
Man beobachtet häufig unter dem Mikroskop, wie die 3 still an einer Stelle der Kugel sitzen,
das Vorderende des Gnathöstoms fest an die Kugeloberfläohe der Mutterkugel gedrückt. Der Hinterleib
ist dabei etwas in die Höhe gerichtet und wird durch die letzten Beinpaare, vor allem das 3. Beinpaar,
m die Höhe gestemmt. Das<J gewährt in dieser Stellung durchaus dasselbe Bild wie ein junges 8
das sich zum Saugen auf des Wirtslarve festgesetzt hat.
In einem Falle konnte ich nun einwandfrei beobachten, daß die Kugel von dem 3 in der Tat
angestochen wird. Am 30. April 1924, 3% Uhr nachmittags, beobachtete ich auf einer Kugel oben
etwas seitlich eins? in der eben geschilderten Stellung, das das Gnathostom senkrecht fest auf die
Kugel aufgesetzt hatte. Man konnte nun deutlich sehen, wie der Stechrüssel als kleines, feines Fädchen
m die Kugel eingestochen war. Durch Abblenden des auffallenden Lichtes wurde das Phänomen
besonders klar. Meist wird durch die stark spiegelnde Oberfläche der Kugel eine genaue Verfolgung
des fernen Stechriissels, der in die Kugel eingesenkt ist, unmöglich. In diesem einen besonders günstigen
Falle sah man den Rüssel aber deutlich durchschimmern und konnte ihn auch bis zum Gnathostom
genau verfolgen. Mein Kollege, Dr. E. T i t s c h a c k , jetzt in Hamburg, dem ich diesen interessanten
Fall zeigte, konnte meine Beobachtung durchaus, bestätigen. Die Feststellung wurde gemacht mit
einem Zeiss-Mikroskop und Zeiss-Linsen, Okular 4, Objektiv A (8). Es steht also einwandfrei fesjf
daß die 3 von Ped. ventr. als Parasiten auf der eignen Mutterkugel lebeni
^ Ähnliche Fälle, wo auch das 3 auf dem weiblichen Tier parasitiert, sind bekannt bei der
Gephyree BoneUia und bei parasitären Krebsen (Copepoden, Isopoden und Cirripedien),, Weiter,
berichtet neuerdings C. T a t e R e g a n (1924) über einen äußerst interessanten Fall von Parasitismus
des 3 auf dem 9; bei Tiefseefischen, Ceratias flnd Photocorynus. Hier sind d i e l l im Vergleich
zu den 5 sehr klein, als Zwergmännchen ausgebildet. Sie sfjfgn sich, noch im unreifen Stadium,
am f§^c.lS^ un<^ verwachsen mit diesem. Dem 3 fehlen die Zähne vollkommen, an ^p d e r Darm ist
rudimentär. Die Verwachsung zwischen 3 und 9 ist aber so innig, daß. das Blutsystem beider Tiere
miteinander verschmilzt. Diese Fische leben in den mittleren Ozeantiefen bathypelagisch, einzeln,
und sind von Natur aus recht träge. Dieser eigenartige Fall von Parasitismus des^ tu f dem eign<!§B
wird von C. T a t e R e g a n gedeutet als eine Einrichtung zur Vermeidung der Schwierigkeit beim
Sichfinden der beiden Geschlechter.
Wir werden sehen, daß für Ped. ventr. derselbe Grund gilt, allerdings besteht der Unterschied,
daß bei den angeführten Fällen von ZweTgmännchen, ebenso wie beim obengenannten Fall der
Anglerfische, die<J auf dem eignen g parasitieren, während bei Ped. ventr. dar«? auf dem M u tif li
Weibchen lebt. Auch ist das 3 von Ped. ventr. nicht im eigentlichen Sinne als-Zwergmännchen aufzufassen.
Mit dem großen, trächtigen Kugelweibchen verglichen, erscheint das 3 freilich zwerghaft;
doch dem jungen 9-Prosopon, mit dem es auch kopuliert, s te h tiin ic h t^ o sehr an Größe nach (vergl.
Fig. 1 u. 5).
W. H. H o f f m a n n berichtet einen ähnlichen Fall von der kubanischen Reduviide Triatoma
flavida (die er ursprünglich als Rhodnim protixm Stäl bestimmte), daß die jungen Wanzenlarven,
die noch keine Nahrung aufgenommen hatten, den prall mit Blut gefüllten Hinterleib der Mutter
anstachen und Blut saugten. Dabei erlitt das Muttertier scheinbar keinerlei Beeinträchtigungen,
und auch die jungen Larven entwickelten sich auf diese Weise gut. Ja, die jungen Larven sollen sich
nach H - o f fma n n sogar gegenseitig anstechen, und einmal hat er gar 4 hintereinander gereihte
Larven beobachtet. Bei verwandten Wänzenarten wurde diese A rt des „Mutterparasitismus“ übrigens
schon häufiger festgestellt.
Auch bei Peclimlokles venlricosus leidet das 9 durch den Anstich selbst zahlreicher 3 keinerlei
Schaden, obwohl die 3 sich meist tagelang auf dem Muttertier aufhalten und Nahrung saugen. Das
3 verfügt also wohl nicht über das furchtbare .Gift wie das 9, oder aber das mütterliche Tier ist dagegen
immun. Man muß allerdings dabei berücksichtigen, daß das 3 von der Mutterkugel die fertig
gelöste und bereits verarbeitete Nahrung aufnimmt. Es ist also nicht einmal genötigt, Verdauungs-
sekret in die Mutter einfließen zu lassen. Aus diesen Beobachtungen ergibt sich die Frage, ob
die 3 überhaupt über Gift und Verdauungssekret liefernde Drüsen verfügen, oder ob diese hier nicht
rudimentär geworden oder gänzlich geschwunden sind. Eine vergleichende Untersuchung dieser
Verhältnisse beim wL und 9 wird vielleicht interessante Resultate zeitigen. Allerdings wird wegen
der Kleinheit des Objekts eine solch©, Untersuchung nicht gerade leicht sein.
Qeburtsakt und Kopula.
Beobachtet man die § auf der Kugel genauer, so kann man leicht feststellen, daß sie einen
bestimmten Platz bevorzugen. Dort sitzen die 3, die von der Mutterkugel geboren werden, zu 2, 3, 4
und mehr beisammen und unternehmen von dieser Stelle aus kleine Wanderungen über die Kugel,
um aber meist recht bald zum Ausgangspunkt zurückzukehren (Fig. 6). Diese Stelle, wo die 3 in
der Regel auf der Kugel züsammensitzen, ist die Geburtsöffnüng, die, wie schon vorher erwähnt, für
gewöhnlich nicht wahrnehmbar ist. Sie wird erst bei,der Geburt von Jungmilben erkennbar.
Wenn man mit etwas Geduld eine reife Kugel, auf der ein oder mehrere 3 sitzen, längere Zeit
beobachtet; kann man leicht Zeuge einiger hochinteressanter, ökologischer Vorgänge werden, vor
allem der Geburt der Jungmilben. Es wird dann auch bald erklärlich, warum die 3 sich fast stets in
der Nahe der. Geburtsöffnung aufhait.cn.
Da. die Kugel häufig recht durchsichtig ist, sieht man manchmal ein oder auch mehrere fertig
ausgebildete, geburtsreife Jungmilben in ihr liegen, die vielfach » 'd e u tlic h zu erkennen sind, daß
man sogar ihr Geschlecht, einwandfrei bestimmen kann. Beobachtet man nun eine ,solche Kugel
etwas länger, so sieht1 man, wie sich eines von den geburtsreifen Tieren —Ves möge sich um ein 9
h an d e lryBm der Kugel langsam der Kugeloberfläche zu b ew ^ t, und zwar stets mit dem Vorder-
endc voran. Bald ist das Vorderende unmittelbar unter der Kugeloberfläche .angelangt, und zwar
an der Stelle, wo der Ruhesitz des 3 ist. Das ^ , .das zunächst still und unbeweglich da gesessen hat,
wird allmählich unruhig und wandert äuch wohl etwas in unmittelbarer Nähe der Geburtsöffnung
über die Kugel, um aber recht bald wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückzukehren. Inzwischen
ist das Vorderende des jungen 9 bereits in der Geburtsöffnung erschienen. Nun geschieht etwas recht
Sonderbares. Das 3 wendet dem in Geburt begriffenen 9. sein Hinterende zu, umfaßt es mit seinem
zangenförmigen 4. Beinpaar und stemmt und liebeß- das junge 9, indem es rasch zupackt, wieder
losläßt, die Zange etwas tiefer ansetzt, hpchstemmt, wieder losläßt, zugreift und diesen Prozeß öfter
wiederholt, aus der Geburtsöffnung heraus. Dabei ist es;- nun ganz gleichgültig, ob das 3 das 9 von
der Rücken- oder von der Bauchseite faßt: ;
Diese eigentümliche Art tö n Geburtshilfe, die ich hier, bei dem <f von Ped. ventr. beobachten
könnte, scheint übrigens durchaus Regel zu sein. Ich habe sie in zahllosen Fällen festgestellt, und
auch Tabelle .8 zeigt dies einwandfrei. Nur däs:<j .üöt„diese Geburtshilfe aus, und zwar nur beim 9.
Ich habe nie beobachtet, daß ein 3 Geburtshilfe bei einem ändern 3 ausübte.