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48 VI. iiulisclies Monsiiuü'cbiüt.
gebaute, innere Tafelland des afrikanischen Sudan bedecken, Die
Ursache kann darin erblickt werden, dass die Regenzeiten in Afrika
ergiebiger sind, als in Hindostán, wo der Niederschlag in Dekkan
schwach und anf drei Sommermonate beschränkt ist, indem dem
Südwestmonsun durch die zusammenhängende Küstenkette der Ghauts
der grösste Theil des Wasserdampfs entzogen wird. Die Bambnsen,
die für die indische Flora so charakteristisch sind, tlieilen zwar mit
den Savanengräsern das hohe Wasserbedürfniss, aber vermöge ihres
schnellen Wachsthums und, da ihre Erhaltung auch ohne Blüthenbildung
gesichert ist, können die kleineren Arten leicht einer lang
dauernden Dürre Widerstand leisten.
Von den klimatischen Bedingungen des Gebiets der Junglegebüsche
entwarf Jacquemont 4;!) eine anschauliche üebersicht. Im
grössten Theile Hindostans werde die Vegetation der meisten Pflanzen
durch die trockene Jahrszeit länger unterbrochen, als in Europa
durch den Winter. Die grossen Stauden, die Zuckerrohrpflanzungen,
die Gramineenrasen welken und verdorren im November und erst im
Junius oder Julius des folgenden Jahrs erwacht ihre Lebenskraft
auf's Neue. Das baumlose Tafelland von Puna in den Ghauts über
Bombay war noch im letzen Drittel des Junius dürr und verbrannt,
wie Steppenboden, die Erdkrume ohne Spur von Feuchtigkeit, gleichsam
glühend in den Sonnenstrahlen. Und doch grünte schon am
1. Julius die ganze Ebene, auch die nackten Felsblöcke hatten sich
mit Rasen in wunderbarer Schnelligkeit bedeckt. Hier dauerte damals
die Regenzeit bis Anfang September, der Niederschlag war
nicht bedeutend gewesen. Im Gegensatz zu dieser Dürre erschien
dem Reisenden die bengalische Küste als eine Ausnahme von dem
allgemeinen Charakter Hindostans. Als er in der ersten Woche des
Mai zu Calcutta landete, war der Rasen fast ebenso grün, wie zur
Zeit der stärksten Niederschläge im August. In Bengalen bleibe der
Erdboden das ganze Jahr grün, weil die Feuchtigkeit von diesen
Ebenen so langsam abfliesse, dass das Grundwasser während der
trockenen Jahrszeit sich nahe an der Oberfläche hält, und weil auch
im Winter dichte Nebel, in den heisstrockenen Frühlingsmonaten
vorübergehende Gewitterschauer eintreten.
Nachdem wir nun in der Richtung vom östlichen Himalaja
bis zum Tafellande von Dekkan die Vertheilung der Wald- und
Kulturboden. 49
Gebüscl)juugies und der den ersteren untergeordneten Savanen als
eine klimatische erkannt haben, sind die übrigen Landschaften des
Monsungebiets nur als Wiederholungen aufzufassen, deren Bedeutung
leicht verstanden wird. Der geneigte Boden der Abhänge des
Tafellandes und der Gebirge fördert überall die Niederschläge und
Wolkenbildungen, wenn er den herrschenden Seewinden zugewendet
ist, wie an den Ghauts, oder wenn er doch wenigstens unter ihrem
mittelbaren Einflüsse steht, wie an der Abdachung gegen die nördliche
Tiefebene. An der Westküste Hindostans verlängert sich die
Regenzeit mit abnehmender Polhöhe bis zur Insel Ceylon, hier erreichen
daher, je weiter man südwärts fortschreitet, die Junglewälder
eine ähnliche Ausbildung, wie auf dem östlichen Archipel. Gerade
entgegengesetzt verhält sich die östliche Küste von Koromandel, wo
in den südlicheren Breiten die Regenperiode schwach ist und vom
Wintermonsun abhängt, von hier aus aber nordwärts die Bewaldung
zunimmt, weil Orissa schon von der bengalischen Aspiration berührt
und von den hiedtirch abgelenkten Seewinden stärker getroffen wird.
Die Vegetation im Innern der malayischen Halbinsel ist noch wenig
erforscht: doch finden wir auch hier die Junglegebüsche in dem
trockenen, von Gebirgsketten eingeschlossenen Ava, in Siam und
Cochinchina scheinen die Wälder überall vorzuherrschen wenn sie
auch nicht das üppige Wachsthum des Archipels erreichen.
Die Veränderungen, welche die Kultur des Bodens in der Physiognomie
der indischen Landschaft hervorgebracht hat, sind weniger
gross, als in den Waldgebieten der gemässigten Zone, wo der Ackerbau
das Klima in höherem Grade beeinflusst. Da unter den Tropen
die Palmen, der Pisang, der Brodbaum eine Masse von Nahrungsstoffen
liefert, die fast ohne menschliche Anstrengung zu Gebote
stehen, kommt den Baumkulturen eine überwiegende Bedeutung zu,
die an die Stelle des Waldes treten, nicht aber in den offenen Landschaften
Hindostans, deren Bewohner auf den Feldbau angewiesen
sind. Nicht einmal die Fruchtbäume gedeihen hier, der Mango
{Mangifera indica) ist, wie Hooker 41) bemerkt, vielleicht die einzige
Frucht, die zur vollendeten Veredlung sich ausbildet. Der heisse
Frühling, der der Reife der Baumfrüchte zu Gute käme, ist nicht die
Jahrszeit der Entwickelung von Holzgewächsen, die in der Regenperiode
blühen. Im östlichen Himalaja sind die Nebel des Winters
G r i s e b a c l i , Vegetation der Erdo. II. 4
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