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212 XL Australien.
hängenden Wiesenteppich von frischem Grün. Wo das Klima
trockener ist, sondern sich zwar die Rasen, aber sie vermögen lange
Zeit ihre lebhafte Farbe zu bewahren, und, wenn sie zuletzt dürr,
bräunlich oder gelb werden, mögen sie doch den Heerden noch genügende
Nahrung gewähren, vorausgesetzt dass die Niederschläge
zur rechten Zeit eintreten, unter denen sie rasch aufs Neue ergrünen.
Die weite Verbreitung solchen Weidelandes sollte, wie in Afrika,
eine reiche Säugethierfauna erwarten lassen; auch der Name des
Känguru-Grases [AntkMria australis), welches ß . B r own a l s die
schätzbarste und häufigste Graminee Australiens bezeichnet, scheint
dieses anzudeuten : aber so sehr sich die Menge der einheimischen
Thiere dem Einfluss der Heerdenvervielfältigung gegenüber vermindert
haben mag, so kann man doch die geringe Zahl der Urbewohner,
sowie die Erfahrung, dass keine der Entdeckungsexpeditionen
durch die Jagd sich zu erhalten im Stande war, als entscheidenden
Beweis gelten lassen , dass die Natur aus ihrem Segen
für das Gedeihen der weidenden Beutelthiere wenig Nutzen gezogen
hat, vielleicht weil deren Fortpflanzung allzusehr erschwert ist.
Australien ist in dieser Beziehung mit den Pampas in Südamerika
zu vergleichen, wo derUeberfluss an Nahrungsstoifen auch erst dem
einwandernden Europäer zu Gute kam.
Unter dem Blüthenschmuck, der die Gramineen zu begleiten
pflegt, sind die Immortellen und die Knollengewächse als bezeichnend
für das trockene Klima Australiens hervorzuheben. Die Immortellen
{Heiichrysum) besitzen in der Saftlosigkeit ihrer Blüthen oder Hüllblätter
ein Hülfsmittel, der Dürre zu widerstehen, ohne die Befruchtung
zu gefährden. Die monokotyledonischen Knollengewächse
(Liliaceen, Haemodoraceen, Orchideen) beschränken sich auf die
verhältnissmässig kürzeste Vegetationsperiode, um der wichtigsten
Lebensfunktion zu genügen, nämlich die Entfaltung ihrer Blüthen
möglichst früh vollenden zu können. Die Mannigfaltigkeit der Bildungen
in diesem Formenkreise, wie das Kapland sie zeigt, erreicht
indessen Australien nicht.
Zeigt sich nun in diesem letztgenannten Verhältniss eine der
wenigen Analogieen mit andern Ländern, die ein Steppen- oder
Passatklima besitzen, so ist es eine neue Hinweisung auf die Unregelmässigkeit
der Niederschläge, wie sehr andere Erzeugnisse
Andere Steppenformen. — Tropische Bestandtheile der Vegetation. 213
regenloser Jahrszeiten hier zurücktreten oder doch nur auf einzelne
Theile des Kontinents beschränkt sind: so die Succulenten Amerikas
und Afrikas, die Halophyten Russlands ^ die Dornsträucher Asiens
und Patagoniens. Alle diese Gewächse scheinen eine gesichertere
Periodicität der meteorologischen Lebensbedingungen zu erheischen,
als Australien sie bietet. Nur die Halophytenform mit ihren saftigen
Blättern charakterisirt auch liier den salzhaltigen Boden, der als ein
ehemaliges Seebecken von Spencer s Golf sich nach Norden und nordostwärts
bis zu den Zuflüssen des Darling weit in das Innere ausdehnt.
Hier fand Mitchell^) die halbsucculenten Chenopodeen, in
denen der Salzgehalt den Saft der Blätter zurückhält: eine derselben
wird als Salz-Busch bezeichnet [Rhagodia esculenta). Aehnliche
Blattbildungen werden in anderen Gegenden nur vereinzelt angetroffen
(z. B. Mesembryanthemum an den Küsten, Lohelia gihhosa auf
dem Graslande im Herbste^. Von ächten Succulenten soll eine fleischige
Euphorbie in den Steppen an Spencer s Golf vorkommen. Von
Dornsträuchern finde ich in meiner australischen Pflanzensammlung
nur wenige Beispiele : doch ist es ein häufiger Fall, dass die Nadeln
der Erikenform, steif wie sie sind, in eine stechende Spitze auslaufen.
So durchgreifend die systematischen Verschiedenheiten sind,
welche die Vegetationscentren der beiden pflanzenreichsten Gebiete,
den Südwesten und Südosten Australiens von einander trennen, so
stimmen doch die herrschenden Pflanzenformen überein. Das tropische
Gebiet hat ungeachtet seines wärmeren Klimas, wie in Afrika,
eine viel weniger artenreiche Vegetation, So wenig eine klimatische
Erklärung dieses Verhältnisses möglich scheint, so äussert sich doch
in gewissen Pflanzenformen der Einfluss einer erhöhten und gleichmassigeren
Wärme. Hier ist eine Reihe von indischen Gewächsen
eingewandert, welche das gemässigte Australien nicht erreichen;
Müller i) führt an, dass man bereits gegen hundert Baumarten im
tropischen Gebiet zähle, die von indischen nicht zu unterscheiden
sind, also einem Austausch mit Timor und andern Inseln ihre Ausbreitung
verdanken. Eine andere Gruppe von indischen Gattungen
wird hier durch besondere, endemische Arten vertreten. Die Grenzen
dieser tropischen Bestandtheile. die, Avie Fremdlinge, unter die
Formen der australischen Vegetation sich einmischen, setzt Hooker
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