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Pampasgräser. — Eingewanderte Disteln. — Vertreter trop. Formen. 459
Wassers kaum von etwas hellerem Grün belebt. »Der Fltuch der
Unfruchtbarkeit liegt auf dem Lande«, sagt er, »und, die Gewässer,
die über ein Bett von Gerollen iiiessen, theilen diesen Fluch«.
Tegetatioiis-Formen und Formationen. Da die allgemeine
Physiognomie der argentinischen Landschaften aus der bisherigen
Darstellung sich bereits ergiebt, so sind nun zur Vervollständigung
jenes Bildes nur noch die herrschenden Bestandtheile der
Vegetation nach ihrer Form und Anordnung zu beleuchten. Ein
Reisender nennt die Pampasebenen ein uferloses Meer von Gräsern,
wo das Auge am Horizont keinen Ruhepunkt findet, ausser wo
die Sonne aufgeht und niedersinkt. Es mag wohl keine Steppe auf
der Erde geben, die auf so weiten Räumen so gleichmässig von dem
reinen Grün des Rasens bekleidet wird. Selbst im Winter erschien
im Süden des Salado die Ebene freudig grünend, keine Wiese »könne
einen erfrischenderen Anblick gewähren«. Bei Montevideo^) hat
der Graswuchs dieselbe Höhe, wie auf trockenen Wiesenmatten
Europas : jenseits des Parana werden die Büschel in den Pampas
gewöhnlich kniehoch und lassen, wie in den russischen Steppen,
überall Lücken kahlen Erdreichs zwischen sich, die indessen bei der
Fernsicht nicht bemerkt werden. Eine Wiese wird durch fliessendes
oder Grund-Wasser gleichmässig getränkt, hier aber muss der Thau
genügen, wenn der Regen ausbleibt, und es bleiben unbewachsene
Zwischenräume unter den Rasen übrig. Wir sind noch nicht von
den Grasarten der Pampas im Einzelnen, sondern nur davon unterrichtet
, dass auch hier die Gruppen mit starren Organen [Stißa '
neben den zarteren und nahrhafteren Gramineen [den Poaceen und
Avenaceen auftreten, also eine Uebereinstimmung nicht mit den
tropischen Savanen, sondern mit den Steppen unserer Hemisphäre
stattfindet. Auch pflegt man, nachdem die Samen gereift sind und
die Stauden anfangen am Grunde holzig zu werden, die Pampa«, wie
'die russische Thyrsa, abzubrennen, um das Wachsthum der feineren
Gräser zu befördern.
Die wenigen, einheimischen Stauden, welche die Pampasgräser
zu begleiten pflegen ^ß), sind nach dem Boden ungleichmässig vertheilt
. Ihre Seltenheit scheint eine Folge vom Thongehalt der
Alluvionen zu sein, vermuthlich weil ihre Samen in dem erhärtenden
Boden schwer keimen. In Corrientes ist die Grasebene da, wo die
Erdkrume eine sandige Beschafi^enheit hat, im Frühling reich mit
farbigen Blüthen geziert, unter denen die kleinen Mimosen und andere
Leguminosen schon die Nähe der Savanen von Paraguay andeuten.
Können aber im Allgemeinen in den Pampas die Kräuter
neben den Rasen bildenden Gräsern zu keiner rechten Ausbreitung
gelangen, so ist dies mit einigen Gewächsen, die aus Südeuropa eingewandert
sind, in um so grösserem Masse der Fall gewesen und dadurch
das Ansehen der Landschaft oft völlig verändert, der Werth
der Weide wesentlich beeinträchtigt worden. Auf weiten Flächen
haben sich einige Disteln [Cynara, Sihjbum, Lappa) und eine Doldenpflanze,
der Fenchel {Foeniculum), angesiedelt. Die Artischockendistel
[Cynara Cardunculus) hat auf vielen Quadratmeilen 17) den
Graswuchs völlig verdrängt, und sie bildet so undurchdringliche, über
mannshohe Dickichte, dass dadurch, so lange sie in voller Vegetation
stehen, gewisse Landstriche gegen die Raubzüge der Indianer aus
dem Chaco gesichert werden 9). Nur in jungem Zustande sind die
Disteln als Futter brauchbar, später machen die Dornen sie werthlos,
und sie sind ein nicht zu beseitigender Nachtheil für das Land. Auf
den Niederlassungen in den Pampas und mit den Versuchen des
Ackerbaus wächst die Gefahr des Verdrängens der Gräser durch
fremde und weniger nutzbare Pflanzen, deren Samen, vom Winde
oder mit den Getraidekörnern herbeigeführt, leichter aufgeht, wenn
der lockere Untergrund durch die Bearbeitung des Bodens aufgewühlt
worden ist, weswegen man auch gewisse Ruderalpflanzen stets der
Anlage von Gehöften folgen sieht. Von der Artischockendistel weiss
man, dass die ersten Samen um das Jahr 1769 in den Haaren eines
Esels von Spanien kamen, und wenn man jetzt sieht, wie sie in
einem zwar ähnlichen Klima, aber doch viel kräftiger, als in ihrer
Heimath, und in einer dort unbekannten Geselligkeit sich ausgebreitet
hat, so erkennt man darin einen der anschaulichsten Beweise für die
Einheit der Vegetationscentren. Denn wie könnte solchen Erscheinungen
gegenüber die Meinung aufrecht erhalten werden, dass die
Arten der Pflanzen überall entstanden seien, wo die physischen Bedingungen
ihrem Fortbestehen entsprechend sind.
Unterbrochen wird ferner die so gleichmässig gebildete Grasflur,
wo das fliessende Wasser kein hinreichendes Gefälle hat. Hier
erhebt sich Rohrgras 5) so hoch, dass es zwar nicht einen Reiter, je-
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