
422 XX. Plora der tropischen Anden Südamerikas. Waldlosigkeit der peruanischen Küste.
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von allgemeinen, auf grossen Räumen wirksamen und von der Vegetation
ganz unabhängigen Einflüssen, von Bewegungen der Atmosphäre
oder Strömungen des Meers abzuleiten. ^ Im vorliegenden
Falle ist indessen kaum versucht worden^ einen Zusammenhang dieser
Art nachzuweisen^ durch welchen das trockene Klima der südamerikanischen
Westküste erklärt werden könnte.
Ausführlicher hat sich mit diesem Problem Kaimondy , ein
peruanischer Naturforscher, beschäftigt. Er erkennt, dass in Peru
durch die Bewegungen der Atmosphäre die Wolkenbildung gehindert
werde, und bemerkt, dass die Regenwinde fehlen, welche die Kordillere
in senkrechter Richtung treffen müssten, um Niederschläge
zu erzeugen. Aber er wirft ein, dass dies auch in Guayaquil und in
Chile der Fall sei, es müsse daher noch eine andere Ursache der
Regenlosigkeit der peruanischen Küste zu Grunde liegen, und diese
meint er in der sandigen Beschaffenheit des Bodens zu finden, über
dessen erhitzter Fläche die Wasserdämpfe sich nicht verdichten
könnten. Allein ungeachtet ihrer Bewaldung hat die Küste von
Ecuador ein bei Weitem wärmeres Klima als die peruanische, die
trotz ihres heitern Himmels nach Verhältniss der Polhöhe kühl ist.
Weder nachgewiesen ist sodann, noch anzunehmen, dass die regenlose
Zone mit einer gleichmässigen Beschaffenheit der Erdkrume zusammentrifft.
Nirgends sind die grossen Wüstenbildungen der Erde
von den physischen Eigenschaften des Bodens bedingt, die nach viel
kleineren Massstäben regellos wechseln. In andern Kontinenten beruhen
sie auf austrocknenden Luftströmungen, welche keine Verdichtung
des Wasserdampfs zulassen, hier aber grenzt das Meer, die
unerschöpfliche Quelle atmosphärischer Feuchtigkeit, unmittelbar an
das regenlose Litoral. Der Wasserdampf ist also vorhanden, aber
er verdichtet sich nicht, oder doch nur zu schwachen Nebelbildungen
im Winter.
Die Wolkenbildungen aus dampfreichen Seewinden hängen davon
ab, dass diese mit kälteren Körpern in Berührung treten, und
dazu bieten Küstenberge, wie der Tafelberg am Kap, die allgemeinste
Veranlassung. In Peru aber ist die Wärme des Festlands,
selbst bis zu beträchtlichen Höhen, doch noch höher, als die des
Meers, welches die Küsten bespült. Nach Humboldt^) war bei
Callao zu Anfang November die Temperatur des Meerwassers nur
12^,4 R., die der Luft 18 ^^2, der Unterschied betrug also beinahe
sechs Grade Réaumur. Dies ist die Bedeutung des antarktischen
Humboldt-Stroms, der aus hohen Breiten unaufhörlich kalte Wassermassen
herbeiführt und auf die kahlen Küsten Perus abkühlend einwirkt,
gerade entgegengesetzt, wie der Golfstrom auf Europa. Hier
ist das Meer selbst der kältere Körper, an welchem der Wasserdampf
sich verdichtet, hiedurch wird dem Seewinde die Feuchtigkeit entzogen
und von der gebirgigen Küste abgehalten. Für dieses Verhältniss
ist es eine entscheidende Thatsache, dass die kalte Humboldt-
Strömung den Kontinent genau in derselben Ausdehnung bespült,
wie dessen Küstenklima trocken ist. Bei Valparaiso in geringem
Abstände vorüberfliessend ^ trifft die Strömung bei Coquimbo (30*^
S. B.) das Litoral von Chile unmittelbar, gerade da, wo die Südgrenze
des regenlosen Klimas gesetzt wird, und sie begleitet nun die
Küste nordwärts bis zum Kap Blanco (4 ^ S. B.), also bis zu der
Breite, wo wieder tropische Regenzeiten beginnen. Den Einfluss des
Meeresstroms auf die gemässigte Temperatur des peruanischen Küste
hat bereits Humboldt gewürdigt. aber die Trockenheit des Klimas
dabei nicht in Betracht gezogen, die, wie schon die Guano-Lager
dei Chincha-Inseln zeigen, ebenso wohl auf dem Meere als auf dem
Lande herrscht. Dass die Verdichtung des Wasserdampfs, wodurch
die Atmosphäre über dem Humboldt-Strome ausgetrocknet wii'd, bis
jetzt nicht beachtet worden ist, hat wohl darin seinen Grund, dass
sie nicht, wie an festen Körpern, als Niederschlag in die Erscheinung
tritt. Mit einer Thaubildung vergleichbar, muss sie auf der kalten
Wasserfläche doch . unsichtbar und unmerklich vor sich gehen.
Denn die antarktische Meeresströmung wirkt durch ihre niedrige
Temperatur wie eine den Wasserdampf aus ihren Umgebungen anziehende
und sammelnde Oberfläche, welche die Atmosphäre auch
über der nahen Küste austrocknet .und nur dann, wenn im Winter
die Sonnenwärme abnimmt und der Sättigungspunkt des Dampfs in
Folge von abkühlenden Winden überschritten wird, die leichte
Nebelbildung der Garúas oder in weiterer Entfernung die wenig
ergiebigen Niederschläge der oberen Andesregionen zulässt. Wälder
und tropische Vegetationsformen können da nicht gedeihen,
wo die unorganische Natur in ihren ganze Zonen umfassenden
Bewegungen die erste Bedingung vegetabilischer Entwickelung,
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