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242 XII. Waldgebiet des westlichen Kontinents.
einen weiten Zwischenraum baumloser Ebenen von einander abgesondert.
Aber auch ihre klimatischen Verhältnisse sind nicht übereinstimmend.
Der Uebergang von den nordischen Wäldern zu den
südlicher gelegenen Zonen beruht in Newfoundland auf der minder
strengen Winterkälte, in Kanada auf der zunehmenden Sommerwärrae
und im fernen Westen der pacifischen Küste auf der gleiclimässigen
Milde beider Jahrszeiten. In seiner Reinheit ist indessen
dieses, von starken Niederschlägen i ') in allen Jahrszeiten begleitete
Seeklima nur an der Küste selbst, von der Insel Sitcha iind vielleicht
von Alaska bis zur Mündung des Oregon (46" N. B.) ausgebildet5).
Auch hier bilden Nadelhölzer eine dichte Waldbekleidung, Bäume
von ungewöhnlicher Grösse, besonders eine Reihe verschiedener
T a n n e n , die Douglas-, die Menzies- und die Schierlingstanne
{l^inus Donglasii, Menziesii, Mertansiana), sodann die Oregon-Cedei"
oder gelbe Cypresse [Thnja gigantea). Doch sind auch Laubhölzer
diesen Wäldern nicht ganz fremd, Ahorne, Pappeln, Erlen und
eine der deutschen ähnliche Eiche [Q. Garryana). Eine Stammhöhe
vom 200 bis 250 Fuss ist bei der Douglastanne keine ungewöhnliche
Erscheinung : sogar Bäume von mehr als 300 Fuss soll man gemessen
haben 15). Die offene, den häufigen Weststürmen ausgesetzte Lage
dieser Küste, in Verbiudung mit der beständigen Feuchtigkeit des
Klimas, bewirkt in diesen Urwäldern ein frühzeitiges Stürzen der
Bäume 1"). Mit gefallenen, alten und jungen Stämmen ist der Boden
oft so dicht bedeckt, dass man an die Bildungszeit der Kohlenformationen
erinnert wird. Ein Reisender K"') sagt von diesen Gegenden,
dass die nordamerikanische Natur mehr durch ihren grossartigen
Massstab in Erstaunen setze, als durch Anmutli fesseln köiine, wenn
es auch am Wechsel des Waldes mit Wasserflächen und Gebirgslinien
nicht fehle und die Färbung der Landschaft lebhaft und mannigfach
sei. Die Grösse der Ströme, die Ausdehnung der Gebirge, selbst
der höhere Wuchs der Bäume an diesen Küsten scheint, mit Europa
verglichen, der einförmigeren Bildung des Festlands zu entsprechen.
Wenigstens aus klimatischen Ursachen lässt sicli das mächtige Wachsthum
der Douglastanne, der die Oregon-Ceder und andere Coniferen
wenig nachstehen, nicht genügend erklären. Es ist eine Eigenthümlichkeit
dieser westlichen Vegetationscentren, die von den Wellingtonien
der Sierra Nevada noch übertroffen wird. Die südlichen
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Zone der Oregon-Tannen. 243
atlantischen Staaten empfangen ebenso starke Niederschläge nnd
haben doch solche Bäume nicht anfznweisen. Der höchste Baum
des Ostens ist dieWeihmuthskiefer (P. Strohns), sie wird nicht grösser^
als die Fichte Europas (100—140 Fuss). Aber die Feuchtigkeit
des Kiistengebirgs und die gleichmässige Milde der Temperatur sind
für das liolie Wachsthum der Nadelhölzer auch nicht einmal nothwendig,
zum Theil verbreiten sie sich bis zu den Rocky Mountains,
wo das' Klima völlig geändert ist.
Sobald man das Cascadengebirge überstiegen hat und die Wälder
des inneren britisclien Kolumbiens erreicht, tritt dieser Wechsel
des Klimas bereits ein. Es beginnt nun sogleicli der kontinentale
Gegensatz der Jahrszeiten, die hohen Küstenketten bewirken, dass
nicht, wie in Europa, der Einfluss des Meers sich über das Tiefland
ausbreitet. In den Wäldern am Kolumbia dauert die Vegetationszeit,
die Periode von der Belaubung bis zum Blattfall, vom April bis
zum Oktober !'^) und ist im Sommer mit excessiver Wärme verbunden.
Im Winter sinkt das Thermometer zuweilen auf 27^ unter den Gefrierpunkt
i^). Da jedoch in allen Jahrszeiten die.Temperatur einem
raschen und excessiven Wechsel unterworfen ist, so verhalten sich
die Mittelwerthe wahrscheinlich ähnlich, wie im europäischen Russland.
Von der Zukunft des britischen Kolumbiens hegt man wenigstens
die Erwartung, dass es ein zweites Kanada werden könne.
Ungeachtet aber eines so grossen Unterschiedes zwischen dem Klima
der Küste und des Inneren verändert sich der Charakter der Wälder
nicht wesentlich, die Coniferen sind grösstentheils dieselben, das
Q.uellgebiet des Spokan ist von der Oregonceder bewaldet, die auch
hier 200 Fuss hoch wird^^). Neben den Tannen ist am oberen
Kolumbia ehie ebenfalls sehr hohe (150 Fuss), harzreiche Kiefer
[P. ponderosa) der vorherrschende Waldbaum. Die Uebereinstimmung
der Nadelwälder bis zu den Rocky Mountains ist doch hier als
eine Folge der Feuchtigkeit des Klimas aufzufassen. Zwar sollen
im britischen Kolumbien und in dem südlich angrenzenden Washington
Territory die Niederschläge bedeutend abnehmen , und die
Nähe der Prairieen beweist dies, allein durch den gebirgigen Charakter
des Landes wird dieser Unterschied aufgehoben. Wenn auch
die Küstenkette einen grossen Theil des vom stillen Meere herbeigeführten
Wasserdampfs niederschlägt, so ist dieselbe doch mehrfach
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