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ein Reisender 2') den Baobab eine schattenlose Ruine nennt, ein Vergleich,
der wm so passender erscheint, als die Stämme oft im Inneren
absterben. Wenn man ferner erwägt, wie vielNahrungsstoif so grosse
Holzmassen bedürfen, und dass der Baum im Sennaar vom December
bis zum Junius wirklich wie eine Ruine dem Leben entzogen und laublos
dasteht, so scheint ein Missverhältniss zu bestehen zwischen der
Thätigkeit der Blätter und dem Wachsthum des Stamms. Perrotet22)
hat daher nicht ohne Scharfsinn die Meinung ausgesprochen, dass die
saftreiche Oberhaut der Zweige, wie bei den Succulenten, an der
Thätigkeit der Blätter Theil nehme. Auch die Bildung der Holztafeln
am Grunde des Stamms (S. 19) findet sich am Baobab besonders
stark entwickelt: hier entsprechen sie in ihrer Lage den Hauptästen,
von denen sie wie Rippen herablaufen, bis sie zuletzt am
Boden stärker a n s c hwe l l e n 27). Diese über den Wurzeln vorspringenden
Leisten scheinen stets mit der Holzmasse und dem Gewichte
von Stamm und Krone in einem gewissen Verhältniss zu stehen und
kommen auch bei andern Bäumen vor (z. B. bei Sterculia cinerea),
die nach ihrer Blattgestalt an die Bombaceen sich anschliessen.
Das Laub der Sykomore [Ficus Sycomorus) ist ein treuer Ausdruck
des Klimas von Sudan. Dieser Baum, den die Kultur längs
des Nil bis zum Mittelmeer verpflanzt hat, ist eine bedeutende Erscheinung
in den nordöstlichen Landschaften und wird am Niger
und bis nach Natal durch entsprechende Arten vertreten. Von ihm
sagt Forskal, seine Krone sei so schön belaubt, dass sie einen Raum
von 40 Schritt Durchmesser beschatte. Aber leicht verliert er die
Blätter und steht geraume Zeit unbelaubt da. Linné behauptete sogar,
dass die Sykomore zweimal im Jahre das Laub verliere. Die
abgerundeten, gedrängten Blätter unterscheiden sich von der Buchenform
durch ein festeres und starres Gewebe, von dem Lorbeer durch
ihre Vergänglichkeit und matteren Glanz, von den Eukalypten
Australiens ebenfalls durch ihre periodische Entwickelung und eine
zartere Oberhaut. So erscheint ihre Bildung, diese drei Formen
gleichsam in der einen oder anderen Richtung wiederholend, besonders
geeignet, in einer dampfarmen Atmosphäre zu gedeihen, die
aus der geringen Saftfülle nur langsam das verdunstende Wasser
entbindet, und zugleich dem Wechsel der trockenen und' nassen
Jahrszeiten sich zu fügen. Aber die Sykomore ist nur ein einzelnes
Sykomorenform. — Bauyauen- und Mangroveform. — Lorbeerforni. 123
Beispiel unter zahlreichen Holzgewächsen, die mit ähnlicher Organisation
des Blatts den periodischen Laubfall verbinden. Unter diesen
bezeichne ich als Sykomorenform die höheren Bäume, die jedoch
Avegen mangelnder Beobachtungen noch nicht in allen Fällen von der
Lorbeerform zu scheiden sind. Für die niederen Gewächse von
ähnlicher Blattbildung, die als Gesträuch oder höchstens als Zwergbäume
auftreten, ist die Familie der Capparideen besonders bezeichnend,
und ich wähle für sie nach einem charakteristischen Vertreter
derselben den aus der arabischen Sprache entlehnten Namen
Sodadaform. Die Sodada selbst [S. decidua) bildet an den Gestaden
des rothen Meers und in den Nilländern meistens Gebüsche mit bläulich
gefärbten Dornzweigen, deren ärmliche Organe auf ein trockenes
Klima hinweisen. Barth28) bemerkt, dass dieses Gewächs die nördlichen
Gegenden des innern Sudan (20—15 0 N. B.) allgemein
charakterisirt, und dass es am Niger bei Tombuktu zu baumartigem
Wuchs sich entwickelt.
Die Banyanenform ist Ostindien und Sudan gemeinsam. Der
gleichen Gattung [Ficus) angehörig, vermittelt sie auf dem trockenen
Boden des Binnenlands durch ihr Laub die Sykomoren mit den Rhizophoren
des Mangrovewalds, der die afrikanischen Küsten umsäumt,
wie in anderen Tropenländern. Im Süden des Tsad-See
(10" N. B.) fand der jüngere Vogel29) die Banyanen sehr zahlreich
in den Wäldern verbreitet, Stämme oft von 8 Fuss Durchmesser und
Kronen von grossem Umfang, bis zu 100 Fuss breit. Auch in Londa
(12 0 S. B.) kommen sie vor^O). Eine Beobachtung Hartmann's^9)
über den Tertr, die im Sennaar einheimische Banyane [Ficus populifolia),
würde die schon früher gehegte Vermuthung30) bestätigen,
dass unter den Tropen dieselbe Art bald als selbständiger Baum
bald als Schlinggewächs sich entwickeln kann. Von den tropischen
Feigenbäumen ist es bekannt, dass schwache Stämme sich an stärkere
Bäume anlegen, sie umspannen und ersticken können. Die
Luftwurzeln, die bei jener Banyane dicht gedrängt stehen, scheinen,
im Fall sie zu einem grossen Baume auswächst, die fremde Stütze
zu ersetzen.
Wie wenig das Lorbeerblatt in seiner lange Zeit fortgesetzten
Thätigkeit dem Klima von Sudan entspricht, schien schon dadurch
angedeutet zu sein, dass kein Baum aus der Familie der Laurineen
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