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XX. Flora der tropischen Anden Südamerikas.
Urwalde zurückweichen. Von der wüsten Küste aus die hohen Andenpässe
und die weite Puna überschreitend, findet man in diesen
Thälern allein und an der östlichen Abdachung der östlichen Kordillere
unerwartet eine verschwenderisch gestaltende Tropennatur.
Lange Solstitialregenzeiten, deren Ertrag durch die Erhebung des
Bodens erhöht wird, sind die Quelle iinerschöpflicher Fruchtbarkeit
hart an den Grenzen einer öden Gebirgszone, welche die Verbindung
mit den Küstenstädten und dem Meere erschwert.
Hieraus ergeben sich zugleich auch die Bedingungen der Absonderung
der peruanischen Vegetationscentren und ihrer Vermischung
mit den Nachbarfloren. Während die Erzeugnisse der heissen
Region am Pusse und in den Einschnitten der östlichen Kordillere
allmälig in die der brasilianischen Flora übergehen, enthält der obere
Waldgürtel, den man die Augenbraue {Ccya) der Montana nennt
(4 700 bis 7500 Fuss), die eigenthümlichsten Gewächse und unter
diesen als merkwürdigste Baumform die Cinchonen. In einer, schmalen
Zone über die nach den Tiefebenen geöffneten Abhänge der östlichen
Anden von Venezuela bis Bolivien (11 ^ N. B. bis 19 S. B. j ausgedehnt,
ist der Cinchonenwald erst durch die Gebirgspässe zugänglich.
Nur die Chinarinden von Neu-Granada [Ctnck. lanci/olia)
• konnte man mittelst des Magdalenenthals zu den Seehäfen befördern :
die Ausfuhr der übrigen Länder wird durch die schwierigen, langen
Wege über die beiden Kordilleren gehemmt, und die von diesen entlegenen
Strassen entfernteren Standorte konnten nicht leicht benutzt
werden- Eine stetigere Versorgung des europäischen Marktes wird
durch die fortschreitende Entwickelung der Amazonas-Schifffahrt
möglich werden.
Vegetationsformen. Nirgends auf der Erde ist es anschaulicher,
als auf den Anden, in welchem Masse die Vegetation von den
Bedingungen der Temperatur und Bewässerung bestimmt wird. Es
war eine der ersten und seinem Naturgemälde der amerikanischen
Tropenländer zu Grunde gelegten Auffassungen Humboldts dass
hier, wo das Klima von der höchsten mittleren Luftwärme der Erde
bis zur Schneelinie alle Abstufungen der Temperatur vereinigt, auch
die Vegetationsformen aller Zonen vom Aequator bis zu den Polarländern
in Verbindung treten. Diese Vorstellungen haben indessen
für tropische Hochgebirge eine allgemeine Bedeutung und erleiden
Formen der Steppen- und Wüstenvegetation.
zugleich überall gewisse Einschränkungen, theils durch die gleichmässigere
Wärme^ die dem Unterschiede der Jahrszeiten in höheren
Breiten nicht entspricht, theils durch die eigenartig bildenden Kräfte
der einzelnen Vegetationscentren, welche zum Beispiel den Anden
Mexikos einen Gürtel von Nadelhölzern zugetheilt und ihn denen
Südamerikas in weitem Umfange entzogen haben. Eigenthümlicher,,
als die vertikale Abstufung der Klimate, ist den letzteren die Absonderung
der Vegetationscentren nach Meridiangrenzen, welche,
als Folge ihrer Axenerstreckung, auf der Ungleichheit ihrer Bewässerung
beruht. In den westlichen Anden fehlen, so weit sie den
Regenwinden entzogen sind, fast alle tropischen Pflanzenformen, die
dagegen an den nach Osten geöffneten Abhängen in derselben Ueppigkeit,
wie in Brasilien, entwickelt sind. Auch von den tropischen
Pflanzenfamilien finden wir in den trockenen Klimaten der Anden
nur einzelne, wie die Piperaceen, die Bromeliaceen, spärlich vertreten:
alle diejenigen, die aus Holzgewächsen bestehen oder tropischer
Regenwerthe bedürfen, sind hier ausgeschlossen.
Durch die schwachen oder unregelmässigen Regenzeiten der
westlichen Kordilleren Perus wird die Vegetation nicht viel mehr,
als durch die Winternebel der Küste, gefördert, und da die geneigte
Oberfläche, sowie der felsige Boden dem gesellig verbundenen Wachsthum
der Pflanzen entgegenstehen, so sind alle diese Regionen den
Steppen der gemässigten und den Wüsten der heissen Zone ähnlicher,
als den mexikanischen Bergsavanen. Vergebens erwartet
man, zu den Pässen ansteigend und sie überschreitend, auf den
Höhen einen kräftigeren Ausdruck des organischen Leben, als an
dem regenlosen Fusse der Anden. Wenn aber die ganze Küstenlandschaft
des stillen Meers als Wüste bezeichnet wird, so ist doch zu
bemerken, dass auch sie sich während der Garúas mit grünendem
Rasen und einem nicht unansehnlichen Blüthenschmuck von Stauden
bekleidet. Wo im Sommer eine pflanzenlose Einöde sich darstellt,
sind doch die Keime und Knospen im Steppenboden verborgen, und
nur in den höher gelegenen Abschnitten der Wüste Atacama giebt
es oberhalb der Nebelregion, weil hier auch der Sommerregen ausbleibt,
weite Strecken von steinigem Boden ohne jede Spur von Vegetation.
Aus der Ferne, vom Meere aus betrachtet, erscheint hier der
grüne Vegetationsstreifen der Küste, am Abhänge der Berge, im Ni- } •-•
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