
404 XIX. Brasilien.
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oder Potreros, wenn sie von Wäldern eingeschlossen werden. Aixcli
die Wälder besitzen nicht mehr den Formenreichthnm Brasiliens,
oft bestehen sie nur ans Algaroben^ derselben Gattung von Miraoseen,
wie in Texas [Prosdpis). In der Ebene von Gross-Chaco sodann
und am Paraguay, wo die Pantanals bei Nueva Coimbra aufhören
(21 ö S. B.), ist der sandige oder sumpfige Boden oft salzhaltig,
er wird von einförmigen Beständen der brasilianischen Wachspalme
{Copermcia cerifera) oder von Algaroben bewaldet. Ein Palmenwald,
der, wie der der Dattelpalmen Afrikas, für sich bestellt,
eine in Amerika übrigens so seltene Erscheinung, tritt hier in noch
viel grössern Verhältnissen auf, als dies in den östlichen Landschaften
mit ihren Mauritia-Palmen der Fall war. Die Bedingungen
möchten nicht sowohl im Klima, als in der Bewässerung und tiefen
Lage dieser weiten Ebenen begründet sein.
Yegetationsformen. In den Urwäldern der Küstenlandschaften
Brasiliens, von den Höhen der Sierra do Mar bis zu den
Mangrovebildungen am Meeresufer, sind die Vegetationsformen die
nämlichen, wie in anderen feuchtwarmen Klimaten des tropischen
Amerikas. Aber in den höheren Breiten wird der Eindruck der
Ueppigkeit und Mannigfaltigkeit des Pflanzenlebens im Gegensatz
zui* Frondosität der Hylaea durch das häufigere Auftreten von grossen
und schöngefärbten Blüthen erhöht, sowie auch der Blumenreichthum
in den Savanen des Tafellandes eine Eigenthümlichkeit Brasiliens
ist. Von den Prachtgewächsen der Küstenwälder erwähnt Martins
mehrere Rutaceen [Erythrockiton, Almsidea) und Mutisiaceen [St-iftia,
Mutlsia) . Die letztere Gruppe, die Synanthereen mit Lippenblüthoii
überhaupt, sind charakteristische Erzeugnisse der Vegetationscentren
Südamerikas, wodurch dieses Kontinent mit den Holzgewächsen
einiger oceanischer Inseln des atlantischen und stillen Meers verknüpft
wird.
Die Palmen der feuchten Wälder mit langen Regenzeiten stehen an
Mannigfaltigkeit der Bililungen denen der Hylaea nur wenig nach, aber
auch die Campos werden von einigen besonderen Arten bewohnt
Unter den grösseren Formen überwiegen in Brasilien die Cocoineen
(Cocos, Attalea) ^ bei den kleineren ist die Bewaffnung mit Stacheln
häufig {Bact7ns) und mehrere zeigen zugleich ein lianenartiges Wachsthum
{Desmoneus)\ Farnbäume bewohnen die schattigen Bergab-
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Baumformen und Bestandtheile der Wälder. 405
hänge der Serra do Mar bis über den Wendekreis hinaus, fehlen
aber in einem grossen Theile Brasiliens : bemerkenswerth ist ein
Farnbaum am Orgelgebirge bei Rio {Hemitelia polypodioides) wegen
seiner nahen Verwandtschaft mit einer Art des Kaplandes. Die Formen
der Bambusen [Guadua) und des Pisang {Heliconia) verhalten
sich ähnlich, wie in den übrigen Floren Südamerikas. Dasselbe gilt
auch von den dikotyledonischen Bäumen der immergrünen Urwälder:
als besondere Erzeugnisse der Lorbeerform verdienen die Vochysiaceen
und die Ochnaceen [Luxemhirgia) erwähnt zu werden, sowie
die Leguminosen der Tamarindenform, welche die werthvollsten
Nutzhölzer liefern (Dalbergieen und Caesalpinieen, namentlich Jacaranda
von Dalbergia nigra 24) und Brasilieuholz von Caesalpinia echinata).
Die Fülle von Lianen und Epiphyten in den Wäldern der
Küstenzone, wie sie von Rugendas 25] „ach ihrer malerischen Wirkung
und von Martins 2<i) nach dem Wechsel ihrer Formen dargestellt
wird, findet ihres Gleichen vielleicht in keinem andern Tropenlande.
In den Wäldern der Campos sind diese Gewächse weniger formenreich,
unter den Epiphyten gedeihen hier besonders die parasitischen
Loranthaceen, die atmosphärischen Orchideen sind hier so
selten, dass das Vorkommen einer Art im Inneren der Provinz Ceara
als ein ganz vereinzeltes erwähnt wird^s). in den Catingas ist die
Loranthusform vermöge ihrer immergrünen Belaubung und wegen
ihrer Häufigkeit eine besonders auffallende Erscheinung, weil die
Bäume selbst, auf denen sie wachsen, ihre Blätter in der trockenen
Jahreszeit grösstentheils verlieren. -Der Sykomorenform angehörend,
wie in den Wäldern Afrikas, sind die Baumbestände hier aus ganz
verschiedenen Familien zusammengesetzt und diese in einer weit
grösseren Mannigfaltigkeit vertreten. In den nördlichen Campos ist
eine Bombacee [Chorisia ventricosa) häufig, deren Stamm nach der
Mitte zu tonnenförmig aufschwillt, sie gleicht in ihrem Wachsthum
den Sterculien im tropischen Australien {St. sect. Brachychiton).
Vor allen anderen Holzgewächsen zeichnen sich in dem Savanenklima
die Liliaceenbäume durch ihr geselliges Vorkommen aus
•( VaÜosia, Barhacenid), welche auf den nackten Hügeln und sonnigen
Hochebenen der Gold- und Diamantendistrikte das Tafelland bewohnen
und im Niveau von 2000 bis 4000 Fuss allgemein verbreitet
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