
Die Flügelgelenkstücke liegen in der weichen basalen Haut des Flügels und haben unter sich,
zu dem Tergum, der Pleura und den Flügeladern ganz bestimmte Beziehungen, die so regelmäßig
bei allen Insektenordnungen sich wiederholen, daß sie in Fällen, wo die Identifizierung der einzelnen
Gelenkstücke an sich schwierig wird, zur Feststellung der morphologischen Bedeutung derselben verwandt
werden können. Zum besseren Verständnis der folgenden Ausführungen wird beitragen, wenn
zunächst diagrammatisch diese Beziehungen in der Form dargestellt werden, wie sie im« die vergleichend
morphologische Forschung (Am a n s . S n o d g r a s s , W e b e r ) als wahrscheinlich typisch
an die Hand gibt.
T a b e l l e II: G r u n d r i ß e i n e s t y p i s c h e n F l ü g e l g e l e n k s .
Praescutum-----------------------------------------------------------Tegula
Scutum
Tergalhebel a
Tergalspalt | -
Tergalhebel b
hinterer Gelenkfortsatz
des —
Notums
i m
- vorderes Tergal-
gelenkstück (AxjJ
Mittelgelenkstück
(Ax2)
Costa
- Subcosta
Radius
Media -f- Cubitus
Vermittlungsstück
Scutellum
(hinteres Anal-
Tergal- ||§wurzel-
gelenkstück) stück — Analadern
Ax4 Ax3
Flügelligament — Hinterrand des Flügels
T a b e l l e I I I : A u f r i ß e i n e s t y p i s c h e n F l ü g e l g e l e n k s .
Praescutum • Scutum —
i / i
Vorderrand des — Flügel —
Flügels
Mittelgelenkstück
(Axj)
Episternal-
gelenkplatte
Episternum
— Scutellum —
Hinterrand des
Flügels
Epimeralgelenk-
platte
Epimerum
Postnotum
-<— Pleuralleiste
Hüfte
a) Tergalgelenkstück (Abb. 18).
Zwischen dem vorderen und dem hinteren Tergalhebel schiebt sich in den Tergalspalt ein knorriges
Gelenkstück (Axj) mit seinem proximalen, geraden und ventral verdickten Teil. Der distale Teil
ist gebogen und artikuliert mit einem ebenfalls gebogenen Fortsatz der in den basalen Teilen noch
erhaltenen Subcosta. Die Subcosta (Sbc), die sich weiter distal rasch verjüngt und an die von B ö r n e r
als Verschmelzungsprodukt von Radius, Media und Cubitus gedeutete starke Mittelader legt, wird
von der Costa (C) überkreuzt. Letztere ist ebenfalls nur im basalen Teil des Flügels als Vorderrandader
erhalten und beteiligt sich, wie gewöhnlich, nicht an der Bildung des Flügelgelenks. Merkwürdig
und ungewöhnlich ist, daß auch die Mittelader, trotzdem sie den Radius enthält, nicht mit
den Flügelgelenkstücken artikuliert (s. obigen Grundriß), sondern, allmählich membranös werdend,
in das Mittelgelenkstück übergeht. Ein hinteres Tergalgelenkstück fehlt, das Anal wurzelstück (Ax3)
artikuliert, wie das vielfach vorkommt, direkt am hinteren Gelenkfortsatz (h GF) des Scutums.
ß) Pleuralgelenkstück (Abb. 21 links).
Episternale und epimerale Gelenkstücke im eigentlichen Sinne, d. h. solche pleurale Gelenkstücke,
an denen Flugmuskeln ansetzen, fehlen völlig, wie bei der Besprechung des Praeepisternums
schon betont wurde. Dem Fehlen der epimeralen Gelenkstücke entspricht das völlige Fehlen epi-
meraler Flugmuskeln, an Stelle der episternalen Gelenkstücke tr itt funktionell das Praeepisternum
(vielleicht auch morphologisch, p. 94).
Sehr eigentümlich und mir von anderen Insekten nicht bekannt, ist ein bogenförmiges Gelenkstück,
das, wie Abb. 21 links zeigt, von der Außenfläche des pleuralen Flügelgelenkkopfes (pl FGK)
im Bogen nach vorn oben geht und an der Außenseite des Praeepisternums (P Eps) endet. An beiden
Enden artikuliert das Gelenkstück, das ich vorläufig rein deskriptiv als P l e u r a l b o g e n s t ü c k
(Pl St) bezeichne; die hintere Hälfte des Bogens ist an beiden Seiten eine Strecke weit flügelartig
verbreitert und artikuliert an dieser Stelle (mit der Dorsalseite) an der nach vorn gerichteten freien
ventralen Fläche des Axillare 2, des Mittelgelenkstücks. Sehr wahrscheinlich dient das Pleuralbogenstück,
das mit seinem Ende an dem festen Pleuralgelenkkopf artikuliert, mit dem anderen
Ende an dem durch die pleuralen Flugmuskeln beweglichen Praeepisternum, zur Übertragung der
Bewegung des letzteren auf das Mittelgelenkstück und damit zum Vorbringen des Flügels (s. p. 84),
ersetzt also die fehlende Episternalgelenkplatte in dem einen Teil ihrer Funktion, wie das Praeepisternum
sie im ändern Teil ersetzt (s. p. 85).
y) Die Flügelgelenkstücke s. str. (Abb. 18 rechts).
aa) Das M i t t e l g e l e n k s t ü c k , Axillare 2 ( S n o d g r a s s Ax2), verbindet alle übrigen
Gelenkstücke zu einer funktioneilen Einheit. Es ist im Umriß ungefähr rhombisch, die eine (vordere,
proximale) Seite artikuliert an der Außenseite des proximalen Teils des vorderen Tergalgelenkstücks
(Axx), die hintere Spitze ist mit dem Analwurzelstück (Ax3) gelenkig verbunden. Mit einem etwas
hinter der Mitte der Ventralseite gelegenen Fortsatz (F) steht das Mittelgelenkstück in Gelenkverbindung
mit dem pleuralen Flügelgelenkkopf und trägt so den Flügel. Mit dem vor diesem Gelenk
gelegenen abgerundeten Teil der Ventralseite ist es gelenkig mit dem abgeplatteten Teil des Pleuralbogenstücks
verbunden. Die im Typus (s. obigen Grundriß) vorhandene Gelenkverbindung mit Radius
und Costa fehlt.
ßß) Das A n a l w u r z e l s t ü c k , Axillare 3 (Ax3) ist langgestreckt, mit seinem proximalen,
etwas abgerundeten Ende artikuliert es an dem hinteren Gelenkfortsatz des Notums (hGF), mit
einem nach unten lateral gerichteten stumpfen gebogenen Fortsatz an der Basis der Analader (An)
und mit seinem distalen, flachen Ende an der hinteren Spitze des Mittelgelenkstücks Ax2. Das Anal-
Zoologica. Heft 76. 9