
200 XI. Australien. Eukalyptus- und Protcacoourormon. 207
-I •
K , ''
•'!, U .
eine (Icutliclic Vorstolluug, wie wenig Zeit liier die Vegetation luit^
von den reiclilielien Niedersclililgen Gewinn zu ziehen, welche so
bald wieder verdunsten und in die Atmosphäre zurückkeliren. Treten
nun gar die lieisseu Winde aus dem Innern ein^ die alljälirlich
wiederkehren (in Melbourne durclischnittlieli 14 Tage lang), so verschwindet
der letzte lleberrest der Feuchtigkeit aus dem Boden ;
denn an solclien Tagen sinkt der Dainpfgehalt der Luft auf bis
40, während einiger Stunden sogar auf 18 bis 15 P r o c e n t S o
erscheinen aucli die Küsten Australiens nur als der sclnnale liand
eines regenlosen Passatklimas, wo zwar durch die stete Wechselwirkung
zwischen feuchter Seeluft und trockener Wiistcnatmosphäre
ergiebige Niederschläge stattfinden, aber wegen der Stärke der Ver--
dunstung die Circulation des Wassers durch die Pflanzen gehindert
ist. Nur die Ostküste, soweit die Seewhide an Bergterrassen liinaufwehen,
steht unter günstigeren klimatisclien Verhältnissen, und
hier finden sich dalier auch die feuchtesten und am reichsten bewaldeten
Kegionen des Kontinents^). Uebrigens lehren alle Darstellungen
des australischen Naturcharaktors, dass die dortigen Uegenzeiten
auch viel unregelmässiger und unsicherer innerhalb ihrer
Periode als anderswo verlaufen, und d;iss in der GesammtAvirkung
der Niederschläge gewaltige Gewitterschauer einbegriffen sind, die
durch Stunden des Ueberflusses Monate der Dürre niemals ersetzen
können. Dies gilt ebenso wohl von dem tropischen Norden, dessen
Kegenzeit mit der auf den indischen Monsunküsten an Bedeutung
sich gar nicht vergleichen lässt, wie von allen Kolonieen jenseits des
Wendekreises, wo auch in der feucliten Jahrszeit, im Winter, die
dem Sirocco gleich aus dem Inneren wehenden Wüstenwinde den
Boden ausdörren, wo am Murrayilusse (34'*—36** S. B.) die Regenzeit
zuweilen ganz ausbleibt und ganze Jahre oluie Niederschläge
iiingehen können. Man macht sich dalier vielleicht eine richtigere
Vorstellung von dem australischen Klima, wenn man annimmt,
dasselbe stehe überall unter dem Einflüsse eines trockenen Passatwhides,
gleichwie in den Wendekreiszonen Afrikas, die Störungen
der regelmässigen Luftströmung seien zwar liäufiger als dort und an
die Solstitialbewegung gebunden, aber ihr verschiedenartiger Ursprung
und ihr unregelmässiger Verlauf wenig geeignet, den l>od<^n
dauernd durch Niederschlage feucht zu erhalten und die Quellen mit
gleichmässigen Zuflüssen zu speisen. Denn wie die Gewitter oft
eine eingeschränkte örtliche Verbreitung zeigen, so fallen auch die
übrigen Niederschläge Australiens nicht mit jener Stetigkeit und in
jener gesetzmässigen Wiederkehr, welche aus den allgemeinen Bewegungen
der Atmosphäre in andern Erdtheilen hervorgeht.
Vegetationsformell. Wie sehr d^ie Vegetation dem Klima
Australiens angepasst ist, lässt sich sogleich an der Lauborganisation
der beiden herrschenden Pflanzenformen erkennen. Die beiden
Formen der Eukalypten [gum-Mee) und der Proteaceen bekl(;ideu
den i^rössten Theil der bekannten Oberfläche des Kontinents, indem
die erstere unter den Bäumen des Kontinents hervorragt, die letztere
besonders für die Gesträuchdickichte oder den Scrub als Typus von
dessen übrigens so mannigfaltigen Bildungen bezeichnend ist. Holzgewächsc
höheren oder niedrigeren Wuclises bedecken aber die
Küstenlandschaften bis tief in das Innere : wo sie aufhören, beginnt
bald die wüste Einöde des regenlosen Klimas. In beiden Fällen
nun, sowohl in den lichten Waldungen, wie in dem dicht verwachsenen
Scrub, ist das Laub von einer Starrheit und Saftlosigkeit,
dass, wäre es nicht meist zu einer flachen Gestalt erweitert, die Nadeln
der Tanne damit verglichen werden könnten. Aber aucli nicht
das lebhafte oder dunkle Grün der Nadelhölzer ist hier zu bemerken,
sondern ein blasser, in's Graue oder Bläuliche stechender, glanzloser
Farbenton ist so vielen Gewächsen gemeinsam, dass ein Jeder in den
Treibhäusern australischer Ilolzgewächse diesen Eindruck stockenden
Saftumtriebs empfangen wird. Denn wir sind gewohnt, mit dem
freudigen Frilhlingsgrün unserer Wiesen und Wälder die Vorstellung
von reger Lebensenergie zu verbinden, und haben ein Recht dazu,
weil mit der Steigerung des chemischen Processes in den Blättern
auch die Anzahl der durchscheinenden grünen Saftkügelchen sich
mehrt. Aber nicht bloss ärmer an Lanbgrün zeigen sich die australisclien
Eukalypten und Proteaceen, sondern dasselbe ruht auch
verborgener im Innern des Laubes, weil eine dichte, starre, farblose
Oberhaut dieses von beiden Seiten umhüllt und den Farbstoff aus
den tiefer liegenden Zellensäften wenig hervorschimmern lässt. Diese
schützende Epidermis, welche den Blättern ihre starre Festigkeit
giebt, dient dazu, die Verdunstung des Safts zu beschränken, wie
bei den Sncculenten, ohne aber hier mit deren sti-otzeudcr SaHfülle
ir''
j-i