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170 IX. Kalahiiri.
man sich (las Wachstluira doch nicht so dicht, die J^äiune nicht so
R-edräng-t vorstellen, wie in minder trockenen Tropenländcrn. Anf
den Entdeckungsreisen in den Negergebieten Sndans konnte man
sich, fast immer zu Fnsse reisend, nur schrittweise bewegen.
Wie der Wald hier dagegen sowohl des hohen Wuchses als der
Mannigialtigkeit in den Bestandtheilen entbehrt, so scheinen auch
die Bäume häufig durch Gebtische ersetzt zu werden. Andersson
sagt zwar einmal, dass er über 2ü g. Meilen weit seinen Weg durch
den Wald mit der Axt zu bahnen genöthigt gewesen sei, aber er
iugt hinzu, es wären nicht bloss Gebüsche, sondern auch Bäume von
mehreren Zollen, ja bis zu zwei Fuss Durchmesser hinwegzuräumen
gewesen. Dennoch scheinen ihm die Dornen lästiger als die Bäume •
denn als höchsten Beweis für die ünwegsamkeit dieser Gegend und
die Schwierigkeit der Reise giebt er an, dass das-Segeltuch, womit
sein Wagen überspannt war, in Fetzen zerrissen sei. Oft wird das
Fortkommen durch die trockenen Flnssbetten erleichtert, die hier
Vley's genannt werden, und die zwar mit Bäumen bewachsen sind
aber »nicht so dicht, um dem Fuhrwerk ein Hinderniss zu bieten« ¡s^)'
Die Hochflächen des Damara-Landes und die Höhenzüge
welche sie von der Küstenregion scheiden, und deren Verzweigungen
ostwärts erst gegen die Wüste hin sich verlieren, sind an Bäumen
arm, aber wegen der Dorngebüsche, die sie bedecken, niclit minder
mühselig zu durchwandern. Dennoch bietet diese Landschaft einen
ausgezeichneten Weidegrund 37). Denn nicht gleichmässig vertheilt
sind die Gesträuche von dornigen Acacien, oft stehen sie nur gruppenweise
m einer Savane, deren Gras, auch wenn es in der Dürre gelb
geworden ist, noch reichliches Futter gewährt. Bald vereinigen sie
sich zu Dickichten, in die man nur mit Mühe eindringen kann
bald überlassen sie den Gramineen den Boden, und dann liegen di^
niedrigen Büsche des Haakedorn versteckt und wie abgestorben im
Rasen 'O), so dass nur die Dornen überall dem Wanderer beschwerlich
fallen. Auch sind wohl solche offene Grasebenen mit
einzelnen Gruppen von GirafTen-Acacien geschmückt. Erst auf den
höher gelegenen Flächen wird der Gras wuchs dünnes) und auch das
Dorngebüsch ärmlich.
Aber im Süden (24'» S. B.) hören die dichten Gebüsche von
Dornsträuchern auf ^i), und nun folgen bis zum Gariep grosse Sand-
B u s c I i I m i k I . — Wüste von GroöH-Nimiaipia ~ Gni.scbenen. 17 J
fläcliei) mit Quarzgerölleii, von felsigen Bergen unterbrochen ^ wo
nnr wenig nnd kümmerlielier Baumwiielis mögllclj ist. Die« ist das
(lebiet von Gross-Namaqua^ von dem Anderssoii meint, dass ansserlialb
der Sahara wohl kein anderes so grosses, so wüstes und nutzloses
Land auf der Erde zu finden sei. Dasselbe scheint also selbst
der eigentlichen Wüste Kalahari bei Weitem nachzustehen, worauf
auch die geringe Zahl der Bewohner hinweist. Man kennt die Bodenbeschaffenheit
von Gross-Namaqua zu wenig, um über die Ursache
der traurigen Oede dieses Landes urtheilen zu können^ welches doch
in seinem Niveau und in seiner Regenlosigkeit der Terrasse von
Damara so ähnlich ist. Aber dass die Vertheilung der Formationen
und damit der Werth der Landschaften für die Viehzucht auch hier
in dem geognostischen Bau der Höhenzüge begründet sei, scheint
daraus hervorzugehen, dass das fruchtbarere Damara-Land durch
eine mannigfaltigere Bodenmischung bevorzugt ist. An die granitische
liebungslinie, die der Küste parallel verläuft, schliessen sich
daselbst Kalk- und Sandstein-Qebilde, aus denen die westöstlichen
Bergzüge bestehen Die reicheren Erdkrumen, welche dieser
Wechsel der Gesteine hervorbringt, werden den Graswuchs und das
Vorherrschen von llolzgewächsen begünstigen.
Die eigentliche Wüste Kalahari bildet eine unermessliche,
flache .Hochebene, wo der Boden zwar, wie in Gross-Namaqua, meist
nur aus lockerem Sande bestellt aber doch die tiefere Lage und
die Abwesenheit des anstehenden Gesteins gewisse Vorzüge bietet.
So sind hier die Bedingungen für die Formation der Grassteppe gegeben,
wie sie bereits oben geschildert wurde. An den Südostgrenzen
,. in der Gegend von Litakun, wo die Thalmulden periodischer
Flüsse auf Trapp- und Schiefergesteinen ruhen, werden die
Gesträuche wieder häufiger und der Graswuchs verbessert sich, womit
denn der Uebergang zu den Savanen in den hohen Quellgebieten
der Gariepzuflüsse eingeleitet ist. In diesen Grenzbezirken von drei
Floren, der Kalahari, Natals und des Kaplandes sind die Regenzeiten
bereits stetiger und zeigen ihren Einiiuss durcli einen ungewohnten
Keiclithum der Vegetation. Zur Zeit von BurchelFs Rei seal s o
vor fünfzig bis sechzig Jahren, war die Landschaft von Litakun mit
drei Fuss hohem, frischem Grase bedeckt, die Anhöhen mit Gesträuchen
bewachsen, die ihn.jedoch nicht hinderten, sich mitLeich-
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