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massige Zusammenwirken organischer und unorganisclier Naturkräfte
verbunden ist. Oeftneto die Anastatica, wie bei anderen Pflanijen,
ihre Früclite durch Saftverhist, so wäre die Ausstreuung ilirer Samen
auf dem wasserlosen Boden vergeblich. Wäre die Mannaileclite,
gleich anderen Steinlichenen, fester angewachsen, so würde sie vielleicht
in der herrschenden Dürre zu Grunde gehen. In ihrer Beweglichkeit
aber gelangen diese Pflanzen an die weit entfernten Orte,
wo eben Thau oder andere Feuchtigkeit ihre Entwiekelung zulässt,
und so gebraucht die Natur einfache, aber sichere Mittel, die Organisation
den ungünstigsten Verhältnissen anzupassen. Wie könnte
sie sparsamer verfahren, als indem sie Pflanzenschleim in den Cruciferen
ablagert, um die Feuchtigkeit der Wüste zu sammeln, oder
indem sie den trockenen Flechtenthallus in kleine und leichte Körperchen
zerlegt, um seine Beweglichkeit zu erhölien.
Unter den Schutzmitteln der Organisation gegen das trockene
Wüstenklima ist, wie in den Steppen, die Bildung der Dornen und
die Bekleidung mit Haaren eine sehr häufige Erscheinung. Dornig
sind sowohl die meisten laubtragenden Sträucher (z. B. Zizyphm,
Alhaffi), als auch einige Stauden (Cynareen) : in einem Falle (iV<-
traria) ist die Dornbildung zugleich mit dem saftigen Blattgcwebe
verbunden. Auch die Ilaare, die den Einfluss der Sonnenstrahlen
mässigen, zeigen eine gewisse Mannigfaltigkeit der Form , bald als
Wolle die Oberhaut verhüllend nnd beschattend (Gnaphalieen; Crozophora),
oder sich ihr seidenartig anschmiegend {Artemisia), bald
durch ihre Starrheit sicli selbst gegen den Saftverlust schützend
(Boragineen ; Salvia).
Die ungemein kurze Zeitdauer der vegetativen Processe, welche
durch die Seltenheit der Niederschläge bedingt ist, giebt sich auch
bei den Zwiebelgewächsen zu erkennen, wenn man sie mit denen der
Steppe vergleicht. Sie sind in der Sahara bei Weitem seltener und
zeichnen sich durch Kleinheit auch der unterirdischen Organe selbst
aus, deren Umfang von der Zeit abhängt, in welcher die Blätter
thätig sind. Die Zwiebeln einer für die Sahara charakteristischen
Gattung [Erythrostictm) erreichen nur die Grösse einer Kirsche.
Einige Pflanzenformen scheinen nur auf gewisse Landschaften
der Sahara, oder, wie die oben erwähnten Bäume des Ahaggar, auf
die obere Region ihrer höchsten Bodenerhebung beschränkt zu sehi.
Es sind dies zum Theil eingewanderte Gewächse aus dem Atlas nnd
anderen Grenzbezirkeu, wie die Oleanderform {Ncrium., lihm) und
die Pistazien [Pistacia atlantica) der algerischen Sahara. So Avachst
a u c h d e r Oschurstrauch Sudans [Cahtropis), allmälig an Häufigkeit
abnehmend, längs der Karavanenstrasse durch Fezzan bis Tripolis - J,
und so dringen Capparideensträucher aus den Savanen von Sudan in
die Wadis der nubischen Wüste' . Audi das arabische Gebiet der
Sahoxa verdankt wahrscheinlich solchen Einflüssen manche Eigenthümlichkeit
Das Vorkommen von Sudangcwächsen im ägyptischen
Nilthal ist hingegen von diesem Verhältniss wohl zu unterscheiden,
indem hier durch das Wasser des Stroms eine dem Wüstenklima
ganz fremdartige Ernährungsweise gesichert ist. Arabien zeichnet
• sich namentlich durch aromatisclie und harzreiche Pflanzen aus «)
von denen viele in den orientalisclien Steppen gleichfalls einheimisch
sind Dass die Absonderungen ätherischer Oele in trockenen Khmaten
häufiger werden, ist in einem früheren Abschnitt erörtert
worden (1 S 44 3): diese Thatsachc scheint auch in soiern m
einiger Beziehung mit erhöhter Wärme zu stehen, als dadurch das
Entweichen solcher Aussond^rungsstofie aus dem Organismus befordert
wird. Anderson bemerkt, dass die Holzgewächse in Arabien
oft mit Harz oder Gummi bedeckt sind, und er vernmthet, dass die
Kinde in der heissen Sonne leichter zcrreisst und diese Stofte austreten
lässt Allein die ähnlichen Aussonderungen des Traganthgummis
beruhen nicht hierauf, sondern auf einer eigenthümlichen
Entwiekelung der Rinde, und immer bleibt es unerklärt, weshalb in
warmen Ländern gewisse Auswnrfsstoffe reichlicher ausgeschieden
worden, ätherische Oele sowohl die feuchte Atmosphäre Ceylons wie
die trockene Steppe mit ihrem Aroraa erfüllen, Harze hingegen auch
iii kalten Klimaten gewöhnlich sind.
Veg-etatioiist'orniiitioneil. Die Meinung, dass die Sahara
ausserhalb ihrer Oasen des organischen I.ebens fast ganz entbehre,
hat zwar in soiern einen guten Grund, als die Wüste wegen ihrer
Wasserlosigkeit unbewohnbar ist und nur wenigen Thieren genügendes
Futter bietet, aber man muss die Vorstellung zurückweisen, als
(,b es hier unermessliche Räume gäbe, wo auch nicht ein Grashalm,
nicht eine ärmliche Vegetation zu gewissen Zeiten gedeihen könne.
Man hat wohl geglaubt, dass die Beschaffenheit des Bodens für das
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