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524 XXIV. Oceanische luseln.
angestochen, wie eine Quelle zum erfrischenden Getränk dasselbe
ausfliessen lassen. Unter den Epiphyten sodann hat eine häufig vorkommende
Orchidee [Angraecum sesquipedale) durch die Grösse ihrer
Blumen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, die, 7 Zoll im Durchmesser,
einen Sporn bis zu anderthalb Fuss Länge tragen, unter den
Wasserpflanzen die Ouvirandra, deren längliche Blätter aus einem
durchbrochenen Adernetz, wie aus Spitzengewebe, gebildet sind.
In den Wäldern der Küstenniederung sind die herrschenden
Bäume aus afrikanischen und asiatischen Formen gemischt: an Sudan
erinnern die überall vorkommenden Acacien^i)^ an den indischen
Archipel die Pandanusform und die Casuarinen. Nicht bloss in der
eingewanderten, sondern auch in der endemischen Vegetation, an
der Küste, wie in den Bergwäldern zeigt sich diese zwiefache Richtung
der Bildungen, die dadurch erklärlich wird, dass Madagaskar
nach seiner geographischen Lage mit Sudan verbunden ist, in seinem
Khma dagegen Indien näher steht. Dem Charakter der afrikanischen
Flora entspricht die geringe Zahl der Palmen (6): eine der
grössten Arten [Raphia Ruffia), durch ungewöhnlich lange Blätter
ausgezeichnet, begleitet jedoch allgemein die Laubhölzer, eine andere
[Areca madayascariemis) gehört zu einem indischen Typus, die
übrigen bilden eine eigenthümliche Gattung von kleinen Rohrpalmen
{Dypsis). Selbst mit dem Kaplande verknüpft sich die Flora durch
eine auch dort einheimische Gattung von Eriken [Philippid) , deren
Maquis am Rande des Urwalds im Gebirge auftreten ^i). Den.
feuchten Landschaften Indiens entspricht die Physiognomie der
Wälder, die Masse der Farne: sogar eine besondere Art von Nepenthes
ist hier, wie in Ceylon und auf den Seychellen, aufgefunden
. Die Bergwälder sind von holzigen Lianen durchrankt,
ein unzugängliches Dickicht von Unterholz erfüllt sie, auch ist dies
der Standort der Farnbäume: weniger häufig sind an den hohen
Laubholzbäumen die Epiphyten, sie bestehen oft nur aus Farnkräutern.
Die Bambusenform bezeichnet endlich den Vegetationsgürtel
über der Region der Ravenala und der Ruffia-Palme. Die
Savanen scheinen den afrikanischen ähnlich zu sein, aber auch in
ihnen findet man noch gesellige Farnkräuter [Osmunda reyalis).
Wahrscheinlich ist der grössere Theil der einheimischen Pfian-
5:en endemisch : man erkennt dies an der Menge der Madagaskar
Maskarenen.
eigenthümlichen Gattungen, von denen man bereits hundert unterschieden
hat, die sich über etwa 40 Familien vertheilen. Du Petit
Thouars hat der Insel sogar eine endemische Familie, seine Chlaenaceen,
zugesprochen, die indessen nur aus wenigen und wenig bekannten
Arten besteht: zwar wird sie allgemein als selbständig anerkannt,
ohne jedoch nach ihm näher untersucht zu sein, und nach
ihrem Bau möchte sie wohl nur als eine Gruppe anomaler Gattungen
in die Nähe der Tiliaceen zu stellen sein. Eine Mehrzahl von endemischen
Gattungen wurde aus Madagaskar in folgenden Familien
beschrieben: den Synanthereen (14), Apocyneen (7), Melastomaceen,
Rubiaceen und Euphorbiaceen (je 6), den Asklepiadeen (5),
Acanthaceen (4), Orchideen (3). In neun Familien sind je zwei, in
den übrigen nur einzelne eigenthümliche Gattungen enthalten.
8. Maskarenen. Ueber Madagaskar hinaus liegen in einer
Entfernung von etwa 80 und 100 g. Meilen die beiden Maskarenen
Bourbon und Mauritius, vulkanische Inseln von mässigem Umfange
*(75 Q.-M.), die erstere zu hohen Krateren (9450 Fuss), die letztere
weniger beträchtlich (zu 2300 Fuss) sich erhebend. Klima und Vegetation
sind auch hier, in der Nähe des Wendekreises (20 —21 ^
S. B.), durchaus tropisch und Madagaskar ähnlich; die Regenzeit
dauert in Mauritius 5 Monate [December bis April 43) ] ^ aber an
Dürre leiden die Inseln niemals, ihr Haupterzeugniss ist Zuckerrohr.
Die natürliche Bewaldung, von den Reizen einer der anmuthigsten
Tropenlandschaften geschmückt, ist in Mauritius durch die Kultur auf
die Berge zurückgedrängt, in Bourbön durch Lavafelder eingeschränkt,
und hier ist auch die dem Passatwinde zugewendete Seite
feuchter und fruchtbarer.
Die Verwandtschaft mit Madagaskar, durch einige gemeinsame
Gattungen angedeutet, geht noch bestimmter aus den ähnlichen Beziehungen
zu Afrika hervor, aber die meisten Bestandtheile der
Flora, sofern sie nicht aus Sudan oder Indien einwanderten, sind
den Maskarenen durchaus eigenthümlich. Du Petit Thouars der
seine Untersucliungen auch auf Madagaskar ausdehnte, sammelte
auf den Maskarenen 1000 einheimische Pflanzen, von denen die
Hälfte endemisch war. Die reichere Ausbeute gab ihm Bourbon,
welches durch seine Hochgebirge bevorzugt ist: hier fand er 200
Arten, die nicht in Mauritius vorkommen, aber auch die letztere