
304 XIV. Kalifornisches Küsteii^'cbiet, Coniferen. 305
' .1 I «I »Hi)
i 4 iii
• f \
Iii
Strömungen scheint den Regen zu erzengen. Aber der grössere
Thell des pacifischen Wusserdampfs, den aus weiten Fernen das
stille Meer dem Kontinent zuführt, entladet sich erst an den Ilölien
der Sierra Nevada und der Rocky Mountains.
Die Vertheilung der Niederschläge über das Jahr ist demnach
in Ober-Kalifornien der in den nördlichen Prairieen ähnlich. Die
Kntwickelung der Vegetation fällt, wie dort und wie in Südeuropa,
in den Frühling, sie ist im Sommer unterbrochen. Das IJeberwiegen
der westlichen Luftströmungen, welche der Kontinent vom stillen
Meere aspirirt, ist eine Erscheinung, die in gleicherweise, aber
nicht mit denselben Einwirkungen auf die Vegetation, aucH auf die
kalifornische Halbinsel sich ausdehnt. Denn hier rückt die feuchtere
Periode des Jahrs, gerade wie in den südlichen Prairieen, in
den Sommer'^), der Zonithstand der Sonne tritt in grössere Wirksamkeit,
aber das Mass der Niederschläge ist geringfügig und ilire
Dauer unbeträchtlicli. Hiedurch erklärt sich die üebereinstimmung
des Vegetationscharakters an beiden Gestaden des kalifornischen
Golfs: »die Einbildungskraft,« sagt Dnflot de Mofras, ))könne sich
nichts Traurigeres, Verlasseneres denken, als diese beiden Küsten,
welche der Wassermangel wüst gelegt.« Erst in der Nähe des
Wendekreises, jenseits der Magdalenen-Bai (24^^ N. B.) vermehrt
sicli das Mass der Feuchtigkeit, und nun beginnen die tropischen
Formen Mexikos an der Südspitze der Halbinsel aufzutreten.
Vegetatioiisformen. In den Ooniferenwäldern Kaliforniens
und namentlicli auf der Sierra Nevada ist die Mannigfaltigkeit der
Nadelholz- nnd Cypressen-Formen grösser, als in irgend einem anderen
Gebiete Nordamerikas von gleichem Umfange. Die Anzahl
der bis jetzt bekannt gewordenen Arten von Coniferen (28) ist beinahe
so gross, wie in Japan. Mehr als die Hälfte ist in dem docli
nur so wenig geräumigen Küstenlande oder seinen Gebirgen endemisch
: die übrigen, welclie den Oregon überschreiten oder bis zu
den Rocky Mountains verbreitet sind, scheinen grösstentlieils von
hieraus auf ihren Wanderungen ausgegangen zu sein. Dass in diesen
gemässigten Breiten gerade an den beiden gegenüber liegenden
Küsten des stille]i Meers die Familie der Coniferen reicher an Arten
ist, als irgendwo sonst, gehört zu der Reihe von Thatsachen, aus
deuen im Gegensatz zu den bloss physisch auf die Organisation
wirkenden Lebensbedingungen der Einfluss der geographischen Lage
auf die Vertheilung der systematischen Gruppen des Pflanzenreichs
liervorgeht. Denn wie möchte man nachweisen können, dass die
ungleichen Klimate von Japan und Kalifornien , deren Coniferen
auch der Art nach sämmtlich verschieden sind, zu dieser Familie
in ehiem günstigeren Verhältniss ständen, als andere Gegenden der
nöi'dlichen Hemispliäre? Auf der anderen Seite kann in diesem Falle
dem Darwinismus, der die ¡^Erscheinung aus der durcJi die geographisclie
Lage erleicliterten Wanderung ableiten würde, ein Schein
dos Zusammenhangs niclit bestritten werden, wiewolil auch dabei die
Anliänfung der Arten unerklärt bliebe. Denn es besteht in der Tliat
auch darin eine systematische Aehnlichkeit zwischen den Inseln
Japans nnd dem amerikanischen Küstenlande, dass neben den besonderen
Arten von Kiefern und Tannen eine Reihe von eigentluimliehen,
kleineren Gattungen auftritt, die meist der Cypressenforu)
angehören nnd von denen zwei in beiden Floren zugleich vertreten
sind [CJiamiaecyparis n. Tornnja). Eine dritte Gattung verbindet Kalifornien
mit anderen pacifischen Floren der Südhemisphäre [Libocedrus);
ausser diesen findet sich auch noch eine endemisphe Gattung [Sequoia].
Als Vegetationsform betrachtet, sind die kalifornischen Coniferen
viel merkwürdiger dadurch, dass bei mehreren derselben ihr
Wachsthum so grosse Dimensionen erreicht, wie in keinem anderen
Lande. Nur in das nahe Oregon-Gebiet reicht diese Tendenz hochstämmigen
Wuchses angenähert hinüber. Li dem sogleich zu bespi'echenden
Falle aber ist die Masse des in demselben Stamme gebildeten
Holzes so gross, dass sie überliaupt von keinem anderen
Baume der Erde übertroifen wird. Auch hierin sind wir weit entfernt,
einen Zusammenhang zwischen Klima und Vegetation einzusehen.
Die gleichmässige Temperatur, dnrcli welche eine Vegetationsperiode
von langer Dauer möglich wird, genügt nicht, darüber
aufzuklären: wir müssen auch dieses Verhältniss als eine Eigenthümlichkeit
der kalifornischen Vegetationscentren gelten lassen,
deren Ursache unbekannt bleibt..
Durch diese ungewöhnlich gesteigerten Kräfte, das Wasser des
Bodens im Gewebe in die Höhe zu heben und dadurch stetiges
AVachsthum der Gipfelknospe und entsprechende Verstärkung des
Stannns einzuleiten , ragt als grösstc Merkwürdigkeit der kalifornischen
Ui'isobacli, Vpf^olation clor lürclo. JI. 20