
32 - VI. Indisches Monsungebiet. Grestrauchformen. — Scitamiiieenform. 33
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atmospliärischeu Orchideen besteht darin, dass man nicht wohl einsieht
, aus welcher Quelle sie ihre mineralischen Bestandtheile beziehen,
wenn sie nur aus Regentropfen ihre Feuchtigkeit empfangen,
.die mit dem Erdreich noch nicht in Verbindung getreten waren. Man
muss annehmen, dass der Staub und Schmutz, den die Stürme des
Jungle aufwirbeln, und den die Niederschläge, an Bäumen und Felsen
herabrieselnd, ansammeln und herbeiführen, zur Ernährung dieser
Gewächse hinreicht. Man staunt, wie vollkommen so verwickelte
Bedingungen des Lebens in den feuchten Tropenwäldern erfüllt sind,
und wie genau die Organisation den Gefahren, die doch übrig bleiben,
angepasst ist. Die geographische Verbreitung der atmosphärischen
Orchideen, ihre Anhäufung, die mit der Intensität der Niederschläge
gleichen Schritt hält und daher an den Khasiabergen und in
der Wolkenregion Javas zur höchsten Ergiebigkeit gesteigert ist,
ihre Abnahme in Hindostán, bis sie in den dürreren Klimaten ganz
aufhören, alles dies ist die nothwendige Folge ihres Baus. Aber
doch können sie vermöge ihrer Knollen lange Pausen des Wachsthums
ertragen, sie bedürfen, um den Kreis ihrer Entwickelung zu
durchlaufen, nur einer kurzen Zeit und erneuern ihre Thätigkeit,
Laubrosetten von geringem Umfang, aber Blüthenähren von lieblicher
Gestaltung aus ihren Nahrungsspeichern hervorzutreiben,
nachdem sie Monate lang in unscheinbarer Form die Saftbewegung
unterbrochen hatten. Auch gegen den Wechsel und den Grad der
Temperatur sind die indischen Orchideen weit weniger empfindlich,
als man bei ihrer Kultur vorauszusetzen pflegt: die schöneren Arten
der Khasia-Berge bewohnen Bergklimate über dem Niveau von
4000 Fuss, wo die Niederschläge lange unterbrochen, aber in der
nassen Jahrszeit am intensivsten sind und die Wärme, während sie
blühen, zwischen 12o und 21 ö ß . wechselt. In Sikkim fand sie
Hooker sogar bis 10000 Fuss an den feuchten Abhängen des Himalaja
ansteigend32). Gering aber scheint, wie bei allen Orchideen,
ihre Fähigkeit, durch den Samen über weite Räume sich auszubreiten.
Der Wohnort der meisten Arten ist beschränkt und die Fortpflanzung
vorzugsweise auf die Brutknospen ihrer Knollen übertragen, weshalb
auch die tropischen Floren an endemischen Orchideen so besonders
reich zu sein pflegen. Das Monsungebiet zählt einige der schönsten
Gattungen iz. B. Vanda^ Phajus^ Grammatophylhm)^ und unter den
vorherrschend endemischen einige der artenreichsten (z. B. Dendrohmm).
Manche Dendrobien scheinen nur auf einzelnen Inseln des
Archipels vorzukommen. Wenige Beispiele von grossen und unterbrocheneu
Verbreitungsbezirken sind bekannt, bei einigen ist eine
absichtliche Einführung oder zufällige Einschleppung zu vermuthen
(z. B. bei Phajus grandifoliiis in Westindien).
Die vom Boden aus verzweigten Holzgewächse sind in der tropischen
Zone noch häufiger durch Mittelformen mit den Bäumen verknüpft,
als in gemässigten Breiten. Baumstämme von geringer
Grösse mischen sich mit dem Gebüsch, welches das dicht verwachsene
Unterholz des Jungle bildet und daselbst vorzugsweise aus
Sträuchern der Oleander- und Myrtenform besteht (z. B. Rubiaceen,
Urticeen, Ericeen, Melastomaceen). Selbständiger tritt in dürreren
Klimaten Hindostans ein daselbst als Gebüschjungle bezeichnetes Gestrüpp
auf, in welchem bald kleine Bambusen, bald Dornsträucher
nebst einigen an die Maquis erinnernden Formen vorwalten und
die zerstreut eingemischten Bäume niedrig bleiben, auch meist in der
trockenen Jahrszeit das Laub verlieren. Je trockener das Klima im
Nordwesten der indischen Ebene und an den Ghauts wird, desto
häufiger erscheinen die Dornsträucher (z, B. Mimoseen, Baiamtes,
Z i z i j p / m s ) , so dass der Uebergang in die Steppen-und Wüstenflora
ein fast unmerklicher zu sein scheint. Die Oschurgebüsche [Caloiropis)
und die Succulenten [Etiphorlia] verknöpfen das nordindische
Flachland auch mit dem afrikanischen Sudan. Cactusähnliche
Euphorbien sind auch in Dekkan und auf gewissen Inseln des Archipels
ein Ausdruck dürrer Standorte.
Unter den nicht verholzten Laubpflanzen der feuchten Wälder
ragen die Formen der Scitamineen, der Aroideen und der Farnkräuter
durch besondere Laubgestaltung und geselliges Wachsthum hervor.
Die Scitamineen gleichen in ihren Blättern dem ihnen verwandten
Pisang. Da die einfachen, gruppenförmig verbundenen Stengel bei
manchen Arten zehn bis fünfzehn Fuss hoch werden und auch der
Stamm des Pisang weich bleibt, so unterscheiden sie sich von diesem
vorzüglich durch die zweizeilige Anordnung der Blätter: nur wenn
die Axe verkürzt ist, vereinigen sich diese zu einer Laubrosette auf
dem Erdboden. Entweder am Grunde des Stengels oder aus dessen
Gipfel treten schön gefärbte, in Roth oder Orange prangende
Grrisebach, Vegetation der Erde. II. 3
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