
214 XI. Australien.
an der trockeneren Westküste und im Inneren unter den 26., an der
feuchteren Ostküste nntei- den 27. Hreitegrad. Wiewohl hier, z. B.
an der Moreton-Eay, einige ausgezeichnete Pflanzengrenzen in die
Augen fallen, die Pandanusform beginnt und die Araucarien zuerst
auftreten, so bleibt doch der Gesammtcharakter der Vegetation bis
zum äussersten Norden des Kontinents der nämliche, wie im südlichen
Australien. Ueberall bilden Eukalypten und Acacien mit
ungetheilter Blattbildung die Masse der grösseren llolzgcwächse,
Casuarinen und Callitris fehlen nicht, und, wenn der Scrub an Proteaceen
und anderen charakteristischen Familien ärmer wird, so erhält
sich doch der physiognomische Typus dieser Gesträuchdickichte
unverändert. Ganz ähnlich ist das Bild, welches R. Brown "') von
der Ausbeute Sturt's aus dem centralen Gebiete jenseits des Wendekreises
entwarf. Es fehlt eben auch dem tropischen Australien an
tropischer Feuchtigkeit, und die Gewächsformen der heissen Zone
sind daher nur spärlich vertreten und andere fehlen ganz. Das
Klima und die tropischen Bestandtheilc der Flora erinnern daher an
die dürren Tafellandschaften Indiens und sind nicht mit den Erscheinungen
auf dem näher gelegenen malayischen Archipel zu vergleichen.
Zu den schwach vertretenen Formen gehören die Laurusform,
die Mimoseenform, die Palmen, die Pandaneon, die Farne, die holzigen
Lianen und die atmosphärischen Orchideen : es wiederiiolen
sich auch die Palmlianen [Calamus], die Cycadeen {Macrozumia), die
Farnbäume und die flaschenförmig angeschwollenen Stämme der
Bombaceenform [Sterculia sect. BrackycUton]. Gewisse Formen sind
auf einzelne Landschaften eingeschränkt: dies erwähnt Müller von
einem Pisang [Musa], der sehr selten gefunden wird, sowie von den
Bambusen, die nur im nördlichen Theil von Arnheim's Land, also
in der Breite des Golfs von Carpentaria vorkommen. An der
feuchteren Ostküste werden die Farne mannigfaltiger, als anderswo,
j a eben hier liegt die Zone der wenigen Farnbäume, die zuweilen
eine Höhe von 50 bis 70 Fuss erreichen i). In dem Umstände, dass
die meisten und bedeutendsten Tropenformen sich bis in den Südosten
des Kontinents verbreiten, ergiebt sich ebenso sehr, wie aus
der gleichmässigen AViederkehr der herrschenden Formationen im
ganzen Kontinent, dass eine Absonderung tropischer und nicht tropischer
Vegetationsgebiete in Australien nicht besteht. So findet
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Bewaldetes Grasland. 215
sich eine Palme [Corypha misindh] iu Neusüdwales; Farnbäume noch
hl Tasmanien, die Südgrenze der Lnftorchidoen setzt R. Brown erst
unter S. B., und der Mangrovewald des Meeresuiers fehlt auch
der SUdkilste von Adelaide nicht. Eben den Südosten von Neusüdwales
bis Tasmanien bewohnt der grösste Farnbaum Australiens
{Dichonia cmiarctica], der zugleich nach Müller^) der Dürre am
besten widerstehen soll.
A^egetationsformationen. Waldsavanen, die man Grasland
und Gesträuchformationen, die man den Scrub nennt, nehmen den
^•röriisten Theil der Oberfläche des australischen Kontinents ein, soweit
sich derselbe der Kolonisation geöifnet hat. Indem die Viehzucht
dem Graslande folgend sich entwickelte^ waren die Ansiedelungen
von der Anordnung dieser Formationen abhängig. Eben um
sie erweitern zu können, wurde die Entdeckung neuer Grassavanen
sowohl im gemässigten, wie im tropischen Australien das Ziel aller
Bestrebungen : ein reiches, von der Natur freiwillig dargebotnes
Kapital konnte hier verwerthet werden. Seine Schranken aber fand
der Fortschritt in dem Scrub, der sich nicht beseitigen liess, und der
sich von den Gesträuchformationen des Kaplandes durch die Dichtigkeit
und oft durch die Hölie des Wachsthums unterscheidet. Von
den übrigen Formationen liat nur die offene Steppe eine grössere
Bedeutung: ihre Grenzen im Innern des Kontinents sind bis jetzt
noch sehr unvollständig bekannt.
Das bewaldete Grasland ist eine Eigenthümlichkeit des australischen
Bodens. Es sind die ofienen, lichten Eukalyptus-Wälder,
deren Bäume zu weit von einander entfernt stehen, um sich mit den
Kronen zu berühren, deren Laubdach keinen vollen Schatten wirft,
und in denen die Erdknime kein Unterholz, sondern einen zusammenhängenden
Wiesenteppich erzeugt eine Grasnarbe mit blüthenreichen
Stauden gemischt, die zu Anfang der nassen Jahrszeit sogleich
zu frischem, saftigem Rasen hervorspriesst. In rascher Folge wechseln
die Blumen : zuerst blühen die monokotyledonischen Knollengewächse,
von Woche zu Woche folgen andere Formen, bis tief in
die Zeit der Dürre sich zahlreiche Synanthereen und namentlich die
Gnaphalieen (die Immortellen) erhalten. Der Gramineenrasen selbst,
sowohl in der Dichtigkeit des Wachsthums als in der Dauer seines
Bestehens von dem feuchteren oder trockeneren Klima abhängig,
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