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sind von den Galapagos allein 10 endemische Gattungen beschrieben
worden, deren Selbständigkeit unbestritten ist: sie sind
mit einer einzigen Ausnahme (Äca/ma) monotypisch, und sechs davon
gehören zu den Synanthereen. Alle Beredsamkeit, womit die Abstammung
der Vegetation oceanischer Inseln von den Kontinenten
Verth eidigt zu werden pflegt, kann die Thatsache nicht verdunkeln,
dass in solchen Fällen die Organisationen nicht anzugeben sind, aus
deren Variation man sie sich hervorgegangen vorstellen möchte. Die
nahe Verwandtschaft hingegen, welche zwischen vielen endemischen
Erzeugnissen des Archipels und denen der amerikanischen Floren
unläugbar besteht, kann aus dem Bildungsgesetz der räumlichen
Analogieen ebenso wohl, als aus einem genetischen Zusammenhange
abgeleitet werden. Und warum sollte überhaupt das Festland vor
den Inseln den Vorzug selbständig entstandener Organisationen gehabt
haben, deren erste Erzeugung in den frühesten Perioden der
Erdgeschichte jeder Möglichkeit einer Variation vorausging? warum
sollte sich nicht später und an verschiedenen Orten wiederholt haben,
was ursprünglich möglich war und wovon nur die Bedingungen ein
noch ungelöstes Räthsel geblieben sind?
Bei der Vergleichung der Standorte hat sich eine durchgreifende
Verschiedenheit der endemischen Gewächse auf den einzelnen Inseln
herausgestellt. Mehr als die Hälfte derselben wurde nur auf einer
einzigen der fünf untersuchten Inseln angetroffen [123] ^„(j ^ur
wenige Arten (5) waren dem ganzen Archipel gemeins^am. Weder
durch die verschiedene Höhe der vulkanischen Hebungen, noch
durch die ungleiche Fruchtbarkeit des Bodens wurden diese Absonderungen
hervorgerufen : denn auf allen Inseln wiederholen sich dieselben
Formationen, und die Unterschiede zwischen denjenigen, die
am fruchtbarsten sind, weichen nicht weniger unter sich, als von
den übrigen ab. Das Wesentliche der Erscheinung ist dies, dass die
gleichen Vegetationsformationen auf jeder Insel aus verschiedenen,.
jedoch ähnlichen, sich gegenseitig vertretenden Arten zusammengesetzt
sind. Als Beispiel kann der Buschwald der Scalesien dienen,
der auf keiner der fünf untersuchten Inseln fehlt, aber auf jeder
derselben aus ein oder zwei eigenthümlichen Arten gebildet wird.
Wir entnehmen hieraus, dass die Natur ursprünglich sehr enge
Wohnorte für die Organismen bereitet hat, dass sie um so reichlicher
die Arten gründete,' als sie spärlich die Individuen schuf, und finden
uns dadurch entschieden der Ansicht genähert, welche die Individuen
gleicher Art von einem einzigen Individuum abstammend sich
vorstellt. Diese ursprünglichen Verhältnisse haben sich auf den Galapagos
erhalten, weil der Austausch unter den einzelnen Inseln
durch ihre Lage und durch den Mangel verbindender Strömungen
besonders erschwert war. Noch jetzt sind viele endemische Arten,
wie in einem Garten gesondert, nur in wenigen Individuen vorhanden.
Dass diejenigen, die zwei oder mehrern Inseln gemeinsam
sind, wirklich durch Uebertragung verbreitet wurden, geht daraus
hervor, dass ihre Anordnung derselben nach Westen fliessenden
Meeresströmung entspricht, durch welche auch die kontinentalen
Gewächse einwanderten. Die Pflanzen der östlichen Inseln konnten
sich leichter auf den westlichen ansiedeln, als die Erzeugnisse dieser
auf jenen Durch die Absonderung der Vegetationscentren ist
auch hier, wie auf andern oceanischen Archipelen, die Verhältnisszahl
der Arten zu den Gattungen erhöht worden. Indessen sind es
doch nur wenige Gattungen, bei denen die Anzahl der bekannt gewordenen
endemischen Arten die der verglichenen Inseln übertrifft.
{Scalesia zählt 8, Borreria ebensoviel, Euphorbia 10, Acalypha 6
und alle diese bei Andersson noch einige zweifelhafte Arten).
16. Juan Fernandez. Der kleine Archipel von Juan Fernandez,
nur einige sechzig g. Meilen von der Küste Chiles entfernt
(34 0 B.), ist weniger als 2 g. Quadratmeilen gross, aber durch
seinen Endemismus sehr ausgezeichnet. Seine Basaltberge erheben
sich gegen 3000 Fuss über steilen üferklippen, der Boden ist indessen
fruchtbar, und die Höhen sind dicht mit Wäldern bedeckt, die
mit grasbewachsenen Flächen abwechseln so). So leicht eine Einwanderung
vom Kontinent hier erfolgen konnte, so zeigt die endemische
Vegetation doch wenig systematische Verwandtschaft mit der
chilenischen oder antarktischen Flora. Auch hier ist der Wald von
eigenthümlichen Vögeln belebt, und zwar von Kolibris, die, gleich
den Bäumen, auf denen sie nisten, nirgendwo sonst auf der Erde
vorkommen.
Durch das Vorwalten der Farne sowie durch Farnbäume
und Palmen nähert sich die Vegetation dem Charakter der neuseeländischen
Flora, aber die Laubhölzer des Waldes sind SynanthereenÜ
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