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o62 XVII. Siiiliiinerikanisches Gebiet diesseits des Aequators.
zelnen Floren einheimisclien Gewächse wird weder das Meer Westiudiens,
noch das Meridiangebirge der Anden, noch die breite Zone
von äquatorialen Urwäldern am Amazonas, die Hylaea Humboldt's,
überschritten. Die Ebenen des tropischen Amerikas unterscheiden
sich durch den systematischen Charakter ihrer Floren, durch die
Fülle endemischer Arten, nicht aber in gleichem Masse durch ihre
Vegetationsformen, die in den einzelnen Gebieten je nach den klimatischen
Bedingungen wiederkehren und daher einer erneuten Aufzählung
nicht weiter bedürfen. Sie können in Mexiko und Brasilien,
an beiden Wendekreisen und am Aequator tibereinstimmen, wenn
sie auch um so mehr durch verschiedene Gattungen und Arten vertreten
werden, je ferner ihre Heimathsorte von einander entlegen
sind. Allein da jede Flora doch eine besondere klimatische Stellung
hat und eine so grosse Mannigfaltigkeit verschiedener Vegetationsformen,
wie Mexiko sie darbietet, sich in Südamerika kaum irgendwo
wieder so eng zusammendrängt, so scheint es angemessen, auf
das Unterscheidende hinzuweisen, welches in dem Vorherrschen gewisser
Formen liegt und noch bedeutsamer aus ihrer Anordnung sich
ergeben wird. Eine vergleichende Darstellungsweise wird zu wählen
sein, um das Bild der amerikanischen Tropenlandschaft zu vervollständigen.
Aber, wie bisher, soll auch hiebei nicht sowohl nach
einer umfassenden Berücksichtigung aller Gesichtspunkte gestrebt
werden, als vielmehr nur diejenigen zur Sprache kommen, die aus
den Schriften der bedeutendsten Reisenden uns entgegentreten.
Vom tropischen Urwalde gab Humboldt eben in Venezuela, am
oberen Orinoko, die erste anschauliche Schilderung auf welche
wir iu der Darstellung des äquatorialen Gebiets zurückkommen. In
den Wäldern von Guiana, am Essequebo, hat Richard Schomburgk
ihre Vegetationsbedingungen von einer Seite aufgefasst, welche schon
früher von Kittlitz bei seinem Aufenthalt auf den Karolinen sinnreich
behandelt worden war. Es ist das Problem ihrer Beleuchtung,
es ist nachzuweisen, wie die Lichtquellen, die für die Thätigkeit der
Blätter unerlässlich sind, denselben ungeachtet der Ueppigkeit des
den Boden beschattenden Wachsthums überall zu Gebote stehen.
Wo Feuchtigkeit und Wärme unter den Tropen einen hohen Grad
erreichen, wiederholt sich stets die Verbindung verschiedener Vegetation
sformen und der Gegensatz in der Gestaltung und Grösse der
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Beleuchtung des Urwalds. 363
Baumstämme : in Guiana ragt über dem geschlossenen Laubdache
des Urwalds als wichtigstes Nutzholz die Mora [Dtmorpkandm excelsa),
eine Leguminose der Tamarindenform, 160 Fuss hoch frei
empor.
Nachdem Schomburgk den gedrängten Wuchs der Bäume, die
Lianen, welche sie mit unzerreissbaren Netzen verknüpfen, nachdem
er die Epiphyten geschildert, von denen die hingestürzten- wie die
lebenden Stämme bekleidet sind, verweilt er bei der Beleuchtung
dieser Wälder, die schon durch die häufige Umwölkung des Himmels
gemässigt und sodann durch das Laubdach selbst gehemmt wird.
Am Boden vermisse das Auge die Blüthenpracht anderer Gegenden
und blicke nur auf Pilze, Farne und verwesende Organe: denn auch
um Mittag herrsche im Walde nur ein gemildertes Licht, da durch
die dicht verflochtenen Zweige fast nirgends ein Streifen des Himmels
sichtbar sei. Also doch ein gemildertes Licht unter so dichtem
Laubdach, also doch wohl mehr Licht, als in finstern Nadelwäldern :
so entscheidet Kittlitz über die merkwürdige Frage, wie doch die
Gewächse so wohl gedeihen und ihre grünen Organe athmen mögen,
im Schatten der dichtesten Vegetation, welche der Erdboden irgendwo
erzeugt. Unter den herrlichsten Bäumen, deren weitverbreitete
Belaubung den Himmel fast vollständig verdeckte, war er erstaunt,
doch noch immer so viel Licht zu sehen. Nicht der senkrechten
Mittagsbeleuchtung war zuzuschreiben, was zu den verschiedensten
Tageszeiten sich gleich blieb, sondern nur jenen zahllosen Lichtwellen,
welche, von oben zwischen den haufenförmig geordneten
Laubmassen in jeder Richtung einfallend, von Stamm zu Stamm und
von Zweig zu Zweig gebrochen, zuletzt die unteren Räume des
Dickichts erreichen und hier 3)einen der tropischen Natur eigenthümlichen
Ton matten Glanzes hervorbringen«. In der That, was sollte,
wenn auch der Boden selbst nicht immer belebt erscheint, wohl aus
der Welt von Epiphyten werden, die in eben diesem Schatten zu
wachsen bestimmt sind, wenn nicht die Natur den ungeheuern Laubmassen,
die ihn werfen, eine »Bildungsweise und Vertheilung gegeben
hätte, welche den Lichtstrahlen gestattet, wenn auch unzählige Mal
gebrochen, doch noch in hinreichender Kraft zu den Gewächsen der
unteren Räume einzudringen«. Die unmittelbar sich berührenden
Gegensätze tiefen Dunkels und greller Lichtreflexe werden auf den