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180 X. Kapflora.
Vertheilung der einheimischen Gewächse und hindern sie, über
grössere Räume sich auszubreiten. Alles ist ärmlich, was ihnen zu
Gebote steht, aber die feinen Unterschiede in der Zusammensetzung
und Feuchtigkeit der Erdkrume sind von den grössten Wirkungen
auf die Vegetation begleitet. Da aber dieselben Gegensätze des felsigen
, sandigen und thonigen Erdreichs sich stets wiederholen, so
müssen doch noch andere Hindernisse vorhanden sein, um so viele
Gewächse auf einzelne Standorte einzuschränken.
Diese allgemeinen Hemmnisse ihrer Wanderung sind theils im
Relief, theils im Klima begründet. Durch die Konfiguration der
Küste wird südwärts vom Gariep ein in die Breite gezogenes Parallelogramm
gebildet, welches sich in der Weise abdacht, dass die
inneren Hochflächen von der Niederung am Meere und unter sich
durch felsige Gebirge oder jähe Abstürze stufenförmig von einander
abgesondert werden. Die oberen Terrassen oder die Karroofelder^
die nur durch vereinzelte Thaleinschnitte und schwierige Pässe (die
Kloofs) mit der Küste in Verbindung stehen, sind von einer einförmigen
Steppenvegetation bekleidet. Hier verlieren sich die meisten
charakteristischen Erzeugnisse der Kapflora, bei deren Anblick im
Winter und Frühling die südwestliche Küstenlandschaft das Paradies
der Blumen genannt worden ist. Das mittlere Niveau dieser unteren
Vorlandsstufe, welche bei der Kapstadt nur bis zu den Höhen
von Stellenbosch und Hottentottsholland reicht und überall von verhältnissmässig
geringer Ausdehnung ist, wird auf 500 Fuss geschätzt,
die mittlere Terrasse oder die eigentliche Karrooebene auf 2000 Fuss,
die höchste, das Roggefeld, auf 3500 Fuss. Auch abgesehen von
dem klimatischen Wechsel, den die Unterschiede des Niveaus hervorrufen,
bestehen in den die Terrassen einschliessenden Hebungslinien
durchgreifende, mechanische Hindernisse, welche der Erweiterung
des Wohngebiets der Kappflanzen entgegenwirken. Und da
die Steppen der Karroofelder an Flächeninhalt das schmale Litoral
der Küstenterrasse bei Weitem übertreffen, so ist der Raum, der den
Reichthümern der Kapflora übrig bleibt, von einem so kleinen Umfange,
dass man über die Ausbeute an endemischen und lokalen
Arten erstaunen muss, welche an einzelnen Standorten, namentlich
an den Bergen in der Nähe der Kapstadt, sich ergeben hat. Aus
den Verzeichnissen der Drege'schen Sammlungen i) kann man ersehen.
Relief des Kaplandes. — Temperatur. 181
wie ungleich die Pflanzen über die Ebenen und Gebirge vertheilt
sind. Am grössten ist die Mannigfaltigkeit auf den Bergen der
Westküste: sie vermehrt sich, wo der Boden geneigt ist, weil schon
ein leiser Wechsel in der Bewässerung und im Klima den Kampf der
Arten um den Boden entscheidet. Auf einem einzigen Berge, am
Dutoitskloof bei Paarl fand Drege während des Frühlings gegen
760 Gefässpflanzen in Blüthe, die so angeordnet waren, dass mit je
1000 Fuss Niveauunterschied der Bestand der Vegetation sich vollständig
geändert zeigte. Beinahe die Hälfte dieser Gewächse waren
-Sträucher: denn dies ist die Gegend, wo die eigenthümlichsten
Gruppen aus dieser Reihe von Vegetationsformen am reichsten vertreten
sind, die Ericeen, Proteaceen, Diosmeen, Bruniaceen, Thymelaeen,
Santaleen, Penaeaceen, sowie einige grosse Gattungen aus
andern Familien [Cliffortia, Aspalathus, Pelargonium),
Für einen so beispiellos mächtigen Einfluss des Niveaus ist doch
nur die Abnahme der Wärme als vorzugsweise massgebend zu betrachten,
für die Mischung der Arten auf gleichen Höhen das Erdreich
und seine Bewässerung. Die Gewächse sind so gleichartig in
ihren Widerstandskräften, dass keines das andere von seinem Standorte
zu verdrängen vermag und daher nur selten eine gesellige Vervielfältigung
der Individuen möglich ^wird. Aber dabei ist nicht einzusehen,
warum gerade hier die Vegetation in so viel höherem Masse,
als auf irgend einem andern Gebirge der Erde, durch das Niveau
geschieden wird: dies ist eben eine Eigenheit der hier geschaflfenen
Pflanzen, eine nicht näher zu ergründende Thatsache der Vergangenheit,
womit in der Gegenwart nichts erklärt wird.
Das Seeklima der Kapstadt ist mit einer solchen Wärme verbunden,
dass daselbst der edelste Wein erzeugt wird; die Jahrestemperatur
beträgt die des Sommers 16 des Winters 10 ^ R. S).
Die Temperaturkurve stimmt mit der von Lissabon nahe überein, die
Absonderung der Hochflächen vom wärmeren Küstenlande kann mit
-den Stufenlandschaften Spaniens verglichen werden, aber nirgends
fehlt es den Maquis der Mediterranflora an geselligen Sträuchern,
w^ie hier, nirgends ist bei gleichem Flächengehalt selbst in diesem
reichsten Gebiete Südeuropas der Umfang der Familien und Gattungen
der Mannigfaltigkeit der Kapflora auch nur angenähert. Die
Eriken Portugals, ein so entschiedenes Zeugniss von der klimatischen
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