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4 VI. Indisches Monsungebiet.
Klimatische Mannigfaltigkeit des Monsungebiets. 5
entsteht, wo die Passate beider Hemisphären sich begegnen und
stauen, und der zu den Bildungen von Wolken und täglichen Gewittern
den Anlass giebt, zu Regenzeiten, die kurz nach dem Zenithstande
der Sonne zu beginnen pflegen, aber immer einen reichlichen
Vorrath verdampfenden Wassers, sei es über dem Meere oder im
Binnenlande, voraussetzen. Die Elevationsniederschläge können
zwar auch in dieselbe wärmste Jahrszeit fallen, aber sie sind von
der Solstitialbewegung unabhängig. Die schräge Abdachung von
Gebirgsketten, deren Axe von horizontalen Luftströmungen getroffen
wird, verursacht hier eine Ablenkung derselben nach aufwärts, wodurch
sie abgekühlt ihre Feuchtigkeit verlieren. Die Zenithregenzeiten
sind eine Folge der kräftigsten Insolation, sie werden durch
die wärmste Periode des Jahrs eingeleitet und können, bis der aufsteigende
Luftstrom sich weiterhin verschoben hat und der einfache
Passat wieder die Herrschaft gewinnt, eine kürzere oder längere Zeit
fortdauern. Die Elevationsniederschläge sind überhaupt an keine
bestimmte Jahrszeit gebunden, sie entwickeln sich gewöhnlich aus^
Seewinden, aus welcher Richtung dieselben auch wehen mögen, und
wären es auch das ganze Jahr hindurch anhaltende Passatwinde.
Im Monsungebiete treffen sie an den Ghauts der Küste von Malabar
mit den Zenithregen des Sommers der Jahrszeit nach zusammen, aber
sie können auch stetig fortdauern, wenn, wie im indischen Archipel,
die Winde beider JahrshäLften Seewinde sind, und wenn sie ein Gebirge
von beiden Seiten treffen. Da der Wechsel der asiatischen
Monsune überhaupt nur darin besteht, dass die Passate aus der einen
Hemisphäre in die andere übergehen, so erzeugen oder verhindern
sie die Niederschläge in derselben Weise, wie die in engere Grenzen
eingeschlossenen Passatwinde anderer Kontinente.
Im tropischen Asien sind durch die überwiegend einseitige Vertheilung
des Festlands und Meers die regelmässig wechselnden Winde
dem einfachsten Gesetze unterworfen, aber so übereinstimmend auf
weiten Räumen die Richtung der Monsune ist, so mannigfach werden
ihre Wirkungen auf die atmosphärischen Niederschläge durch die
Lage und Erhebung der Küsten verändert. Ueberall finden wir diesseits
des Aequators im Sommer die Aspiration des asiatischen Kontinents,
den vom indischen und chinesischen Meere wehenden Monsun,
und im Winter die entgegengesetzte Luftströmu^g. Jenseita
des Aequators tritt im indischen Archipel das australische Wärme-
Zentrum in Wirksamkeit. Hier herrscht auf den Molukken und in
Neu-Guinea der Nordwestmonsun in den südhemisphärischen Sommermonaten,
der Südost dauert daselbst vom April bis November .
In beiden Fällen folgen also die Aspirationen dem Zenithstande der
Sonne. Wallace nimmt an, dass zwischen den Monsunen beider
Hemisphären ein äquatorialer Gürtel eingeschaltet sei, der etwa sechs
Breitengrade umspanne, auf welchen die Niederschläge am stärksten
seien und in der That die Gegensätze der trockenen und nassen
Jahrszeiten fast ganz aufhören. Allein dies ist nicht so zu verstehen,
als ob die Monsune daselbst unterbrochen wären, was nur selten,
wie an der Südwestküste von Sumatra^), beobachtet ist, und wahrscheinlich
nur, weil dieselbe durch die hohen Gebirge der Insel geschützt
Avird. Jener feuchte Aequatorialgürtel, der auf die Vegetation
von Borneo bis Neu-Guinea vom grössten Einflüsse ist, verdankt,
wie das westliche Java, seine Eigenthümlichkeit der von den Kontinenten
entfernteren Lage, wodurch die Monsune beider Jahreshälften
als reine Seewinde wirken, die den Wasserdampf unerschöpflich
dem Lande zuführen.
Ausserhalb der Aequatorialzone wechseln zwar überall nasse
und trockene Jahrszeiten, aber die Dauer, Stärke und Vertheilung
der Niederschläge sind so sehr von örtlichen Bedingungen abhängig,
dass eine geographische Eintheilung des Monsungebiets nach diesen
klimatischen Verhältnissen nicht durchzuführen sein würde. Je
nachdem die Luftströmungen See- oder Landwinde sind, je nach
dem Winkel, unter dem sie die Küsten treffen, sowie nach der Lage
von Gebii'gen und Hochflächen finden wir bald ungleiche Klimate
nahe zusammen gerückt, bald ähnliche Vegetationsbedingungen ohne
geographischen Zusammenhang sich wiederholend, indem feuchte
Landschaften, wie Malabar und Bengalen, durch weite Strecken von
verschiedenem Charakter getrennt sind^). In solchen Fällen steht
die Vegetation unter jenem zwiefachen Einfluss, der überall ihre
Anordnung beherrscht, dass nämlich gewisse Arten dem ähnlichen
Klima folgen, andere um so mehr in ihrer Absonderung verharren,
je grösser der räumliche Abstand ihrer Centren wird. So ist die
Palmyra-Palme [Borassus] den regenarmen, aber oft durch weite
Zwischenräume getrennten Klimaten von der Küste Koromandel und
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