
. i
v . f
2()2 X n . Waldgebiofc des westlichen Kontinents
unbekümmert um die Wolken verfolgender Muskitos, von denen die
laift erfüllt ist.
Naeh den Bestandtheilen des Unterliolzes und anderer Scliattengcwäehso
lassen sicli die Waldzonen Nordamerikas ebenso bestimmt
vvie durch ihre Bänme, unterscheiden. In Indiana, also in den nördlichen
Laubwäldern, sind die Weiden- und Khamnusformcn noch
überwiegend, aber in einzelnen Gegenden bis zum Stromgebiete des
Lorenz wechseln dieselben schon -mit den lihodoreen und den Vaccinien.
An der östlichen Abdachung der Alleghanys besteht das
. Unterholz vorzugsweise aus Rhodoreen, oft ausscldiesslicli aus den.
grossen Jihododendron, worauf dann jenseits dieser Gebirgskette
im Westen der Papaw und am Missisippi die Arundinarien sich
anschhessen. Mannigfacher, aber nicht minder eigenthümlich sind
die Schattengewächse in der Waldzone des Oregon gebildet wo
neben jener dornigen Araliacee und der immergrünen Mahonia'(Ä/
bald kleinere Ericeen [Arctostwphylos] und Vaccinien, bald
andere Sträucher europäischer Gattungen, oder auch wohl Farne
{Aqndmm munitum) vorherrschen.
Der säkulare Wechsel der nordamerikanischen Wald Vegetation
ist noch wenig untersucht worden. Einen anziehenden Beitj-ag lieferte
Crcdner der aus dem Haushalte des Bibers die Entstehung
von Wiesen in einem grossen Massstabe ableitet. Dieses über die
grössere Hälfte Nordamerikas ungemein häufig verbreitete Nagetliier
staut, Dämme quer durch die Thäler erbauend, die von sumpfigem
Wald und Gestrüpp umwachsenen Flüsse zu Teichen auf, die zum
Beispiel in den Landschaften am Lake superior selir zahlreicli sind
lind deren Grösse zuweilen mehr, als hundert Acres messen soll
Nach Simpson ist in der Umgebung der Hudsonsbai sogar die Hälfte
alles Waldbodens unter Wasser gesetzt. Werden die Dämme dann
von den Frühlingsfluthen eingerissen, so trocknen die Biberteiche
aus, üppiges Gras schiesst empor und es bilden sich im Dunkel
des Urwalds grünende Wiesenpläne von reichstem Henertrage
«wohin der Hirsch zu seiner Weide zieht«. Und dies sind fast di^
einzigen mit Gras bewachsenen Lichtungen im weiten Bereiche der
Stromverbindungen, von denen die grossen Süsswasserseen Kanadas
gespeist werden. Thiere werden hier zu Pionieren der Bodenkultur
nnd leisten melir als die Urbewohner des Landes, als die Jäger, die
:4
r-
Walilwiesen. — Anuuth der alpinen Flora. — Alleghanys. " 263
derselben nur den Weg w(3isen. Aber mit ihnen müssen auch d\e
Thiere sicli zurückziehen nnd untergehen, wenn neue Menschenraccn
sich des Erbes dieser Wälder bemächtigen und sie einer höheren Bestimmung
entgegenführen.
llegioiieil. Die Gebirgsilora Nordamerikas unterscheidet sich
von der der östlichen .llemispliäre durch ihre Einförmigkeit und dadurch,
dass in viel geringerem Umfange die Pllanzon holierer Breiten
auf den südlicher gelegenen Höhen wiederkeliren. Die Waldbäume
des Nordens und die sie begleitenden Gewäclise verhalten sicli zwar
ähnlich, wie in Eui'opa, die weissen Tannen lludsoniens bilden über
den Laubhölzern die obere Nadelholzregion der nördlichen Alleghanys,
aber die alpine Vegetation ist audi da, wo ihr ein hinlänglicher
Kaum geboten wäre, doch durch verhältnissmässig wenig arktische
Pflanzen bereichert worden. Nirgends begegnet man auf den entlegenen
Hochgebirgen dem Blüthenschmuck der Alpeiimatten, die
Sennwirthschaft findet auf diesem Kontinent keinen Boden. Nach
der Richtung ihrer Llauptkämme, die den Linien der West- und Ostküsten
entspricht, sind die nördlichen Rocky Mountains nebst der
Cascadenkette den skandinavischen FJelden, die Alleghanys in ilirer
isolirten Stellung dem Ural zu vergleichen, und auch diese europäischen
Meridiangebirge liaben eine weit ärmere und einförmigere
Flora, als die von Westen nach Osten streiclienden Alpen oder der
Altai und gar der Himalaja. Fast könnte es scheinen, als ob auf
alpinen Bergkämmen, die mit einer breiten Brüstung den polaren
Luftströmungen sich entgegen strecken, die Ansiedelung arktisclicr
' Pflanzen leichter von Statten gelie. Ahav auch die entfernte Lage
und der Bau der nordamerikanischen Gebirge sind dem Anstausdi
der Pflanzen weniger günstig, als die durch fast ununterbrochene
Verzweigungen verbundenen Erhebungssysteme Europas und Asiens,,
und auch in dieser Beziehung sind sie den Fjelden und dem Ural
ähnlicher.
Die Gebirge des westlichen Waldgebiets bilden nur zwei Gruppen
, von denen die eine der Ost-, die andere der Westküste des
Kontinents genähert ist. Die erstore, die Alleghanys, erstreckt sich
in mehreren Parallelzügen vom Lorenz bis Alabama und umfasst
die White Mountains von New Hampshire, welche sich über die
Baumgrenze erheben.
/ ä
l . . .• rÄi ; i
' H]«'- ilV
f» f
.. I
1 i
. t
• >
""Kl