
schauung bin ich jedoch hinsichtlich der Genitalöffnung, welche nach dem Schema hinter dem 8. Sternit
liegen würde. (A. a. O.-p. 499 erklärte dagegen B ö r n e r : „Die Geschlechtsöffnung liegt eigentlich
hinter dem 9. Sternit, doch beweist T itu la ochracea z. B., daß dies eine sekundäre Erscheinung ist,
verursacht durch die Tatsache, daß das 9. Sternit zu der Geschlechtsöffnung in nähere Beziehung tr itt.“
Bei den 3 von mir untersuchten Tipula-Arten ist das 8 . und 9. Sternit stark gespalten, und
zwar das viel kleinere 9. noch bedeutend stärker und vollständiger als das 8 . Das 9. Sternit liegt
in dem rinnenartig ausgehöhlten 8 . eingesenkt und'umfaßt das Ende des Genitalganges. Bei einer
Tipüla-Ait, deren 9. Sternit ebenfalls in zwei Hälften zerfällt, welche nach außen mit beborsteten
Lappen vorragen, sind diese Hälften hinten im Bogen schmal verwachsen. Mit einer rippenartigen
Falte, in welche jede Hälfte nach hinten ausgezogen ist, stützt sie die Basis eines unpaaren, stachelartigen
Fortsatzes, in welchen der Bogen nach hinten weit ausgezogen ist. Zwischen den Hälften
befindet sich ein breites, ausgebauchtes, häutiges Feld und in ihm ein medianer Längsstab, welcher
dem dorsalen Chitinstab der Vaginalwand in B ö r n e r s Fig. 2 entspricht. Der Stachelfortsatz ist
dem breiten hinteren Lappen homolog, welchen er in Fig. 3 als den hinteren Teil von sto darstellt
(Tipula ochracea). Der primäre Zustand, wie ich ihn bei meinen Arten beobachtete, betrifft ein
9 . Sternit, welches hinten tief in zwei Hälften zerspalten ist; sekundär tritt dann hinten eine mediane
Verwachsung ein, zunächst in einen schmalen Stachelfortsatz und schließlich in eine breitere Platte.
Die Genitalöffnung liegt im Bereich des 9. Sternites, d. h. zwischen den Hälften desselben. Das
10. Sternit ist häutiger Natur, lang beborstet und mehr oder weniger zweiteilig. Das große 10. Tergit
wird durch eine kräftige innere Medianleiste versteift, an welcher sich Muskeln ausbreiten, welche
die „Cerci“ angreifen. Letztere sind innen unten der Länge nach von einer sehr fein bepelzten Rinne
ausgehöhlt. Ob die Tipuliden-„Cerci“ wirklich solche sind, ist noch nicht vollkommen entschieden,
es kann sich auch um die Hälften eines zerspaltenen 11. Tergites handeln. Das 8 . Sternit bleibt in
seinem vordersten Drittel vollkommen einheitlich. Seine nach B ö r n e r „unvollständig abgegliederten
Anhänge“ sind nach meinen Beobachtungen lediglich starke hintere Fortsätze des 8 . Sternits, ohne
Abgliederung und nur schwach abgesetzt. Es liegt kein Grund vor, sie als „Styli“ zu betrachten.
Vergleichen wir dieses weibliche Tipulidenabdomen mit demjenigen der vorhin besprochenen
Cecidomyiden, so ergibt sich folgendes: Während bei den ersteren das 8 . Abdominalsegment mit
dem 7. und 9. im nahen Zusammenhang steht, hat es bei den letzteren eine bedeutende Umwandlung
durchgemacht, und zwar vor allem dadurch, daß die Intersegmentalhäute eine gewaltige Vergrößerung-
erfahren haben. Die Folge derselben war aber eine Vereinheitlichung des 8 . Segmentes zu einem
Zylinder, an welchem die Selbständigkeit von Tergit und Sternit mehr und mehr verloren gegangen ist.
Mit der Ausbildung und Verlängerung der eigentlichen Legeröhre wurde die Genitalöffnung
mehr und mehr vom 8 . Segment entfernt und nach hinten herausgeschoben.
Die Teile der Legeröhre der Gallmücken lassen sich z. B. bei Lasioptera carophila mit dem weiblichen
Abdomen der Tipuliden noch in Einklang bringen: die schon besprochenen Radien (ra, Fig. 20)
sind den Tipuliden fehlende Gebilde sekundärer Natur, entstanden mit der Ausprägung einer eigentlichen
Legeröhre. Sie durchsetzten bei Lasioptera die Legeröhre so weit, als sie rein häutiger Natur
ist, d. h. ihre Grundhälfte ist ebenfalls durch bedeutende Verlängerung der Intersegmentalhaut entstanden.
Hinten folgt aber auf die Radien ein Sklerit, welches nur als 9. Tergit auf gef aßt werden
kann. Es bildet nämlich einen dorsalen Halbzylinder und besitzt die charakteristische Sklerit-
struktur, auch igelartigen Borstenbesatz. Das 9. Sternit ist dagegen spurlos verschwunden. Hinter
dem 9. Tergit von Lasioptera folgt nun hoch ein durch seine mehr häutige Struktur, sowie auch deutliehe
Abgrenzung unterschiedener, schon im vorigen erwähnter Endzipfel (e, Fig. 17 u. 19), der sich
jedoch bei Lasioptera viel selbständiger erweist als bei Helicomyia und Rhabdophaga. Er liegt vollständig
hinter der Genitalöffnung und nimmt durch eine Hinterrandverdickung des 9. Tergits, welche
ein Widerlager bildet, den Charakter einer tastenden und unbiegbaren Endklappe an.
K i e f f e r und R ü b s a a m e n unterscheiden am Ende der Legeröhre eine obere und untere
„Lamelle“ . In der Berl. Ent. Z. 1891, p. 250 u. 251 ließ K i e f f e r in Erläuterung seiner Fig. 15 u. 16
Taf. IX die Eier zwischen der oberen und unteren Lamelle austreten, was Rü b s a ame n 1912 in der
Z. wiss. Ins.-Biol. p. 216 dahin berichtigt hat, daß in Wahrheit die Eier „unterhalb der kleinen unteren
Lamelle“ austreten. Die obere Lamelle entspricht dem von mir Endzipfel und Endklappe genannten
Gebilde und kann im Vergleich mit den Tipuliden als 10. Abdominaltergit betrachtet werden. Es
liegt nahe, die untere Lamelle als den Rest eines 10. Sternits zu betrachten. Indessen ist sie wenigstens
bei den von mir untersuchten Formen so überaus klein und zart, daß diese Auffassung nur vergleichsweise
und im Sinne eines Rudimentes möglich ist. Schließlich ist auch der Gedanke nicht abzuweisen,
daß die kleinen dreigliedrigen Anhänge am Hinterrande der Legeröhre von Iridomyza haltenbachi
Rübs. (a. a. 0. 1899) wirkliche Cerci vorstellen.
Die Genitalöffnung der weiblichen Cecidomyinen liegt meist unmittelbar unterhalb der Analöffnung,
die unterseits stets durch einen sehr kurzen, schmalen, lamellenartigen Fortsatz, die sogen,
von V e r h o e f f oben erwähnte untere Lamelle, geschlossen wird.
Bei vielen Arten mit einfacher oberer Lamelle (Oligotrophidi, Lasiopteridi) liegt die Analöffnung
dem Anscheine nach sogar auf der unteren Seite der oberen Lamelle, weshalb K i e f f e r
diese Lamelle als „Säckchen“ bezeichnet, während er früher die Analöffnung für die Genitalöffnung
hielt. Die Feststellung der Lage der letzteren ist meist sehr schwierig; im Todeskampfe stülpt sich
aber die Vagina zuweilen mehr oder weniger stark vor und die Lage der Genital- ^
Öffnung läßt sich dann unschwer erkennen (Fig. 21).
Bei anderen Gattungen ist die Hinterleibspitze wesentlich anders gebaut und Fig 21 HinterIeibs_
bedarf besonderer Untersuchung. Bei Monarthropalpus buxi fehlen die oberen ende des ? von
Lamellen, sta tt ihrer findet sich am letzten Segment ein harter, sichelförmig SemudoUa^betuiae
nach oben gebogener Legebohrer. Bei den Arten der Asphondylini kann die
sogen. Legeröhre ebenfalls fernrohrartig eingezogen und vorgestreckt werden, doch scheint es sich
hier um eine den Legeröhren der Lasiopteridi und Oligotrophidi morphologisch nicht gleichwertige
Bildung zu handeln. Bei letzteren befinden sich die oberen Lamellen, auch bei den Arten mit
nadelförmigem Endgliede, stets am Ende der Legeröhre, bei den Asphondylini an der Basis derselben,
oder sie fehlen ganz.
Bei den Oligotrophidi und Lasiopteridi besteht hinsichtlich der Bildung der letzten Abdominalsegmente
größere Übereinstimmung als bei den Cecidomyidi, welch letztere nach dem Bau der Legeröhre
in zwei große Gruppen zerfallen, nämlich Arten mit vorstreckbarer und nicht vorstreckbarer
Legeröhre, zwischen denen allerdings Übergänge bestehen.
Aber auch bei den beiden zuerst erwähnten Gruppen finden sich bei den Arten mit vorstreckbarer
Legeröhre abweichende Bildungen. Bei Lathyromyza liegt z. B. die Analöffnung deutlich vor
der Genitalöffnung und bei Gephyraul/us befindet sich am Ende der Legeröhre unmittelbar vor der
sogen, obefen Lamelle eine stärker chitinisierte Platte, die offenbar als das Tergit des letzten Segments