
laufenden Stabes besitzt, wird allgemein als B r u s t g r ä t e (S p a t h u 1 a s t.e r n a 1 i s) bezeichnet.
In der Regel lassen sich an ihr deutlich zwei Teile unterscheiden, von denen der kleinere vordere
nach vorn meist in Form eines oder mehrerer Zähne oder Zinken gabelartig, seltener spatenförmig,
frei vorragt, während der als Stiel bezeichnete hintere Teil der Gräte bei der voll entwickelten Larve
am vorderen und hinteren Ende meist mehr oder weniger stark verbreitert ist.
Die Form des Grätenstiels wechselt bei ein und derselben Art oft ungemein. Die hintere, als
Fuß bezeichnete Verbreiterung ist besonders veränderlich und fehlt nicht selten ganz, was bei jüngeren
Larven stets der Fall ist. Aber auch bei ausgewachsenen und gleichaltrigen Larven ist der Fuß bei
derselben Art oft recht vielgestaltig. Nicht selten nimmt er die Form eines Ankers an und scheint
ebenso wie die vordere Verbreiterung des Grätenstiels am stärksten bei den Arten entwickelt zu sein,
bei denen die Gräte besonders starke Arbeit zu verrichten hat, also dort, wo die Gräte als Bohr-
apparat zum Durchbrechen einer harten holzigen Gallenwand dient.
Auch die Seitenlinien des mittleren Teiles des Grätenstieles sind oft nicht scharf. Gewöhnlich
ist der Stiel in der Umgebung der mittleren Längslinie am stärksten chitinisiert und daher am
dunkelsten und geht nach den Seiten zu manchmal ganz allmählich in die normale Haut über (Fig. 42
Nr. 5 a u. 19). Noch undeutlicher in ihren Außenlinien ist nicht selten die vordere Verbreiterung des
Stieles, die an den Außenrändern oft in unregelmäßigen Strahlen in die normale Haut übergeht
(Fig. 42 Nr. 10).
Der vordere Teil der Gräte, der in der Regel mit einem oder einigen frei vorragenden Zähnen
endet, ist vom Stiele durch eine meist scharfe, strichartige Hautfalte getrennt, die nur selten fehlt
(vergl. Fig. 42 Nr. 1). Dieser Teil der Gräte bildet sich stets zuerst und ist oft bei jüngeren Larven,
wenn auch noch farblos, bereits vorhanden, wenn von dem Stiel noch keine Spur wahrzunehmen ist.
Vom Stiel entwickelt sich zuerst der vordere, verbreiterte Teil, zuletzt der Fuß. Bei manchen Arten
fehlt, wie erwähnt, auch bei der vollentwickelten Larve der schmale Teil des Stieles und der Fuß
vollständig, so daß nur die vordere Verbreiterung zur Ausbildung kommt (Fig. 42 Nr. 7, 8, 18).
Seltener sind Formen wie in Fig. 42 Nr. 9, wo die vordere Verbreiterung fehlt, der schmale Stiel
sehr kurz, der Fuß hingegen mächtig entwickelt ist, oder der Stiel fehlt, wie in Fig. 42 Nr. 23, ganz.
In seltenen Fällen erstreckt sich der Stiel auch noch auf das 2. Thorakalsegment, wie in Fig. 42 Nr. 11,
oder es findet sich an diesem Segmente eine grätenartige Bildung, die mit der eigentlichen Brustgräte
des 1. Thorakalsegmentes nicht in Verbindung steht und bei dem einen Individuum derselben Art
vorkommt, bei dem anderen nicht, wie dies z. B. bei Pemphigocecis ventricola der Fall ist.
Auch die Form des vorderen Teiles der Gräte ist bei ein und derselben Mückenart nicht immer
dieselbe. Bei den deutschen Arten der Cecidomyinen ist er, wie sich bei Durchsicht der Tafeln und
Textfiguren ergibt, in der Regel zweizähnig, so daß die Gräte die Form einer zweizinkigen Gabel
annimmt. Verhältnismäßig selten verschwindet der Einschnitt zwischen den Zähnen und die Gräte
sieht wie ein kleiner Spaten aus (Fig. 42 Nr. 1). Zwischen Gabel- und Spatenform finden sich Übergänge.
Bei manchen Individuen von Schizomyia galiorum ist oft ein allerdings wenig auffallender
Einschnitt nachweisbar, bei anderen fehlt er vollkommen. Zuweilen ist die Form der Gräte weniger
für die Art, als für die Gattung oder Gruppe charakteristisch. So ist z. B. bei den Oligotrophidi der
Einschnitt zwischen den Zähnen meist sehr tief, so daß er den Hinterrand des vorderen Grätenstückes
erreicht, und die Zähne enden spitz, während bei vielen Cecidomyidi, so z. B. der Gattung
Contarinia, der Vorderrand der Gräte nur mehr oder weniger tief ausgerandet ist und die Zähne abgerundet
sind. Natürlich kommen in beiden Gruppen auch durchaus abweichend gebildete Gräten
vor so daß manchmal die Gräte der einen Gruppe annähernd die normale Form der anderen Gruppe
annimmt. Die Form und Größe der Zähne hängt zum Teil ab von der Form und Tiefe des Einschnittes
zwischen ihnen. Bald erreicht der Einschnitt den Hinterrand des vorderen Grätenstückes (Fig. 42
Nr. 6, 13), bald bleibt er weit davon entfernt (Fig. 42 Nr. 5, 12, 20), bald ist der Einschnitt spitz
Fig. 42. Brustgräten.
1. Larve in Blattgallen auf Hura crepitans (Brasilien, cf. Marcellia v. 6,1907, p. 145), 2. JELaplo-
diplosis equestris Wagn., 3. Schizomyia galiorum Kffr., 4. Larve in Blattgallen von Piptadenia
(Brasilien), 5 a. Thomasiella arundinis Scbin., 5 b. desgl.- mit dreizähnigem Ende, 6. Giraudiella
inclusa Frfld., 7. Larve in Blattgallen einer Sterculiacee (Brasilien), 8, Larve in Zweiggallen
auf Piper sp. (Brasilien, cf. Marcellia v. 7, 1908, p. 40), 9. Dasyneura pseudococcus Rübs,
10. Larve in Blattgallen auf Coccoloba sp. (Brasilien, cf. Marcellia v. 4, 1905, p. 117), 11. Larve
in Blattgallen auf Pouruma cuspidata (Brasilien, cf. Marcellia v. 7, 1908, p. 51), 12. Larve in
Stengelgallen auf Ipomoea sp. (Brasilien, cf. Marcellia v. 6, 1907, p. 149), 13. Larve in Zweiggallen
auf Acacia sp. (Brasilien, cf. Marcellia v. 4, 1905, p. 66), 14. Larve in Stengelgallen auf
Diodia sp. (Brasilien, cf. Marcellia v. 6, 1907, p. 125), 15. und 16. Lestreminenlarven auf Poly-
stictus aurantiacus, 17. Alycaulus mikaniae Rübs., 18. Dryomyia circinnans Gir., 19. Asphondylia
ononidis F. Lw., 20. Contarinia floriperda F. Lw., 21. Dasyneura tiliamvolvens Rübs.,
22. Apiomyia bergenstammi Wachtl (nacb Kief fer ) , 23. Braueriella phillyreae F. Lw. (nacb
Ki ef f er ) , 24. Dasyneura löwi Mik, 25. Larve in Blattgallen auf Polypodium crassifolium
(Brasilien, cf. Marcellia v. 7, 1908, p. 48—49).
(Fig. 42 Nr. 21), bald ist er am Hinterrande mehr oder weniger breit gerundet (Fig. 42 Nr. 6, 20),
bald berühren, sich die Zähne an ihrer Basis (Fig. 42 Nr. 13, 21), bald sind sie weit getrennt (Fig. 42
Nr. 7, 8 , 10, 18) usw.
Auch die Zahl der Zähne wechselt zuweilen bei Individuen derselben Art. So z. B. besitzt die
Larve von Thomasiella arundinis bald eine zweizähnige, bald eine dreizähnige Brustgräte (Fig. 42
Nr. 5 a und 5 b), wenn auch Abweichungen hinsichtlich der Zahl der Grätenzähne bei derselben Art