
102 VII. Sahara.
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da die Flora des Inneren von Arabien noch ganz unbekannt geblieben
ist.
Indessen lässt sich doch schon jetzt erkennen, dass das Klima
der Steppe und Wüste in Arabien von entscheidendem Einflüsse auf
die Vegetation ist und dadurch die geschichtliche Entwickelung des
Landes bestimmt hat. Was man arabische Wüste nennt, entspricht
dieser Bezeichnung nur zum Theil: denn weit ausgebreitet ist hier
die Steppe mit Winterregen, wo im Frühlinge der Boden ein reiches
Weideland darbietet und mit blühenden Kräutern überall geschmückt
ist. Dies ist das Land derBeduineUj der arabischen Wanderstämme
die nach der Weise der Patriarchen von ihren Heerden sich ernähren
und weithin, wie früher bemerkt wurde, nach Syrien eindringen..
Nur vorübergehend hat sich auf dem Schauplatz ihrer Wanderungen
in der Nähe des Jordan, des westlichen Grenzflusses, in den verlassenen
Städten des Hauran eine sesshafte Bevölkerung niedergelassen
und sich dann wieder vor den Nomaden zurückgezogen..
Die höhere Geistesbildung des Arabers, die selbst in die europäische
Civilisation einst mächtig eingreifen konnte, ist von den südlichen
Wohnorten der Wüste ausgegangen, wo die Gebirge Oasen und die
Oasen Dattelkultur und Ackerbau hervorriefen, wo die Bevölkerung,
sich dauernd in Städten Staaten bildend vereinigte.
Arabien liegt in solcher Richtung dem afrikanischen Sudan
gegenüber, dass es im Süden der Steppen, wie die Sahara, von dem
regenlosen Passatwinde in allen Jahrszeiten getroffen wird. Aber
nur der dritte Theil der Oberfläche ist unveränderliche Wüste :
denn die arabische Halbinsel hat den grossen Vorzug vor der afrikanischen
Sahara, dass ihre Küsten von Randgebirgen umschlossen
-werden, die wenigsten im Südwesten und Osten breit und fruchtbar
sind, dass aber auch im Innern sich einzelne grössere Berglandschaften,
wie Shomer (28—26^ N. B.) und Nejed (250), erheben,
die vermöge ihres reichlichen Winterregens Sitze des Wohlstands
und der Kultur geworden sind. So fand Palgrave, der erste gebildete
Europäer, der Riad, die Hauptstadt von Nejed, erreichte,
Staatsform und Lebensweise daselbst auf gleicher Höhe mit den
übrigen Reichen des Islam. Die Grenze der Steppe und Wüste ist
also auch hier, wie in Algerien, die Grenze der Viehzucht und der
Arabische Sahara. — Regenlosigkeit von Sind. 103
Dattelpflanzungen. Auch die arabische Wüste verdankt ihre Oasen
und ihr unterirdisch strömendes Wasser den Niederschlägen, welche
die Erhebung des Bodens zu Gebirgen veranlasst. Wie weit aber
auf dem viel höher als die Sahara gelegenen, arabischen Tafellande
selbst die Winterregen nach Süden reichen, ist wenigstens im Inneren
des Landes noch nicht genau bekannt. Auf der Sinai-Halbinsel
sind die Niederschläge ungewiss, weiterhin reicht die Steinwüste
wenigstens bis in die Nähe des todten Meers [31« N. B. 69)], aber
im Inneren schweifen die Beduinen bis zu den centralen Berglandschaften,
und finden im Nufud (31 — 28 0 n . B.) bis zu den Grenzen
von Shomer das reichste Weideland. Hier beginnt erst jenseits
der Gebirgsoasen die grosse Wüste Dahna, die sich bis zu den
südlichen Randgebirgen ausdehnt, und, von den Nomaden unbetreten,
weder Wadis noch Oasen zu enthalten scheint (24—15 o
N. B.). In Arabien also weichen die Grenzen der Sahara weiter
nach Süden, als irgendwo sonst, weil durch das Randgebirge
auch den Seewinden, die dem Passat begegnen, die Feuchtigkeit
entzogen wird.
Jenseits des persischen Golfs ist der Küstensaum bis zur Mündung
des Indus der Sahara ähnlich, die Vegetation als ein Uebergang
zur Steppenflora zu bezeichnen. Jenseits des Indus sind dann
noch einmal mit dem regenlosen Klima im Tieflande von Sind und
Rajwara die Bedingungen der afrikanischen Wüste vollständig ausgeprägt.
Da aber hier kein Passat herrscht, sondern die Herrschaft
der indischen Monsune beginnt, so hat man die Regenlosigkeit dieser
Landschaft für eine räthselhafte Erscheinung gehalten ^O) und gefragt,
wie bei gleichem, halbjährigem Wechsel von Land- und Seewinden,
bei gleich ebenem Niveau des Bodens im Gangesdelta von
Bengalen tropischer Wald und in Sind wasserlose Wüste habe entstehen
können. Die Erklärung, die schon bei Indien angedeutet
wurde, ist hier noch zu vervollständigen. Wenn der südwestliche
Monsun weht, ist der Boden der Indus-Delta bei Weitem heisser,
als das Meer, und die Luftströmung kann daher, auf ihrem Wege
sich erwärmend, keinen Wasserdampf verdichten. Ebenso regenlos
bleibt auch der Winter, weil der dann wehende Nordost den Charakter
des Passats hat. Wo der Südwestmonsun Regen erzeugt, ist