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366 XVII. Südamerikanisches Gebiet diesseits des Aequators.
grund, weiche Lianen überspinnen die Bäume und Gebüsche wie in
einem hochwnchernden Gehäge, an dessen üferrande schön blühende
Aroideen und Scitamineen die reichste Mannigfaltigkeit noch erhöhen.
Das Ufer des Meeres wird in Guiana von Marschalluvionen umsäumt,
deren die Bodenkultur sich grösstentheils bemächtigt hat ^o).
Diese neuen Landbildungen fahren unter dem Einfluss der Mangrovewaldungen
fort, sich zu erweitern, die unter ihre gewöhnlichen Bestandtheile,
die Rhizophoren und Avicennien, auch Combretaceen
(Laguneularia) undürticeen [Firns] aufnehmen. Die Lebenskraft dieser
den Schlamm der Flüsse zurückhaltenden Rhizophoren ist so gross,
dass nach Seemann's Beobachtung in Panama wo dieFluth 22Fuss
hoch steigt, die Brandung oft über ihre Kronen braust, ohne ihrem
Wachsthum zu schaden, indem sie durch das Gebäude ihrer Luftwurzeln,
wie durch ebenso viele Anker im Meeresboden fest verwahrt sind.
Unter den Baumformen des Urwalds herrschen, wie in anderen
Tropenländern, die des Lorbeer und der Tamarinde: nur vereinzelte
Stämme verlieren in der trockeneren Jahreszeit ihre Belaubung
(einige Erythroxyleen und Bignoniaceen). Unter den übrigen sind
in Guiana die Leguminosen und Rubiaceen, sodann die Laurineen
und Euphorbiaceen die häufigsten: auch sie beginnen, wiewohl
immergrün, mit der Regenzeit neue Blattknospen zu treiben lO).
Die grössten Bäume auf dem Isthmus von Panama erreichen nur
eine Höhe von 90 bis 130 Fuss^) und werden daher von der Mora
in Guiana überragt. Von den die dikotyledonischen Laubhölzer begleitenden
Palmen sind daselbst etwa 60 Arten angeführt: am zahlreichsten
sind die kleineren, fiederblättrigen Geonomen und Bactris-
Arten, unter den Fächerpalmen sind die Mauritien [M. flexuosa] am
weitesten verbreitet, welche den feuchten Boden sowohl des Urwaldes
als derSavanen bewohnen und auf dem Parime - Gebirge bis zum
Niveau von 4000 Fuss ansteigen lo). gesellige Art dieser Gattung
[M. seügera) bekleidet einen grossen, aus sumpfigem Erdreich
gebildeten Theil der Insel Trinidad Im Delta der Ströme vom
Orinoko bis zum Amazonas tritt eine Palme mit ungetheilten Blättern
auf [Manicaria saccifera), die an Grösse (15 bis 20 Fuss) der afrikanischen
Ensete wenig nachstehen. Die Pisangform selbst [Heliconia),
die überall im Schatten der feuchten Urwälder den Palmen
folgt, erreicht unter dem Einfluss der Seewinde, wie in Java, auch
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Mangrovewaldung. — Baumformen des Urwalds. 367
auf der Küstenkette von Venezuela ein ungewöhnlich hohes Niveau:
noch oberhalb der Region, wo die Ericeensträucher herrschen, 6600
Fuss über dem Meere, fand Humboldt ^^f der Silla von Caracas
ein fast undurchdringliches Gebüsch von fünfzehnfüssigen Stämmen
aus dieser Vegetationsform gebildet. Die Farnbäume und Bambusen
sind in Südamerika diesseits des Aequators weit weniger allgemein
als die Palmen, deren Mannigfaltigkeit in der Richtung zumAequator
zunimmt. Südwärts vom sechsten Breitengrade sah Humboldt in
den Wäldern am Orinoko die Farnbäume verschwinden, die an der
nördlichen Abdachung von Venezuela häufig sind, und in der Voraussetzung,
dass sie an ein gemässigtes und feuchtes Klima gebunden
seien, meinte er ^ dass sie nur da zu den Küsten hinabsteigen,
wo der Boden sich erhebt und wo sie zugleich in tiefem
Schatten geborgen sind. Indessen finden sie sich in Guiana nicht
bloss auf den Höhen der Parime-Berge, sondern auch an den Stromufern
des Tieflands und im Westen sowohl an der Bai von Choco
als auf dem Isthmus von Panama. Nur die Sonnenstrahlen fliehen
sie und die Orte, wo der Wasserzufluss zu gering wird, und diese
Bedingungen würden ihnen auch am Orinoko zu Gebote stehen.
Ebenso wenig ist das Verkommen der Bambusen von gemeinsamen,
klimatischen Einflüssen abzuleiten, die überall, wo diese vorhanden
sind, ihnen ihr Gedeihen sicherten. An der Küste von Venezuela
und an den Ufern des Cassiquiare bilden sie nur vereinzelte Gruppen
und fehlen in den sumpfigen Niederungen des unteren Orinoko fast
gänzlich : an der pacifischen Abdachung der Anden von Neu-Granada
und Ecuador sind dagegen weite Abhänge von den Hochthälern
bis zur Küste mit dichten Bambusenwaldungen bekleidet, wiewohl
sie doch daselbst nur bis 5200 Fuss, also nicht zu solchen Höhen,
wie auf dem Himalaja, ansteigen. Unter den übrigen Baumformen
fehlt die der Nadelhölzer fast ganz, indem die Familie der Coniferen
nur durch eine Gattung [Podocarpus] vertreten wird, deren immergrünes
Laub bei den meisten Arten sich der Olivenform anschliesst.
Ueberblickt man den inneren Schmuck des Urwalds, so sind
die VegetatLonsformen dieselben, wie in anderen feuchtwarmen Klimaten
des tropischen Amerikas : an Reichthum der Arten ragen unter
den Sträuchern. und Zwergbäiimen der Oleander- und Myrtenform
die Rubiaceen, Melastomaceen, Myrtaceen und Euphorbiaceen hervor;
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