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290 Xni. Prairieengebiet.
Ziele an, als wären sie ¿-emästet. Die Ausdehnung guten Weidegrundes
ist so gross, dass, wenn diese Gegenden besiedelt sein werilen,
durch die Vermehrung des Viehstandes ihnen eine reichere
Zukunft, als den Steppen, bevorsteht. In weit grösseren Massen,
als in Asien, haben sich hier ehemals die einheimisclien Weidctliiere
vervielfältigt, vor allen die Biilfelheerden, und in Folge dessen traf
man die eingebornen Indianerstämme nicht als Hirtenvölker, sondern
der Jagd und spärlichem Ackerbau hingegeben. Aber hier ist das
wandernde Leben keine nothwendige Bedingung des Unterhalts, weil
die Gräser auch in der trockenen Jahrszeit und im Winter ihren
Nahrungswerth bewahren i-^). Die wichtigsten gehören zu der Gruppe
der nur hier so vorherrschend entwickelten Chlorideen [Bouteloua],
die unter dem Namen Grammagras berühmt sind und von denen
einige grössere Arten auch den Westen bis zur Sierra Nevada bewohnen.
Von ähnlicher Güte sind ferner das Büffel- und das
Büschelgras (das erstere ist Sesleria dactyloides, das Bunch-gras eine
FeMuca). In den Steppen sind die nahrhaften Gräser unter der
Vegetation wie verloren, in den östlichen Prairieen sind sie die vorherrschende
Bekleidung des Bodens.
Die Stauden der Prairieen sind den Gräsern in einer ähnlichen
Mannigfaltigkeit beigemischt, wie in den Steppen. Aber andere
Organisationen treten hier an die Stelle der dort durch ihren Artenreichthum
vorherrschenden Pflanzengruppen, es überwiegen unter
den Synanthereen die ileliantheen und Asteroideen, die Formen mit
grossen Strahlblumen, unter den Leguminosen die Galegeen, unter
den Polygoneen sind die Eriogoneen charakteristisch, durch schöngefärbte
Blüthen zeichnen sich die Onagrarien aus [Oenotherd], die
Scrophularineen sind zahlreicher, als die Labiaten. Unter den Stauden
, die massenhaft für sich wachsen, und namentlich unter den
llalophyten, finden wir indessen stellvertretende Arten derselben
Gattungen und Familien, die in den Steppen am weitesten verbreitet
sind, so von den Artemisien (z. B. A. gnaphalodes) und den Chenopodeen
: auch von Astragaleen ist eine namhafte Anzahl bekannt geworden.
Wo aber die Halophyten auftreten, pflegt der Graswuchs
aufzuhören.
Die Bäume der Uferwaldungen und Gebirgsabhänge sind meist
von dem Waldgebiet aus eingewandert. Nach dem Zusammenhang
Stauden. — .Dikotylcdonische Baiimformen. ~ Gras- u. Salzsteppe. 291
der Erhebimgslinien haben- sie sich besonders aus den westlichen
Landschaften des Oregongebiets und Kaliforniens zu den Rocky
Mountains nach Osten und Süden verbreitet. Doch sind namentlich
auf den südlichen Ausläufern in Neu-Mexiko auch einige eigenthüinliclie
Arten von Nadelhölzern und von Eichen, sowie von der Eschenform
bekannt geworden. Weniger mannigfaltig, als hier, sind an
den Flusslinien die Waldungen zusammengesetzt, in denen man die
leichten Hölzer, das Cottou-wood [Poimhis monilifera u. a., Salix),
von den rothen Gedern [Jimipenis vinjiniana) unterscheidet.
Vegetationsformationen. Die Unterscheidung der Grasund
Salzsteppen lässt sich, wie wir bereits gesehen haben, auch auf
die nördlichen Prairieen diesseits und jenseits der Rocky Mountains
ilbertragen, aber die Anordnung der herrschenden Pflanzen hat auch
manches Eigenthümliche. Die Rasendecke der Prairieen ist gleichförmiger,
einzelne Gewächse der Salzwüste zeigen einen, höheren
Grad einförmiger Geselligkeit. Die Gräser des salzfreien Bodens
werden von den succulenten Cacteen und von den Blattrosetten der
Yucca begleitet. Unter den Stauden, welche mit den Gramineen gemischt
wachsen, sind manche ebenfalls gesellig, aber doch meist auf
weiteren Entfernungen wechselnd, so dass man bei der geringen
Zahl dieser Formen im Norden sich in der weiten Einöde wohl nacli
gewissen Pflanzen orientiren könnte. Dasselbe gilt von denen dei-
Salzwüste und in beiden Formationen von den niedrigen Sträucliern,
die den Gräsern oder den Stauden beigemischt sind, die auf grossen
Landstrecken überall gleichmässig fortkommen und dann plötzlicli
irgendwo einer anderen, ebenso geselligen Art Platz machen. In
den südlicheren Breiten des Arkansas [39^^—37^ N. B.2J)] werden
die Prairieen blumenreicher, die Stauden sind mannigfaltiger gemischt,
und in ununterbrochenem Blüthenwechsel ersetzen sie sich im
Frühling, bis tiefer im Sommer die höheren Synanthereen den Kreislauf
der Vegetation beschliessen.
Aber erst jenseits dieser Zone (36^ N. B.) beginnen mit dem
Mezquite die zusammenhängenden Gesträuchformationen, die den
höheren Breiten fremd sind. In Texas und im nördlichen Mexiko
zeigen sie sich am allgemeinsten verbreitet und gehen, indem die
herrschenden Mimoseen sich mit mannigfachen Dornsträuchern mischen,
in die Formation der Chaparals über , die neben den reinen
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