
196 X. Kapflora.
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Das Verhältniss zu dem tropischen Klima von Natal bedarf noch
weiterer Untersuchungen in dem unabhängigen Kafferlande. Dass
manche tropische Familien auch innerhalb der Kolonie bis zur Algoabai
vertreten i^) sind, hat etwas Befremdendes, da das Klima hier so
trocken ist und die herrschenden Vegetationsformen dies auch so
sehr ausdrücken. Regen ist in Albany selten und ungewissS), aber
freilich wird die Bewässerung des Bodens durch zahlreiche Küsteniiüsse
bereichert, welche von den Höhen aus gespeist werden, an
denen der Sommerpassat seine Feuchtigkeit verdichtet. Die Einwanderung
tropischer Pflanzen scheint davon abzuhängen, dass entweder
ihre Standorte dem Seewinde frei gegenüber liegen oder
durch fliessendes Wasser gegen die Trockenheit der Luft geschützt
werden.
An den Gräsern äussert sich in den östlichen Provinzen ebenfalls
der klimatische Einfluss der Exposition gegen die Seewinde.
Bei Grahamstown in Albany sieht man bereits das Biischland auf
weiten Strecken mit Grasfluren abwechseln 0) , aber an Werth als
Weide sind diese doch nur einer dürren Steppe gleich zu achten.
Erst in freieren und höheren Lagen erhalten sie die Bedeutung tropischer
Savanen. Als Zeyher^4j ^^^ Fischfluss aufwärts zog, fand
er in dessen Quellgebiet (32 0 S. B.), aber auf der dem indischen
Meere zugewendeten Ostseite der Schneeberge jenen einförmig hohen
Graswuchs, der von hier aus unverändert über die Hochebenen am
oberen Gariep (im Niveau von 4000 bis 6000 Fuss) in das tropische
Afrika übergeht. Hier unterbricht regelmässiger, als in den tiefer
gelegenen Landschaften, die trockenen Jahrszeiten der Sommerregen,
und auf dieser östlichen Karroo-Terrasse reicht daher der
tropische Graswachs noch weiter nach Süden, als an der Küste
von Natal.
Wälder erscheinen in der Kapkolonie fast nur an der Südküste
zwischen dem Kap und der Algoabai, wo sie in östlicher Richtung
an den dem feuchten Seewinde ausgesetzten Abhängen der Gebirge
und in den Durchbruchsthälern der Karroo-Flüsse an Bedeutung und
Höhe des-Baumwuchses zunehmen. In der Provinz George findet
sich ein freilich nur schmaler Giirtel von geschlossenen Hochwaldsbeständen,
wo die dicht belaubten, mächtigen Kronen weit über das
niedrige Gehölz emporragen und die Stämme von Lianen (z. B.
Grassteppe. — Wald. — Absonderung der Vegctatioiiscciitrcu. 197
Ampelideen und Asclepiadeen) umschlungen sind. Das Unterholz
dieser Wälder ist dicht verwachsen, Dornen und Schlinggewächse
machen das Dickicht fast undurchdringlich. Es werden Stämme von
Podocarpus erwähnt, welche vier Männer nicht umspannen konnten,
aber auch nur hier besitzt die Kolonie gutes Bauholz : in dem benachbarten
Distrikt von Uitenhage sind die Waldungen bereits wieder
dürftiger, ebenso wie bei der Kapstadt. Sie gedeihen nur, wo es nie
an Feuchtigkeit mangelt-^), an den schattigen Südabhängen, wo das
Wasser beständig von den Felswänden herabsickert, wo die Bäume
selbst und ihre Dammerde es zurückhalten. In diesen Waldschluchten
sammeln sich Bäche, die von dem stai-ken Humus braun gefärbt
sind. Bergaufwärts ist die Waldregion von geringer Ausdehnung :
hat man die Gebüsche mühsam durchklettert; so gelangt man in
lichtere Bestände, die Bäume werden kleiner, und nun ist bald ihre
Höhengrenze erreicht, wo das Buschland wieder anfängt.
In den baumlosen Steppen des Innern, wo nur die Flüsse von
Uferwaldungen umsäumt werden, sind auch diese von unansehnlichem
Wuchs. So ist der Thalweg des Gariep von einem Mischwalde
bekleidet^), der aus Acacien, Weiden und andern Bäumen
besteht, von denen mehrere Dornen tragen und einige ihr Laub
periodisch verlieren .
Yegetationscentreu. Die Absonderung der Kapflora von
dem übrigen Afrika, die nur in den östlichen Landschaften eine gewisse
Vermischung' der Centren gestattet, ist bereits erörtert worden.
Die nicht endemischen Pflanzen bilden nur einen ganz untergeordneten
Bestandtheil und die meisten sind wahrscheinlich erst in Folge
der Kolonisation einheimisch geworden. So hat, wie am Mittelmeer,
die amerikanische Opuntie angefangen, namentlich auf den trockenen
Hügeln am Gariep, sich in weiterem Umfange auszubreiten . Durch
die grössten Weiten des Oceans ist das Kapland von den ähnlichen
Klimaten anderer Kontinente getrennt, und in einer so abgeschiedenen
Lage mussten die Vegetationscentren sich unvermischt erhalten. Um
so viel merkwürdiger aber ist die ähnliche Erscheinung im Lande
selbst. BunburyS) erwähnt, dass er in der pflanzenreichen Gegend
von Grahamstown in Albany nur 13 Arten habe auffinden können,
welche auch bei der Kapstadt vorkommen. Durch die klimatischen
Gegensätze, die eine Folge der verschiedenen Expositiop und der
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