu sehen, wenn ich auch den Stechrüssel nicht bis in die Mutterkugel