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238 XIL Waldgebiet des westlichen Kontinents.
reiclithiims. Europa hat vermöge seiner tief einschneidenden Binnenmeere
den Vorzug eines weniger geänderten Seeklimas, welches im
Bereich des nordamerikanischen Waldgebiets in Britisch-Kolumbien,
an dem Litoral von Alaska und unter dem Einfluss der kanadischen
Seen in den nördlichen atlantischen Staaten auf ähnliche Weise, aber
auf einem viel engeren Räume ausgebildet ist. Auf der anderen
Seite übertreffen die südlichen Staaten das Mittelmeergebietj dessen
Temperaturkurven sie wiederholen, weil ihre Vegetation im Sommer
nicht durch Dürre unterbrochen wird, und sie sind in dieser Bezieliung
mit dem chinesischen Tief lande zu vergleichen. Im Ganzen
ist indessen doch durch die weite Ausdehnung der Prairieen nach
Westen iind durch die tiefe Senkung der Baumgrenz^an der Hndsonsbai
der entwickelungsfähige Theil des westlichen Kontinents
innerhalb der gemässigten Zone weit weniger geräumig, als der der
östlichen Hemisphäre.
Nach den Vegetationslinien der herrschenden Waldbäume die
engeren Klimate Nordamerikas zu begrenzen, reichen die Beobachtungen
noch nicht ans. Auch hier können wir die nördliche Zone
der Nadelhölzer in den liudsonsbailändern von den atlantischen
Staaten und Kanada unterscheiden, wo die Laubwälder mit den
Coniferen abwechseln. Aber dies ist nicht genügend; alle Abstufungen
des Klimas zu bezeichnen, die für den Charakter der Flora
massgebend sind. Wir wollen daher vorzugsweise die wechselnden
Sommer- und Wintertemperaturen benutzen, um in einer vergleichenden
Uebersicht die engeren Gebiete der Flora denen der östlichen
Hemisphäre gegenüber zu stellen. Auf diese Weise aufgefasst,
lässt sich eine Reihe verschiedener Waldzonen unterscheiden, die
jedoch denen der alten Welt nicht vollständig entsprechen.
Ueber die Wälder des höheren Nordens in Amerika hat
Richardson^) die ausführlichsten Nachrichten gegeben, aus denen
hervorgeht, dass sie sich der Fichtenzone in der alten Welt ähnlich
verhalten. Wie in Sibirien reicht der gefrorene Boden der arktischen
Flora weit in diese Nadelwälder herab. An der Hudsonsbai wurde
das unterirdische Eis noch unter dem 56. Breitengrade beobachtet,
zu Fort York (57 o N. B.) in einer Stärke vo:^ mehr als 17 Fuss.
Die Bäume schützen sich dadurch gegen die Kälte desselben, dass
ihre Wurzeln wenig in die Tiefe gehen und, wenn sie das Eis
Zone der weissen Tanne. 239
erreichen, gerade als ob sie auf festes Gestein träfen, seitwärts fortwachsen.
Diese Waldzone ist das Gebiet der weissen Tanne [Pinns
a l h a ) j die in Amerika die Fichte der östlichen Hemisphäre vertritt
und von allen dortigen Nadelhölzern am weitesten nach Norden geht,
weiter als die amerikanische Lärche (P. m i c r o c a r p a ) , die amMackenzie
unter dem Polarkreise zurückbleibt. Im ganzen Norden des Waldgebiets
ist die weisse Tanne oft im ausschliesslichen Besitze des Bodens,
ihre Wälder erstrecken sich in der Mitte des Kontinents ununterbrochen
über vierzehn Breitengrade (68^—54^ N. B.). In
dieser düsteren Einförmigkeit bieten mir die üferwaldungen der
Flüsse einen Wechsel, die neben der Balsamtanne [ P . halsamea)
auch Laubhölzer, Weiden, Erlen und Pappeln erzeugen [Poptdus
h a l s a m i f e r a u. tremuloides). Eine Birke [Behila pa p y r a c e a ) reicht
zwar auch hier ebenso weit nach Norden, wie die weisse Tanne, ist
jedoch nur ein untergeordneter Bestandtheil der Nadelwälder. Im
Westen der kanadischen Seen bildet der Saskatchawan (54 o N, B.)
die Südgrenze der Tannenzone, von hier aus fangen die Laubwälder
an mit den Coniferen abzuwechseln. In westöstlicher Richtung ist
das Gebiet der weissen Tanne über die ganze Breite des Kontinents
bis zu den Küsten nachgewiesen, von der Behringstrasse'^) bis Labrador
S), Hieraus ergiebt sich, dass, ebenso wie am Meerbusen
von Ochotsk, das gemischte Klima der Ostküste denselben Charakter
der Flora bedingt, wie das des hohen Nordens in der Nähe der
Baumgrenze. In beiden Fällen wird durch die geringe Sommerwärme
und die Strenge des Winters die Vegetationszeit auf die kürzeste Zeitdauer
eingeschränkt, welche das Baumleben ertragen kann. Aber
die Winterkälte ist in der Tannenzone grösseren Schwankungen ^^
unterworfen (— 25 ^ bis — 14^]^ als die Sommertemperatur (7^ bis
12^). Wo die Sommerwärme unter 7^ sinkt, gedeiht die weisse
Tanne nicht mehr, die Polargrenze der Wälder ist nun erreicht. An
der Süd Westküste von Alaska (61^ N. B,) werden die nordischen
Tannenwälder durch einen baumlosen Landstreifen unterbrochen
und gerade hier ergeben, wahrscheinlich weil das Festland daselbst
von einer Polarströmung des Meerwassers berührt wird, die meteorologischen
Beobachtungen eine unter jenen Grenzwerth herabsinkende
Sommertemperatur In einem grossen Theile Sibiriens ist das
Klima kontinentaler, die Sommerwärme höher, als in Nordamerika,
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