
60 VI. Indisches Monsungebiet.
der Himalaja etwa in höherem Masse, als die Alpen, durch einen
eigenthümlichen Bau der endemischen Gewächse bevorzugt sei.
Dte Vermischung europäischer und arktischer mit tropischen,
eingewanderter mit endemischen Pflanzen ist es besonders, wodurch
die Vegetation des indischen Himalaja charakterisirt wird. Diese
Verbindung von Arten aus verschiedenen Klimaten an gleichen Standorten
lässt sich so auffassen, dass. die indischen Bestandtheile der
regelmässig geordneten Befeuchtung der Monsunniederschläge bedürfen,
aber nicht an tropische Wärme gebunden sind, und dass die
Gewächse des Nordens hier die ihrem Bau entsprechende Tempe-
• ratur wiederfinden. Tropische Stauden und einjährige Kräuter,
deren Vegetationszeit von kurzer Dauer ist, steigen im westlichen
Himalaja bis in die Wälder der gemässigten Region, wo sie während
des Sommers ihre Entwickelung vollenden können. Mit zunehmender
Feuchtigkeit und gemindertem Unterschiede der Jahrszeiten
wiederholt sich in Sikkim dasselbe Verhältniss auch mit anderen
tropischen Gewächsen, mit dikotyledonischen Bäumen, mit Bambusen
und Orchideen, die gegen die Abnahme der Temperatur unempfindlich
sind. In den höchsten Regionen finden die Gew.ächse der arktischen
Zone durch das allmälige Abschmelzen des Winterschnees
die ihrem Wachsthum entsprechende Kürze der Vegetationsperiode
wieder, aber sie mischen sich hiei mit so ähnlichen endemischen
Arten, dass man im Zweifel ist, ob die ersteren sämmtlich eingewandert
oder erst von hier aus nach Nordasien und zu den Alpen gelangt
sind. Und über manche europäische Pflanzen der gemässigten Region
herrscht dieselbe Ungewissheit. Im westlichsten Theil des
Himalaja mischen sich auch Steppenformen ein und bewohnen daselbst
entweder die alpine Region, oder steigen von der Ebene des Punjab
in das Gebirge, die durch Afghanistan, ebenso wie Tibet durch Turkestan,
mit den trockenen Klimaten Asiens und Afrikas in Verbindung
steht. Diese Mischungen der Flora aus Bestandtheilen verschiedenen
Ursprungs werden durch die Thaleinschnitte des Indus
und Satlej befördert, welche hier die Hauptkette von Tibet aus
durchbrechen.
Durch die Verzweigung zu hohen Parallelketten, welche ebenfalls
von diesen Strömen durchschnitten werden, entsteht ferner im
Inneren des westlichen Himalaja, an der Südseite der tibetanischen
Indischer Himalaja. — Nielgherries. 61
Pässe, eine klimatische Uebergangszones'?), die, zwar noch ganz
unberührt von den tropischen Sommerregen, doch so viel Niederschläge
empfängt, dass neben der Steppenvegetation auch eine Entwickelung
von Wäldern möglich wird. Diese Zone umfasst die
Landschaften von Kunawur bis Kaschmir und bis zum Thale des
Indus unterhalb Iskardo. Viele Pflanzen haben diese Gegenden gemeinsam,
und der verschiedene Grad ihrer Bewaldung scheint von
der Häufigkeit der Niederschläge abzuhängen. Das feuchtere Kaschmir
hat prächtige Hochwälder, in Kunawur ist die Bewaldung ganz
unbedeutend, der Graswuchs ärmlich und durch die bis hieher verbreiteten,
tibetanischen Caraganen zurückgedrängt. Untersucht
man den Ursprung der Flora dieses Uebergangsgebiets, so ergiebt
sich, dass wenige Arten, unter der Bäumen eine eigenthümliche
Kiefer {Pimts Gerardiana), endemisch sind, und dass die übrigen
grösstentheils aus den Nachbarländern abstammen, die meisten Waldbäume
aus dem jenseitigen indischen liimalaja, jedoch ohne bis hieher
von tropischen Gewächsen begleitet zu sein, die Steppenpflanzen
aus Tibet, europäische aus weiterer Ferne. Im Spiti-Thal ist der
einzige wildwachsende Baum jener asiatische Wachholder [Juniperus
foeticlissima) , von dessen Verbreitung zum Kaukasus und Taurus
früher gehandelt wurde, und der auch in Balti am Indus auftritt, in
Kaschmir mit den Nadelhölzern des Himalaja zusammentrifft.
Auf den Nielgherries , der höchsten Erhebung der westlichen
Ghauts über der Küste von Malabar (bis 8000 Fuss), treten nur in
den Schluchten und Thälern des zerrissenen Randgebirgs kräftige
Waldjungles auf, eine Combretacee [Anogeissiis) ist in gewissen
Höhen (von 2000—4000 Fuss) vorherrschend. Die wellige Hochfläche
und die ihr aufgesetzten Berge (5000—8000 Fuss hoch) sind
meistentheils waldlos, eine zarte Krautvegetation von blassem Grün,
nur einzeln von niedrigen Baumgruppen unterbrochen, bedeckt sie,
Gesträuche kommen ebenfalls vor, bis zu den Gipfeln dasselbe Rhododendron
[R. arhoreum) , welches am Himalaja die häufigste Art
dieser Gattung ist und hier zum Gebüsch verkümmert. Unter den
Stauden dieser baumlosen Region sind manche europäische Gattungen
vertreten, die den indischen Ebenen fehlen (z. B. Gentianeen, Labiaten,
Rosaceen), und die hier zu einem viel tieferen Niveau (bis
5000 Fuss) hinabsteigen, als am tlimalaja. Die Erklärung liegt
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