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300 XVII. Südamerikiuiisches Gebiet diesseits des Aequntors.
hören Hiich an der pacifisclien Seite des Istlimus die Savanenbildungen
auf. Hier aber treten nun in südlicher Richtung neue Bedingungen
ein, um den üeberfluss des Regens zu verstärken, die äquatoriale
Breite und die Hebung der die Küste begleitenden Kordilleren von
Neu-Granada. Je mehr man sich dem Aequator nähert und die
Zenithstände der Sonne daher einen grösseren Theil des Jahrs beherrschen,
desto mehr verlängert sich die Zeit der Niederschläge.
In Panama dauern sie bereits wenigstens acht Monate (vom April
bis December), im südlichen Darien, sowie an den Baien von Cupica
(7 0 N. B.) und Choco (4« N. B.) benetzen sie fast unaufhörlich das
ganze Jahr hindurch den Boden 4). Diesseits und jenseits des Aequators
(4 0 N. B. bis 4 o S. B.) selbst aber nimmt die Dauer der Regenzeit
an der Küste von Ecuador wiederum in raschen üebergängen
ab, nun wechseln öde Strecken mit den bewaldeten, bis plötzlich bei
Tumbez [4» S. B.] 5) das regenlose Florengebiet Perus beginnt,
welches hier den Wäldern eine Grenze setzt. Die pacifischen Küstenlandschaften
werden durch die vorliegende Kordillere gegen den
Passat geschützt, der erst auf hohem Meere in einer beträchtlichen
Entfernung vom Festlande wiedererscheint: aber die westlichen
Seewinde, welche die Erwärmung des Festlands erzeugt und deren
Wasserdampf sich an den Gebirgsabhängen niederschlägt, sind ebenfalls
geeignet, lange Regenzeiten zu erzeugen. Weshalb dies an der
peruanischen Küste nicht der Fall ist, wird in dem Abschnitt über
die Anden zu erklären versucht werden. Die Flora dieses nördlicher
gelegenen, feuchten Literals ist weniger bekannt, als die des Isthmus,
in welche sie jedoch allmälig übergeht.
Ueberau fanden wir in den Küstenländern Südamerikas diesseits
des Aequators, dass die Verbreitung der Wälder von der Feuchtigkeit
bedingt wird, welche das Meer dem Festlande zuführt. Aber
entgegengesetzt verhält sich das Innere des Kontinents, wo die
grossen Savanen von Guiana und Venezuela, die unermesslichen
Llanos, welche Humboldt so plastisch geschildert hat, einem schroffen
Gegensatz trockener und nasser Jahrszeiten entsprechen, der vom
Stande der Sonne abhängig ist. Hier ist der Einfluss des Meers gehemmt,
weil die Gebirgsketten und Wälder den Seewinden den
Wasserdampf entzogen haben. In dem weiten Gebiete von Tiefebenen
zwischen dem östlichen Fusse der Anden von Neu-Granada
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Llanos u. Savanen, — Absonderung der tropisch, Floren Amerikas, 361
und den Wäldern des atlantischen Küstenlandes herrscht, so lange
der nordöstliche Passat weht, die grösste Trockenheit: es ist die
Zeit, wo die Savanen wie leblos zu ruhen scheinen, und erst, wenn
mit dem Zenithstände der Sonne das Wärmecentrum in diese Flächen
selbst eintritt, bringt der südhemisphärische Südwest, wie in Sudan,
ans den feuchten Aequatorialwäldern die Regenzeit, welche das
Leben der Vegetation erneuert. Diesen Savanen , die nach Norden
•und Westen bis an den Fuss der Gebirge reichen, treten in den beiden
anderen Himmelsrichtungen die Wälder des Tieflands entgegen,
im Süden, im Gebiete der Bifnrkationen des Orinoko und Amazonas,
in einer so mächtigen Ausdehnung, dass dadurch der Austausch der
Pflanzen mit denen der klimatisch verwandten Campos Brasiliens
fast vollständig verhindert wird. Hier kann die Südgrenze der Savanen
von Venezuela etwa unter den sechsten Grad nördlicher Breite
gesetzt werden, wo Humboldt, den Orinoko hinauf fahrend, die
Wälder von Atures betrat, die in allmäligen üebergängen in die des
Amazonenstroms hinüberführen (6 —2 o N. B.). Die noch viel entschiedenere
Vegetationsgrenze auf der pacifischen Seite des Kontinents,
welche durch die Regenlosigkeit der peruanischen Küste bedingt
wird, rückt hingegen, wie bemerkt, einige Grade südwärts
über den Aequator hinaus. Zwischen diesen beiden so ungleichen
klimatischen Wendepunkten aber ist die Erhebung der Anden so
übereinstimmend gebildet, dass die Flora dieses Gebirgs sich fast
unverändert bis zum Isthmus fortsetzt. Durch die Meridianzone der
Kordilleren wird, wie durch einen Keil, die Vegetation des Magdalenenthals
von der Westküste Neu-Granadas abgeschieden.
Tegetations-Formeii und Formationen. Wenn wir in
der alten Welt die Tropenländer in weitem Umfange zusammenfassend
und bei aller örtlichen Verschiedenheit durch die Vermischung
ihrer Erzeugnisse verbunden darzustellen versuchten, in Amerika
dagegen eine grössere Reihe von abgesonderten Floren unterscheiden,
so ist damit nicht gemeint, dieser Kontinent sei einem grösseren
klimatischen Wechsel unterworfen oder mannigfaltiger gegliedert,
als das indische Monsungebiet, sondern diese Auffassung hat darin
ihren Grund, dass der Austausch der Vegetationscentren durch den
Küstenumriss, die Gebirge und das Klima dort in weit höherem
Grade erschwert wird. Von der grossen Mehrzahl der in den ein-
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