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Europas, denen sie übj-jgens in 80 vielfachen Bezieinmgen ihrer Bildungsweihe
ähnlich sind. Die Wiesen, wie sie im Norden die Flüsse
begleiten und über deren Ueberscliwenimungsgebiet sich ausdehnen,
sind auf das iiiessende Wasser angewiesen, um die dem Graswuchs
entsprechende Menge mineralisclier Bestandtheile zu empfangen,
welche in den Quellgebieten unaufhörlich aus dem Innern der Erde
geschöpft wei'den. Die Waldwiesen sogar verdanken ihre Entstehung
oft nur dem llinnsal eines Baches, welcher in den Tiefen der Gebirgsrücken
seinen Ursprung hat. Solche Zuflüsse sind in Australien
nicht vorhanden, am wenigsten dauernd ergiebige, und hier gerade
ist das Grasland von Flusslinien unabhängig und über grosse Tiefebenen
weitlänftig ausgedehnt. Ernähren sich also hier die Gramineen
nur aus der oberilächlichen Erdschicht, in welche ihre Wurzelgeilechte
eindringen, so reichen dagegen die Organe der hochstämmigen
Bäume zu einer verhältnissmässig viel grösseren Tiefe und
haben daher einen weiteren Spielraum, der Erde Mineralstoffe zu
entziehen und auf ihren Blättern abzulagern. Das Laub aber wird
dadurcli, nachdem es endlich abgeworfen und verwest ist, auf die
oberflächliche Erdschicht und auf den Grasrasen wohlthätig ehiwirken.
Die Bäume erweitern die Vorräthe der unorganischen
Natur, zwischen ihnen und den Gramineen hat sich allmälig jenes
Gleichgewicht hergestellt, wie wir es vor xiugen haben. Die Bäume
werden, je nach den Schollen wechselnd, dort vorzugsweise keimen
nnd gedeihen, wo das tiefere Erdreich von früheren Generationen
noch unberührt war, aber nach langen, unermesslichen Zeiträumen
müssen endlich auch die letzten Bodenschichten, die von ihren Wurzeln
berührt werden können, sich erschöpfen: so mag zuletzt der
Wald mit seinen reichen Gründen durch den Scrub verdrängt werden
oder in öde Steppe sich verwandeln. Die Waldsavanen Australiens
scheinen daher, auch wenn die Kultur sie niclit antastet, zu
den Formationen von säkularem Wechsel zu gehören, während die
Gebirgslandscliaften der Erde unvergängliche Bestände erzeugen
können, weil ihre letzten Nahrungsquellen, die Gesteine, die das
Wasser auslaugt, in grösserer Tiefe liegen.
Der Charakter des Scrub oder der australischen Gesträuchdickichte
beruht darauf, dass der Erdboden unter Ausschluss von
Kräutern und Gräsern dicht mit den verschlungenen Sträuchern der
Proteaceen- und Erikenform bedeckt ist, aus denen hier und da
auch wohl Bäume hervorragen. Diese Holzgewächse sind von sehr
verschiedener Jlölie, einzelne Eukalypten wetteifern mit den Bäumen
in der Waldsavane, an anderen Orten |z. B. auf den Sand-plains
von Südaustralien ")] bleibt der ganze Scrub unter Mannshöhe zurück.
Pflanzen der verscliiedenstcn Familien treffen im äusseren
Ansehen so zusammen, dass sie ohne Blüthe und Frucht nicht sicher
zu unterscheiden sind. Die Grenzen der Gestaltung sind eng gezogen
: nur in der Blattgestalt gestattet die Natur sich eine grössere
Mannigfaltigkeit, vom Eirund durch die Lanzettform bis zur Nadel,
von der dichtesten Gedrängtheit durch alle mögliclien Nüancen bis
zum kahlen, blattlosen Zweige. Während das Grasland bei scheinbarem
Reichthnm nur wenige, gesellige Arten besitzt und diese auf
weiteren Käumen in auffallender Uebereinstimmung, findet sich im
Scrub eine unendlich viel grössere Mannigfaltigkeit; der höchst einförmige
Jlabitus verbirgt die grösste Fülle der Gestaltungen im Einzelnen
; jede Oertlichkeit hat ihre eigenthümlichen Bildungen vor
anderen voraus, die scheinbar ganz dieselben Verhältnisse darbieten ;
einzelne Gattungen sind hier an Arten unerschöpflich zu nennen
(Eucal't/j}tus\ Acacia, Mekd(mca, Fimelea, Grevillea, Hahea n. a.). Die
Bestandtheile des Scrub übrigens im Einzelnen aufzählen, hiesse die
Dikotyledonen der australischen Flora zum grossen Theil zusammenstellen.
Dennoch stellt sich das Ganze immer als dasselbe einförmige,
undurchdringliche, unheimliche Dickicht dar. Selbst die
Regenzeit ändert wenig an diesem physiognomischen Bilde : »es kann
wenig welken, wo wenig spriesst, und jeder Monat sieht dasselbe
wüste Gedränge starrer, saftloser nnd unter einander grösstentheils
übereinstimmender Formen«"). Wie bei den Bäumen der Waldsavanen
wird auch hier die nasse Jahrszeit vorzüglich znm Wachsthum
der vegetativen Organe verwendet und die meisten Sträucher
blühen erst, nachdem die Regen vorübei- sind. Aber doch ist der
Scrub in keinem Monate ganz ohne Bliimen: in der nassen Jahrszeit
blühen namentlich die. so mannigfaltigen Epacrideen. Späterhin
»sieht man dann mit Erstaunen, wie das heideartige Gestrüpp, das
oft in seiner einförmigen Sonderbarkeit nur wenige Arten desselben
Geschlechts verhiess, sich piötzlicli mit Blüthen des veri-jchiedensten
Baus schmückt^', die nun unter stetem Wechsel, aber allmäliger
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