
Technik.
Die Versuche über die Ökologie von Pediculoides ventrieosus (Newp.) Berl. wurden zumeist
angesetzt in flachen Glasschalen (Grundfläche etwa 65 cm2) mit eingeschliffenem Deckel. In diese
Schalen wurde die Wirtslarve gebracht und die Milbe. Sobald die junge Milbe sich auf der Raupe
festgesetzt hatte, wurde um die nun unbewegliche Larve im Abstand von etwa 3—4 cm ein Ring
aus Raupenleim gelegt, damit die später von der trächtigen Kugel geborenen abwandernden Jungmilben
nicht entrinnen konnten. Meist vermieden sie den gefährlichen Leimring, manchmal aber
fingen sie sich in ihm. Auf diese Weise konnte jedesmal die Jungenzahl einer trächtigen Kugel mit
Sicherheit bestimmt werden. Andererseits wurde so auch ein Entrinnen der Milben völlig ausgeschlossen,
das ändern Insektenzuchten und -versuchen hätte verhängnisvoll werden können.
Als Hauptinstrument diente mir eine lange Schweinsborste, deren zersplissene Spitze vorher
mit der Schere abgeschnitten wurde. Mit diesem Instrument gelang es mir sehr leicht, die jungen
Milben, $ sowohl wie $, abzufangen, aus einemVersuch in den ändern zu übertragen usw. Auch hatte
die Schweinsborste den großen Vorteil, daß man mit ihr nie die empfindliche, sehr dünnhäutige Kugel
des trächtigen Weibchens verletzte, wie dies leicht geschieht, wenn man feine Insektennadeln, z. B.
Minutienstifte, benutzt. Durch diese hatte ich in der ersten Zeit manchen ärgerlichen Mißerfolg bei
wichtigen Versuchen. Neben der Schweinsborste, die ich für ähnliche Versuche nur dringend
empfehlen kann, kam kaum ein anderes Instrument außer einer feinen Pinzette in Gebrauch, mit der
man bei einiger Übung selbst die so empfindlichen Kugelstadien der Milbe anfassen und handhaben
kann.
Manche Versuche, besonders die über Parthenogenese, wo es sich um die Infektion eines bestimmten
Tieres handelte, ebenso die Versuche, die ergeben sollten, ob die abgewanderten $ befruchtet
oder unbefruchtet seien, wurden in kleinen Pyramidonröhrchen von etwa 2,6 cm3 Inhalt, die mit
Korkstöpseln dicht verschlossen werden konnten, angesetzt. Die Milbe, die zur Infektion gelangen
sollte, wurde jedesmal mit der Borste in das Glasröhrchen, in dem sich die Raupe befand, getan
und die Borste miteingeschlossen. Die Milbe konnte dann von selbst von der Borste abwandern
und ging so am wenigsten leicht verloren.
Meine Beobachtungen wurden fast ausschließlich mit der Zeiss’schen Binokularlupe mit Beleuchtungsapparat
ausgeführt, die mir für meine Untersuchungen fast unentbehrliche Dienste geleistet
hat. Nur die Messungen stellte ich unter dem Mikroskop an. Die Versuche bei konstanter
Temperatur wurden in einem Thermostaten, Firma Lautenschläger, mit elektrischer Heizung und
mit vorzüglicher Temperatur-Regulationsvorrichtung bei der konstanten Temperatur von 25 C.
gehalten. Alle Temperaturangaben sind in Celsiusgraden angegeben.
Bestimmung meines Versuchsmaterials.
Mein Versuchsmaterial stammt aus Tineola-Znchten, wo die Milben plötzlich als Parasiten
auftraten. Wie sie in diese Zuchten gelangten, steht nicht fest. Möglicherweise stammen sie aus
ägyptischem Baumwollsamen, der teilweise von den Raupen der Baumwollmotte Gelechia gossypiella
befallen war.
Zunächst bestimmte ich selbst die Milben nach den Beschreibungen in der Literatur als Pediculoides
ventrieosus (Newp.) Berl. Auch stimmten die Belegpräparate aus dem Hamburger Museum
(von C. A. 0 u d e m a n s), die mir Herr Dr. T i t s c h a c k , Hamburg, bereitwillig zur Verfügung
stellte, mit meinem Material überein.
Um völlige Gewißheit zu erlangen, übersandte ich Proben von meinem Material an Herrn
Dr. C. A. O u d e m a n s , Arnhem (Holland), der in liebenswürdigster Weise die Nachprüfung übernahm
und meine Bestimmung bestätigte. C. A. O u d e m a n s hat auch das Milbenmaterial von
W i l l c o c k s bestimmt (siehe W i l l c o c k s 1913), so daß die Gewißheit gegeben ist, daß Wi l l -
c o c k s und mir die gleiche Species vorlag.
Herrn Dr. C. A. O u d e m a n s und Herrn Dr. E. T i t s c h a c k möchte ich an dieser Stelle
für ihr freundliches Entgegenkommen meinen verbindlichsten Dank aussprechen.
Darstellung der Ökologie.
Nahrung.
und $ verhalten sich ernährungsökologisch sehr verschieden.
Die $ leben als Insektenparasiten auf den Larven von Hymenopteren, Coleopteren, auf den
Raupen und Puppen von Lepidopteren. Ich selbst überzeugte mich im Versuch, daß sie sich gut
auf Larven von Eccoptogaster, Anobiuni paniceum, Attagenus piceus L., Dermestes lardarius L.,
Ptinus-Arten, auf Raupen und Puppen von Tineola biselliella Hum., auf Tinea pellionella L.,
Trichophaga tapetiella L. und auf Raupen von Pteronidea ribesii Scop. (=Nematus ventrieosus Kl.)
entwickelten. Auch konnte ich große, grüne Raupen mit der Milbe leicht infizieren. Die Größe des
Wirtstieres spielte dabei nicht immer eine Rolle.
Nicht alle Insektenlarven werden von Pediculoides ventrieosus befallen, wenn auch ihre Zahl
sehr groß ist. Ped. ventr. ist ein polyphager, aber nicht omnivorer Insektenparasit, wie C h i t -
t e n d e n (1898) meint. Nicht befallen wurden in meinen Versuchen die Raupen von Ringelspinnern,
und selbst die zarthäutigen Raupen von Ephestia kühniella Zell, blieben in den allermeisten Fällen
völlig munter. Eine große, fette Bockkäferlarve, die 2% Monate in einer guten, volkreichen
Milbenkultur lag, wurde von den Milben nicht bewältigt, obwohl unzählige Milben auf ihr herumwimmelten
und an zahlreichen Stellen einzustechen versuchten, ohne sich festsaugen zu können.
An den Einstichstellen entstanden eigentümlich braunschwarze Flecke, die sich auf der elfenbeinfarbigen
Haut wie brandige Stellen und Punkte ausnahmen. Die dicke Chitinhaut konnte der kurze
Stechrüssel der Mübe wohl nicht durchdringen. Pinien-Prozessionsspinner dagegen starben in der
Milbenkultur ab, ohne daß die Milben sich festsaugen und entwickeln konnten. Das gleiche gilt für
die Raupen von Diloba caeruleocephala L .1).
An Imagines von Insekten gehen die Milben kaum heran. In einem Falle beobachtete ich zwei
vollgesogene Milben am Hinterleib von Tineola biselliella Hum. Auch an einer frisch geschlüpften
Forleule setzten sich zahlreiche junge Milben an dem weichen Hinterleib fest und entwickelten sich
zu Kugeln. Wanzen, und zwar sowohl solche, die lange gefastet hatten, wie auch frisch gefütterte
1 Herr 0. L a n d a u , Bonn, der eine „Apfelmade“ (wahrscheinlich Raupe des Apfelwicklers) in eine Milbenkultur brachte,
konnte beobachten, daß die Raupe, auf der zahlreiche Jungmilben umherliefen, nach 2 Stunden tot war, naphdem schon vorher eine
Lähmung des Hinterendes eingetreten war. Auf der Raupe zeigten sich schwarzbraune Flecke. Die jungen Milben entwickelten sich
aber nicht auf der Raupe zur Kugel.
Zoologica. Heft 74. 2