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Kinen alinliclien Eiiiiiuss auf den (lliamkter der Wälder können
auch günstig gelegene (iebirgsabhänge erfahren, wenn sie stärker
und stetiger von Niedersclilägen getränkt werden. Hierin besteht
die Eigentlnimlichkeit des dichten Cedrela-Walds [Cedar cmmtry "'l'
in Queensland, welcher die östlichen Gehänge der Küstenkette bekleidet,
wo die indischen Bestandtheile der Flora am reichhaltigstiiii
auftreten, wo zu reichen Laubkronen von tropischen Blattgestalten
Falmlianen hinaufranken und mit anderen Schlinggewächsen ein unzugängliches
Dickicht gebildet wird, in dessen Schatten die Farne,
auf dessen Verzweigungen die Luftorchideen gedeihen, aber wo auch
hochstämmige Araucarien mit den Meliaceen, Rubiaceen, Laurineen
und vielen andei '611 dikotylodoiiischen Büniiien gcnusclit wiichscii
iSo zeigt sich auch in dem dürren Australien, wie der geneigte Boden
dem vom Meere wellenden Passatwinde die Feuchtigkeit entzieht und
lur die Zwecke des Ptlanzenlebens verwertliet. Auch gilt Aehnliclies
von den iibrigen Oebirgslandschaften des Kontinents, die grösstentheils
unf den Siidosten nnd auf Tasmanien beschränkt sind, indem
mit der zunehmenden Bedentung der Flüsse aucli fenclitere Wälder
häufiger vorkommen. Aber diese geschlossenen Bestände werden
im Süden allmälig einförmiger, weil das kältere Klima nach nnd nacli
tropische Formen ansscheidet: Coniferen nnd einige lioclistämmige
Knkalypten sind nnn überwiegend. Anf dem hohen Gebirge von
Victoria wiederholt sicli die Flora der Insel Tasmanien, wo, an den
Abhängen des Mount Wellington, Darwin einen herrlichen Wald mit
düsterem Scliatten nnd in den fenchten Schlucliten die schönsten
Farnbäiime antraf i'), wo an den westlichen KiistenHüssen die kräf -
tigen, 8 0—1 0 0 Fns s liohen Stämme der ITuoniichte [Bacrydium
FrankUnii) anftreten. Wenn der Passatwind der Tropen nur bei
einer angemessenen Richtnng der Bergketten nnd nur an den ihm
zugewendeten Gehängen den Wasserdampf abgiebt, den er vom
Meere herbeiführt, so haben dagegen die Gebirge der gemässigten
Zone den Vorzug, dass der Wechsel der herrsclienden Luftströuiungen
sie von verscliiedenen Seiten ans befeuchten kann. Dieses Verliältniss
wird noch gesteigert durch die insulare La g e Tasmaniens,
Avo daher j ede atmosphärische Strömung ein Seewhid ist, der nicht
bloss die FeuchtiglTeit sammelt, sondern auch die Temperaturgegensätze
mässigt. Dies sind die Bedingungen, unter denen hier die
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Steppen und Wüsten. 223
Farnbäume den 42. Breitegrad überschreiten, während andere Tropenformen,
wie die Palmen, in Tasmanien nicht mehr fortkommen.
Wie sehr durch die tropischen Kegen nnd die feuchten Seewinde
die Flora an Holzgewächsen bereichert wird, erkennt man an
der Vertheilnng der Bänme in Australien. F . Müller') zählt gegen
!)50 Arten anf , die eine Höhe von wenigstens Fnss erreiclien,
von denen mehr als die Hälfte (526) in Queensland, über ein Drittel
(;^8r)) in Neusüdwales einheimisch sind. Diese Ziftern sinken im
Siidwesten (88) nnd in Südanstralien ((>B) unter hundert, im Innern
unter dreissig (29) herab, aber auch in Tasmanien, wo dnrch die
höhere Breite nnd die insulare La g e die Flora sich vereinfacht, wurden
noch nicht siebzig Baumarten (66) angetroffen. Die grösste
Stammhöhe zeichnet zuweilen denBanmwuchs in abgelegenen, feuchten
(Gebirgsschluchten von Victoria aus : einzelne Individnen ehies
Kukulyptus {IJ. amygdalma) sind hier anf nicht weniger als 47 0 Fuss
geschätzt worden nnd scheinen daher den höchsten Bäumen der
Krde, den kalifornischen Wellingtonien, gleich zu stehen.
J e mehr man sich den regenärmeren Gegenden des innern
und westlichen Australiens nähert, desto seltener werden die Holzgewächse,
und es beginnen die grossen banmlosen Steppen [opm
düwns nnd desi^rt). Von Sydney ans gelangt man jenseits der blanen
Berge bald zu den wellenförmigen Ebenen von Bathnrst, die, von
allem Banmwnchs entblösst, doch als Weideland grossen Werth besitzen.
Man kann solche Gegenden, die trockener sind, als die
Waldsavanen, als die Grassteppen Australiens bezeichnen, da der
Boden, wie dort, von einer Rasendecke mit eingemischten Standen
bekleidet wird. Ancli im tropischen Gebiet ist diese Formation
häufig und von grossem Werth : F . Müller beschreibt sie hier wie
sie bald mit wüsten Landschaften, bald mit dem Brigalow-Scrnb abwechseln,
nnd, wiewohl den grössten Theil des J ahr s liindnrch völlig
wasserlos, doch, indem sie vermöge ihrer reichen Erdkrnme den
Regen anfsangen, zn dieser Zeit eine üppige Vegetation von Kräutern
hervorbringen.
Die ärmeren Erdkrumen, wo die Feuchtigkeit nicht znrückgehalten
wird, oder wo die Niederschläge zu selten stattfinden, verknüpfen
die Grassteppe mit dem nackten Wüstenboden Australiens.
Die Vegetation wird hier fast ausschliesslich dnrch die Bestandtheile
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