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318 XV. Mexikiinisches Gebiet.
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Charakter nach dem äqnatorialeu Massstabe brasilianischer Urwälder
ansg-ebildet'«). üntei- dem dichten Laubdach gemischter Bestände
der Lorbeer- und Tamarindenforra, in dem «Gewirr von Palmen«
strotzt der Wald von holzigen und weichen Lianen, sowie von Kpiphyten,
von grossblättrigen Aroideeu, von Farnen, Bromeliaceen,
Piperaceeu und Orchideen. In diesem Tieflande, welches durch die
austretenden Flüsse «vom Jnli bis zum März mehr oder weniger iiberlluthet
wird«, dauert die Regenzeit beinahe neun Monate, also ebeiiso
lange, wie in der gemässigten Landschaft von Vera Cruz, und die
fallende Wassermasse ist hier noch grösser, liier trifft der vom
Golf wehende Passatwind die im Süden vorliegende Bergkette von
Chiapas, welche mit den Anden von Guatemala zusammenhängt,
dann aber, nach Yucatan übergehend und nun nach Nordosten gewendet,
sich im Tieflande dieser Halbinsel verliert.
So kommt es, dass Yucatan"), im schneidenden Gegensatze
gegen das unmittelbar angrenzende Tabasco, von Wäldern grossentheils
entblösst, eine flache, jedoch steinige, heisse ixnd trockene Savane
bildet, wo nur in der weit kürzern Regenzeit des lierbstes und
Winters (Oktober bis Februar) die Vegetation sich entwickelt und
wo sowohl der Mangel an Humus auf dem anstehenden Korallenkalk,
als die Seltenheit und geringe Bedeutung der Flüsse die ünfnichtbarkeit
des Bodens bedingen. Wegen der ungünstigen Neigungsverhältnisse
der Oberfläche verwandeln sich zuweilen zur Zeit der
Niederschläge grosse Savanen Monate lang in Landseen. Nur die
Küstenlandschaften besitzen jene ausgedehnten Campeche-Wälder,
denen Yucatan seine Bedeutung verdankt: allein das beste Blauholz
{flamiakmjlon) wird doch gegenwärtig aus Tabasco ausgefülirt.
Unweit Campeche finden sich reine Bestände, in denen weder andere
Baum formen noch Unterholz anzutreffen sind : auch an der Nordund
Ostküste Yucatans giebt es noch grosse und unberührte Blauholz
Wälder.
Yucatan und Tabasco bieten ein ausgezeichnetes Beispiel von
der ungleichen Einwirkung des ebenen oder geneigten Bodens und
der Richtung der Gebirgsketten auf den Passatwind. Dieselbe vom
mexiknnischen Meerbusen Avehende Luftströmung trifft beide Küsten,
aber sie bewahrt ihren Wasserdampf über der ebenen Fläche der
Halbinsel und entladet denselben ei'st, wo}in sie, den Hühenzüo'en
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Golfzone. 319
Yucatans entlang vorüberziehend, an den quer vorliegenden Abhängen
der Anden von Chiapas und Guatemala sich abkühlt oder
dem ebenfalls erkältenden Verdunstungsprocess der grossen Wäldei'
von Tabasco ausgesetzt ist. Unter diesen Bedingungen kann di(^
Regenzeit der Halbinsel, welche das Einströmen des Norte , als
eines ktlhlo-en Seewinds, in die Zone eines aufsteigenden Luftstroms
zu veranlassen scheint, nur in der kälteren Jahrszeit anhalten und
die Feuchtigkeit in dem porösen Boden nicht so lange bewahrt bleiben,
wie die Entwickelungsperiode tropischer Wälder fordert: diese
sind daher auf die feuchtere Küste und deren Flussniederiingen eingeschränkt.
In Tabasco hini>:c.2:en ist die Bewaldung;: die Fol^e einer
langen Regenperiode, die nicht bloss vom Stande der Sonne, sondern
auch während des Passats noch geraume Zeit von dem Einfluss der
Gebirge unterhalten wird.
Wo wir hier nun im Süden des Golfs dem mexikanisclien
Florengebiet eine natürliche Grenze setzen sollen, ist eine noch
nicht siclier und passend zu beantwortende Frage, weil weder dm
Savanen von Yucatan noch die Wälder von Tabasco und Honduras
genügend untersucht sind. Am wahrscheinlichsten ist es, dass hiev
die Uebergänge der mexikanischen zur westindischen und zur Flora
des Isthmus allmälig eintreten. An der Mosquito-Küste von Nicaragua
(15^—11 ^^ N. B.) ist das Klima dem von Tabasco ganz ähnlich^),.
die Wälder, welche das Mahagoni liefern {Siviete7via Mahagoni)
, sollen auch liier noch Nadelhölzer enthalten und werden
zwisclien den gedrängten Flusslinien von Savanen unterbrochen '^^).
Nach einer Sammlung von Greytown (11'^ N. B.) herrscht ni
Nicaragua bereits der Vegetationscharakter des Isthmus von Panama.
Tabasco dagegen steht in. einer so nahen Verbindung mit Oaxaca und
Vera Cruz, dass die Flora dieser Landschaft von der des übrigen
Mexiko nicht getrennt werden kann. Als vorläufige Südgrenze des
mexikanischen Florengebiets, welches innerhalb der Anden bis zum
Isthmus selbst zusammengefasst worden ist, habe ich in diesen öst -
liclienTiefiandsbildungen die Wasserscheide von ( ilüapas (1 7 N. B.;
angenommen. Auch ward, bis Yucatan näher erforscht sein wird,
nach der geograpliischen Lage dieser Halbinsel bloss vermutlumgsweise
auf eine nähei-o Beziehuno' derselben zu Westindien , als zu
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Mexiko geschlossen.