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XX. Flora der tropischen Anden Südamerikas.
gleichen, bewahren diese Saftgewächse ihr Grün und ihre Lebenskraft.
In der Befähigung, dem [Jebergang in die trockenen Jahreszeiten
einen dauernden oder vorübergehenden Widerstand zu leisten,
kommen ihnen am nächsten die Liliaceen, deren unterirdische Organe
sich frisch erhalten {Pancraimm, Ahtroemeria) und unter den
Stauden die Gnaphalienform, deren Behaarung gegen die Sonnenstrahlen
Schutz gewährt. Die letztere ist in der alpinen Region durcli
mehrere endemische Synanthereen vertreten, deren Oberhaut in ungewöhnlich
lange und dichte Wolle sich verhüllt, (z. B. Culcitium,
Werneria, und diesseits des Aequators das von Humboldt erwähnte
und nach dem weissen Gewände der Mönche benannte Frailexon
oder Espeletia).
Unter den Stauden der untern Regionen bemerkt man noch
häufiger, als bei den Holzgewächsen, eine in grossen Gattungen ausgesprochene
Verwandtschaft mit der chilenischen Flora (z. B. Oxalis,
Solanum, Calceolaria). Dagegen scheinen die alpinen Gewächse der
Puna-Region einem andern Bildungsgesetze zu folgen. Hier finden
wir den rasenförmigen Wuchs und die beschränkte Grösse der Vegetationsorgane
wieder, als hätten wir in der gemässigten Zone die
Baumgrenze überschritten oder wären in arktische Breiten eingetreten
: hier überwiegen die klimatischen Analogieen über die der geographischen
Nachbarschaft. Wenig kann die gleichmässigere Temperatur
der Jahrszeiten austragen, wo beständig Wärme und Kälte
mit einander abwechseln, wo das organische Leben durch Stürme,
durch Schlössen und Schnee stets gefährdet, wo es aber auch durch
dichte Nebel oder durch Sonnenglanz leicht angeregt wird. Unter
diesen Bedingungen sind hier die Gattungen ferner Zonen ^ß) artenreicher
als irgendwo sonst in den Anden und werden von andern begleitet,
die, geographisch bestimmter charakterisirt^ doch ähnliche
Gesetze des Wachsthums befolgen. Wie auf den Hochebenen Tibets
mischen sich hier die Formen des feuchteren arktischen und des trockenen
Steppenklimas, oder ordnen sich nach den Standorten, indem
in beiden Fällen ihre Erhaltung unter den plötzlichen Unterbrechungen
der Entwickelung durch die Organisation gesichert wird. Die Reihe
arktischer und alpiner Gattungen der nördlichen gemässigten Zone
ist indessen grösser, als die der Steppenpflanzen (z. B. von jenen
Zwiebelgew. u. Ständen.— Steppengräser.-Trop.Vegetationsformen. 433
Gentiana, Ranunculus, Alchenvilla, von diesen Astragalus). Dieselben
klimatischen Beziehungen verbinden die Puna-Region auch mit den
Prairieen und Hochlanden Nordamerikas : durch einzelne Gattungen
(z. B. Lupiniis] und durch die grosse Anzahl der Synanthereen stellt
sie ihnen näher, als den Steppen Asiens. Durch mehrere der artenreichsten
Gattungen, deren Vegetationsorgane denen der arktischen
Flora ähnlich gebaut sind, wird dièse Stauden végétation sodann auch
geographisch mit den chilenischen Anden und den antarktischen Breiten
verknüpft (z. B. durch Azorella, Acaena, Adesmia, Ourisia).
Einige Fälle giebt es schliesslich auch, wo Familien des tropischen
Tieflands durch Arten von alpinem Wuchs bis zu den höchsten Regionen
der phanerogamischen Vegetation ansteigen (z.B. Malvaceen,
Melastomaceen, Lobeliaceen).
Der mit den Stauden verbundene Graswuchs der westliclien Anden,
wiewohl in den obern Abschnitten der alpinen Region vermehrt,
ist doch nicht zu jeder Zeit ausreichend, die von den Höhen zu den
Thälern wandernden Lamaheerden zu ernähren. Derselbe besteht
aus Steppengräsern (Stipaceen, Poaceen, Deyeuxien), in der Puna-
Region besonders aus dem stechenden Ichu-Grase [Sûipa Ichu), dessen
gelbliche oder schwärzliche Färbung von den ihr Wachsthum erstickenden
Schneebedeckungen herzurühren scheint, die oft wochenlang
sich erhalten. Bis zur Schneegrenze selbst reichen weder diese Rasenbildungen,
noch ist überhaupt phanerogamische Vegetation überall
anzutreffen: zuletzt sind für ihre Erhaltung die Entblössungen des
Bodens von zu kurzer Dauer und es finden sich auf den öden Gerollen
nur noch Steinlichenen. Die reichen Weideplätze der Alpen
und der kräftige Graswuchs der Polarzonen sind auf den Anden nicht
zu finden, wo mit zunehmender Feuchtigkeit die Holzgewächse sich
leichter, als die Gräser, vervielfältigen.
Auf die Vegetationsformen des feuchten Tropenklimas der östlichen
Anden im Einzelnen einzugehen, hiesse die Darstellung wiederholen,
welche den waldbedeckten Landschaften Venezuelas und Brasiliens
gewidmet war. Beim Hinabsteigen in die Tiefebene kann
man, wie früher bemerkt , nach Martins' Vorgange für den Umfang
der Andenflora nur eine willkührliche Grenze setzen und wählt
dazu am passendsten den untern Rand des Cinchonenwaldes, dessen
weite Verbreitung längs des ganzen Ostabhangs der östlichen Kor-
Grisebnch, Vegetation der Erde. ÏÏ. 28
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