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248 XII. Wald^-ebiot des weatlichen Kontinents.
Maiskultur. 249
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aufgesclilossen ist, versprechen nicht, wie Europa oder China, eine
durch Jahrtausende andauernde Fruchtbarkeit. Es fehlt dem westlichen
Kontinent, dessen entlegene Hochgebirge die Kraft ihrer Flüsse
in den Prairieen oder in nordischen Kliraaten vergeuden, an jenen
weitliin verzweigten Hebungen, die, gleich den Alpen, wo sie mit der
lombardischen Ebene sich berühren, unmittelbar durch ihr fliessendes
Wasser in den Ackerbau eingreifen. Jetzt ist Alles noch neu, unermessliche
Metall- und Kohlenschätze geben dem wachsenden Nationalreichthum
eine Grundlage, wie sie kein Theil der Erde in
gleichem Umfange besitzt. Für eine Reihe von Menschenaltern ist
durch die Waldbäume, die aus einer gewissen Tiefe den Nahrungsstotr
an die Oberfläche führen, der Fortschritt des Ackerbaus gesichert,
aber es scheint ein Vorurtlieil zu meinen, dass die eben
durcli die ^]rhaltung ihrer natürlichen Kräfte bedingte Civilisation
der östlichen Hemisphäre bestimmt sei, dereinst auf die westliche
überzugehen. Es ist nur eine Erweiterung ihres Schauplatzes, gleich
derjenigen, die zu Anfang des Mittelalters im mittleren und nördlichen
Europa eintrat, als sich Völker entwickelten, denen gegenüber
die Bewohner des Südens und des Orients viel mehr durch politische
Zustände gehemmt wurden, als dass die Naturgaben dieser alten
Kulturländer sich erschöpft hätten.
Stellen wir uns das westliche Waldgcbiet als ein zweites Europa
vor, so haben wir bei der Vergleichung mit unserem Erdtheil noch
einige klimatische Momente zu berücksichtigen, durch welche die
Wahl der Kulturgewäclise zum Theil bedingt ist. Mit der grösseren
Ergiebigkeit der Niederschläge ist es nicht leicht in Einklang zu
bringen, dass der Dampfgehalt der Atmosphäre geringer sein soll,
als in Europa. Blodget bemerkt, dass in England durchschnittlich
von einer Wasserfläche weniger verdunstet, als auf dieselbe Regen
herabfällt, in den atlantischen Staaten Nordamerikas sei das Verhältniss
umgekehrt. Dies ist nur ein anderer Ausdruck für die
grössere Trockenheit der Luft, welche die Verdunstung der Binnengewässer
beschleunigt, deren Wasserverlust durch die Niederschläge
des ganzen Stromgebiets ersetzt wird. Die Erscheinung hängt offenbar
mit einer allgemeinen Eigenthümlichkeit der Temperaturkurve
in den östlichen Staaten zusammen, deren Werthe in weit höherem
Grade, als in Europa, sprungweise wechseln, in allen Jahrszeiten
oder in noch kürzeren Perioden sich weiter von ihrem Mittel entfernen
und auch grösseren nicht periodischen Gegensätzen unterliegen.
Eine plötzlich eintretende Erniedrigung der Temperatur
reinigt die Atmosphäre von ihrem Wasserdampf, die unmittelbar
folgende Erliölmng beschleunigt die Verdunstung der Wasserflächen.
Beide Erscheinungen, wie auch die grössere liegenmenge der östlichen
Staaten selbst, können von ihrer geographischen Lage abgeleitet,
als eine Wirkung ihrer Umgebungen aufgefasst werden. Ungleiclie
Wärmeklimate sind hier einander näher gerückt: eingeschlossen
von zwei Meeren, von den Prairieen und den grossen Süsswasserflächen
Kanadas, wenig entlegen sodann von der erkältenden Hudsonsbai,
sind die atlantischen Staaten in ihrer oifenen Lage allen
diesen so verschiedenartigen Einflüssen Preis gegeben. Je enger der
Kaum ist, auf welchem sich warme und kalte, gemässigte und excessive
Klimate berühren, desto intensiver, desto häufiger wirken sie
auf einander durch die Luftströmungen. Bis die aus Sibirien wehenden
Winde, welche dem westlichen Europa die niedrigsten Temperaturen
zuführen, dieses erreicht haben, hat ihre Kälte sich schon
gemässigt. Da die Quellen der grossen Temperaturänderungen den
atlantischen Staaten so viel näher liegen, erfährt das Klima hier unter
dem Wechsel der Winde von Tage zu Tage, von Woche zu Woche
jene plötzlichen Schwankungen der Wärme, die auf die Vegetation
nicht ohne Einfluss bleiben können.
Die meisten europäischen Kulturgewächse gedeihen indessen in
Nordamerika ebenso, wie bei uns. Einigen Kulturen von Gewächsen
aus tropischer Heimath, wie den Orangen, ist der Temperaturwechsel
in dem grössten Theil der südlichen Staaten nachtheilig. Erst in
Florida N. B.), wo eine fast tropische Gleichmässigkeit des
Klimas b e g i n n t h a t die Orange sich, wie in Cuba, angesiedelt.
Zwei wichtigere Fälle sind sodann bekannt und viell'ach erörtert
worden, in denen der eigenthümliche Einfluss des Klimas der östlichen
Staaten sich äussert, bei dem Mais, der dort ungeachtet der so verschiedenen
Lage der Isothermen sogar bis zu höheren Breiten, als in
Europa, gebaut wird, und bei dem Weinstock, dessen Kultur nirgends
mit Erfolg eingeführt werden konnte.
Der Mais zeigt im Osten Nordamerikas das grösste Akklimatisationsvermögen.
Dieses Gewächs, welches in Europa, um seine
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