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274 XIII. Prairieengebiet.
einmal Baumwuchs sie begleitet, oder auch nur an die Herstellung
einer Strasse gedacht werden kann. Die Cafions entstehen da, wo
Flüsse von fernen Gebirgen ausgehend über weiche Gesteine mit
starkem Gefälle hinabgleiten und durch die Dürre der Hochfläche,
in welche sie einschneiden, die Abwaschung ihrer Thalwände von
den Seiten aus gehemmt war. Es giebt Hochebenen, wie der unwirthbare
Llano estacado an der Grenze von Texas und Neu-Mexiko,
die von steilen Felsabstürzen so vollständig eingeschlossen sind, das^
kaum ein Zugang möglich ist. Einige Abschnitte des Coloradothals
im Süden von Uta haben wegen ähnlicher Schwierigkeiten noch gar
nicht erreicht werden können.
Die Regenlosigkeit am Schlüsse der Vegetationsperiode ist nicht,
wie in Südrussland, die Folge einer herrschenden Polarströmung.
Nur mit denjenigen Landschaften des Steppengebiets sind die atmosphärischen
Bewegungen derPrairieen zu vergleichen, wo dieAequatorialwinde
trocken sind, weil sie auf den dem Meere gegenüber
liegenden Gebirgsketten ihren Wasserdampf verloren haben. Allgemein
überwiegen!) am Oregon und in den Landschaften am
Missouri die westlichen, pacifischen Luftströmungen, denen die kalifornischen
Küstenketten und die Eocky Mountains die Feuchtigkeit
entziehen, welche aus den Stromquellen dieser Gebirge zum Meere
wieder zurück fliesst, ohne der Prairieenfläche selbst zu Gute zu
kommen. Die Niederschläge, welche diese selbst treffen und ihre
Vegetation zu rasch vorübereilender Entfaltung wecken, treten bei
anderen Windesrichtungen ein, sie sind von kurzer Dauer und von
gewissen Gegenden fast ganz ausgeschlossen.
Man kann mehrere Abschnitte der Prairieen nach dem Zeitpunkt
und der Bedeutung ihrer Vegetationsperiode unterscheiden,
deren Charakter theils vom Eelief des Bodens, theils von der geographischen
Lage abhängt. Wie in den Steppen, sind auch hier die
Hochländer von den tiefer gelegenen Landschaften gesondert, aber
nicht, wie dort, von Süden nach Norden, sondern in östlicher Richtung
zum Missisippi abgedacht. Die Rocky Mountains bilden das
östliche, die kalifornische Sierra Nevada das westliche Randgebirge
einer Hochfläche, die zwischen ihnen eingeschlossen ist und südwärts
mit Mexiko in ununterbrochenem Zusammenhange steht.
Diesseits der Rocky Mountains liegen die östlichen Prairieen
Vergleichung mit den Steppen. — Oestliche Prairieen. 275
deren Gewässer in den mexikanischen Golf fliessen. Dieser Tlieil
des Gebiets kann als eine schiefe Ebene aufgefasst werden, deren
mittleres Niveau amFusse der Rocky Mountains etwa zu 5000 Fuss 2)
ansteigt und deren Abdachung, die dem Reisenden, der diese wellig
gebauten Flächen durchwandert, kaum bemerklich ist, in der Meridianlinie
des Missisippi zu dem Tieflande der Wälder allmälig herabsinkt,
Auf dieser geneigten Ebene müssen westliche Luftströmungen
sich stetig erwärmen, je weiter sie hinabgleiten, und schon deshalb
von heiterem Himmel begleitet sein. Nur wenn sie von entgegengesetzten
Winden verdrängt werden, die vom atlantischen Meere
oder den kanadischen Seen kommend die Prairieen hinaufwehen,
entstehen hier die Wolkenbildungen, welche den Winter hindurch
den Boden in Schnee hüllen und im Frühling die Vegetation zu
rascher Entwickelung treiben. Der Verlauf der Jahrszeiten zu Fort
Union im nördlichsten Theile dieser Prairieen (48*^ N. B.), wie der
Prinz Wied denselben zuerst darstellte , giebt ein deutliches Bild von
der üebereinstimmung des Klimas mit dem der Steppen Russlands.
Die Atmosphäre ist im Allgemeinen trocken und stürmisch. Auf
den strengen, anhaltenden Winter folgt im Frühling die nasseste
Jahrszek, während welcher die Prairieen in Blüthe stehen, die in
den übrigen Monaten nur verdorrtes, oder mit Schnee bedecktes
Gras tragen. Denn von der Mitte des Juli hebt eine durchaus
trockene Periode an, welche fast ohne atmosphärische Niederschläge
bis zum Ende des Herbstes dauert. Wie in den russischen Steppen,
wird also auch hier die Vegetation gleichsam durch einen doppelten
Winterschlaf unterbrochen. Während des Aprils fallen zuweilen
noch heftige Schneestürme ein, vor dem Mai bricht das Laub bei den
Indianerdörfern nicht hervor, wohl etwas früher in den üferwaldungen,
aber man hat auch erlebt, dass am Ende dieses Monats die
Bäume am Missouri noch nicht grün waren. Im Mai entfalten sich
auch die Blumen der Prairie, aber Ende Juni waren die Hügel um
Fort Union schon fast blüthenleer. Damals war das ganze Land nur
noch mit kurzem, trockenem Grase bedeckt, worauf in rundlichen
Flecken die niedrigen Saftstämme einer Cactee in Menge vertheilt
lagen [Opimtia missotaiensis), die nun ihre gelben Blüthen gleichzeitig
mit einer Artemisie entwickelten [A. gnaphalodes). So dauert
die Vegetationszeit in den Prairieen nur von Mai bis Juli, und doch
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