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494 XXIII. Antarktisclies Waldgebiet.
linie fand er hier ausser der immergrünen Buche (F. Bomheyi) auch
die Coligue-Bambuse in einer verkümmerten Zwergform : daneben
wuchsen aber auch viele alpine Sträucher, in der Schönheit ihrer
Blumen mit den Alpenrosen zu vergleichen, zum Theil dieselben
Arten, wie in Fuegia (eine Proteacee, wahrscheinlich Emhoihrium
coccinmm] Drimys, Escallonien, Ericeen, Fuchsia, Berheris \má Empetrum).
Durch die Elevation der Baumgrenze wird also die alpine
Vegetation nicht ausgeschlossen. Durch diese Sträucher und durch
mancherlei Stauden an den feuchten Felswänden ist sie reichlich
vertreten, aber auf enge Höhengrenzen eingeschränkt, so dass die
Regionen nach dem Niveau sich nicht bestimmt scheiden lassen.
Wo der Schnee in der Soime schmilzt und der Winter den
Baimiwuchs zurückdrängt , entfernen sich die Gebirgswälder vom
Firn und lassen der alpinen Region einen weiten Raum übrig, die
Höhengrenzen heben und senken sich in gieichmässigem Verhältniss.
Im antarktischen Klima haben wir den äussersten Fall des Gegentheils
vor Augen, hier zeigt sich die höchste Elevation der Waldgrenze
mit der tiefsten Depression der Schneelinie verbunden: daraus,
dass beide Linien sich liier, beinahe in demselben Niveau
berühren, geht hervor, dass diese Erscheinungen auch auf entgegengesetzten
Bedingungen beruhen, oder vielmehr unabhängig von
einander bestehen können. Der Baum wuchs ist abhängig von der
Dauer der Vegetationsperiode, die in einem so gleichmässigen Klima
Avenigstens bei den immergrünen Bäumen unbeschränkt ist, so dass
sie zu einem Niveau ansteigen, wo diejenige Mittelwärme herrscht,
die sie eben noch zu ertragen fähig sind. Die Schneegrenze ist eine
Linie, bis zu welcher der Schnee im Sommer aufthaut: hier, wo der
Gegensatz der Jahrszeiten gering ist und der bewölkte Himmel die
Sonnenwirkung mindert, wird dieses Abschmelzen verlangsamt und
tritt in um so geringerem Masse ein, als die neuen Schneefälle niemals
aufhören. Unter solchen Bedingungen kann die Temperatur
an der Schneelinie beträchtlich oberhalb des Gefrierpunkts liegen,
aber freilich erhalten sich Bäume in ihrer Nachbarschaft nur an hinreichend
geneigten Abhängen, wo das geschmolzene Schneewasser,
dessen Kälte sie nicht ertragen, schnell in die Tiefe abfliesst.
Oertliche Einflüsse des Standorts können, ohne dass die klimamatischen
Bedingungen geändert sind, hier auch sonst, indem sie
Absonderung der Vegetationscentren. 495
den Baumwuchs zurückdrängen, der alpinen Region einen weiteren
Raum und damit zugleich eine grössere Mannigfaltigkeit von Erzeugnissen
verschaffen. Wie dies bereits von der Cordillera pelada erwähnt
wurde, jener fast baumlosen Hochebene au der Küste von
Valdivia, die unter dem Niveau von 3U00 Fuss zurückbleibt, so beschreibt
auch Philippi 'f) am Vulkan von Chillan "über den Wäldern
einen Gürtel von alpinen Sträuchern, dessen Grenzen ihm mehr
«durch den Standort und durch heftige Winde, als durch die Temperatur
« bestimmt erschienen. Dass überhaupt die Bäume an der Waldgrenze
sich so leicht in Krummholz verwandeln, dient dieser Auffassung
zur Stütze. Hierdurch erklärt sich auch, dass in Fuegia der
Baumwuchs, weil er des Schutzes gegen den Wind bedarf, in einer
so geringen Höhe aufhört, dass eine Region von wenigstens 2000 Fuss
Umfang daselbst von alpinen Gewächsen eingenommen wird. Sie
bilden hier die Vegetation des ebenen Bodens überhaupt. Es ist dieselbe
Formation, welche die flachen Torflager bekleidet, die oberhalb
der steilen Küstengehänge sich weithin ausbreiten. Je mehr in
den chilenischen Anden der Wald von der Schneelinie zurücktritt,
desto grösser wird die üebereinstimmung mit dieser alpinen Flora
von Fuegia, aber hier ist Dürftigkeit und auf der Kordillere ist Fülle.
Gerade wie die Alpen die Höhen Lapplands an Pflanzenschmuck
übertreffen, so ist auch die alpine Region von Süd - Chile, obgleich
ihr so wenig Raum vergönnt ist, reich an Arten und schön . Mit
dem Krummholz und den alpinen Sträuchern verbindet sich ein Gemisch
von Stauden, welches ebenso sehr von den tropischen Kordilleren,
wie von den antarktischen Gegenden seine Bestandtheile
entlehnt und ausserdem seine besonderen Arten erzeugt hat.
Vegetationscentren. Das antarktische Gebiet ist durch dag
Meer, durch die Kordillere und durch das von den Nachbarländern
durchaus abweichende Klima so abgeschlossen und zum Austausch
mit anderen Floren so ungeeignet, als wäre es eine oceanische Insel.
Klimatisch und seiner Lage nach steht es Neuseeland am nächsten,
aber die Waldformationen haben keine Aehnlichkeit, und die Anzahl
der gemeinsamen Pflanzen ist unbeträchtlich 20) ^ wenn man von denen
absieht, die ein grösseres Wohngebiet bis Australien und weiterhin
umfassen. So merkwürdig es auch sein mag, dass sogar einzelne
Holzgewäclise sich hier über das stille Meer verbreitet haben, so ist