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390 XVIII. PIylaea, Gebiet des äquatorialen Brasiliens.
der Nordost- und Südostsküste Brasiliens entlang fliessen und die
Wanderungen der Litoralgewäclise, sowie der aus den Plüssen in
das Meer getragenen Keime erleichtern, findet dieses Verhältniss
seine Erläuterung, und hiermit lassen sich auch Sprnce's Beobachtungen
am Amazonas selbst vergleichen. Manche Holzgewächse
folgen, den Verbindungen durch das fliessende Wasser entsprechend,
dem Strome von den Grenzen Perus bis zur Küste von Para und
Guiana 22). Auch ist die Flora des Amazonas mit der am Orinoko
übereinstimmender, als mit der südbrasilianischen, und dennoch gestaltet
sich durch den Wechsel der Arten im oberen Gebiete des
Stromlaufs die Masse der endemischen Gewächse zu einem erstaunlichen
Reichthum. Im Abstände eines einzigen Breiten- oder Längengrads
ändert sich nach Spruce die Flora um die Hälfte der einheimischen
Arten. Der Austausch ist am Igapo am meisten erleichtert,
dieselben Bäume bewohnen beide Stromufer. Im Ete-Walde
dagegen haben sich die ursprünglichen Centren oft in ihrer engen
Käiimlichkeit erhalten nnd in noch höherem Masse innerhalb der. von
ihm umschlossenen Capóes, wo jener botanische Reisende in den einzelnen
Beständen jedesmal einige Arten antraf, die ihm später niemals
wieder zu Gesicht kamen. Das Wasser erweitert die Wohngebiete
der Pflanzen, der Wald, wo alle Schätze des Bodens an
lebenskräftige Organisationen bereits vergeben sind, schränkt sie ein.
Auch die Wasserpflanzen- selbst sind selten dem Amazonas
eigenthümlich. Während das Thierleben im Strome sich viel reicher
als in den nnzugänglichen, stillen Wäldern entfaltet und eine beispiellose
Anhäufung verschiedener und auf enge Bezirke eingeschränkter
Fische diese Gewässer bewohnt steht deren Vegetation
dazu in einem seltsamen Missverhältniss. Ihr glänzendstes
Erzeugniss, die Victoria ans der Reihe der Lotusblumen, ist ihnen
mit anderen, weit entlegenen Flüssen Südamerikas gemeinsam. Nur
dies scheint bemerkenswerth, dass diese grössten Formen schwimmender
Blätter mit den kleinsten nnd einfachsten Bildungen blühender
Wasserpflanzen hier räumlich vereinigt sind. Spruce der
ihnen eine besondere Aufmerksamkeit widmete, fand, dass der gewaltige
Strom selbst weniger Vegetation erzeugt, als die kleinen
Landseen, die mit ihm in Verbindung stehen. Wenn die Gewässer
sinken, sprosst an ihren Ufern zuweilen ein ephemerer Anflug von
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Absonderung der Vegetationscentren. 391
winzigen Phanerogamen (von Cyperaceen und Utricularien), unter
denen die kleinste, aber doch mit einer weissen Blüthe gezierte
Art [U, uniflora) an Grösse und Gestalt einer Nähnadel gleicht.
Der blattlose, einem knopfförmig anschwellenden Wurzelkegel
eingefügte Stengel mit seiner einzigen Blume bietet in seiner
.Kleinheit den äussersten Gegensatz gegen die Riesenorgane der
Victoria.
Unter den endemischen Erzeugnissen der Wälder wurden räumliche
Analogieen nachgewiesen , welche die Vorstellungen von
einem genetischen Zusammenhange der verwandten Arten zu unterstützen
scheinen. Wie in anderen Floren die einander nahestehenden
Pflanzen des Gebirgs und der Ebene dem Wechsel des Klimas in
senkrechter Richtung entsprechen, so beruht hier das systematische
Verhältniss des Igapo zum Ete auf dem Unterschiede der Bewässerung.
Spruce hatte den Eindruck, dass in jeder dieser Waldformationen
die einzelnen Pflanzenfamilien ungefähr durch die gleiche Anzahl
von Individuen und von endemischen Arten vertreten seien.
Nach den physischen Bedingungen ihres Vorkommens geschieden,
zeigen diese Arten doch einen gemeinsamen Typus in der Bildung
ihrer Organe Den Ansichten Darwin's über die Variation der
Gattungen folgend, meint Spruce, dass die Verschiedenheit solcher
vikariirender Arten ein Massstab der Zeitdauer sei, seitdem sie aus
einer einzigen, ursprünglichen Form hervorgegangen wären. Allein
so lange das Relief Südamerikas in seiner heutigen Gestaltung besteht,
waren auch die Gegensätze der durch die Bewässerung und
das Klima gesonderten Waldformationen gegeben, es mussten von
Anfang an die Kräfte in Wirksamkeit treten, durch welche die verwandten
Arten diesen verschiedenen, physischen Bedingungen angepasst
worden sind.
So gleichmässig und einförmig auch in einem so eigenartig gestellten
Abschnitte des Kontinents, wo kein Wechsel des Reliefs die
Klimate zu gliedern vermag, die Bedingungen des Pflanzenlebens sich
darstellen, so hat die Natur doch auch hier die Vegetationscentren,
wie auf den Inseln eines grossen Archipels, schöpferisch gesondert ausgestreut.
Aber da im äusseren Umfange der Flora die klimatischen
Bedingungen durch allmälige Abstufungen geändert werden, so ist
es auch bis zu einem gewissen Grade willkürlich, wie man die
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